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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IL 1.

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Vertrag von 1230 zwischen den Brüdern Gottfried undConrad von Hohenlohe wird verabredet, dass jeder derBrüder berechtigt sein soll, clypeum patrissuiet bane-riam novam ewiglich zu führen. Dieses Fahnenbildist es meines Brachtens, welches im Clipearius des Con-rad von Mure (ca. 1260) in folgendem Verse beschrie-ben wird:

Hohenlo duo stant nigri tacti super albo,Sic niger hoc clipeo color est contrarius albo.

Es handelt sich hier augenscheinlich um eine He-roldsflgur ob Pfahl oder Balken will ich unentschie-den lassen, welche in den Farben mit dem Wappen-schilde übereinstimmt').

Auf ein derartiges Nebeneinanderbestehen vonWappen und Heroldsbild führe ich auch den sogenanntenWappenwechsel zurück, welchen Herzog Friedrich vonOesterreich, der letzte Babenberger, vorgenommen habensoll. Das vermeintlich neue Wappen tritt mit demMomente auf, als derselbe im J. 1232 mit 200 Schild-gefährten den Ritterschlag empfing 2 ). Der Wappenrockist von rothem Tuch, mit einem weissen Streifen umdie Brust. Die gleichzeitigen Quellen, welche dieseThatsachen erwähnen, sprechen mit keinem Worte davon,dass es sich hier um ein neues Wappen handle 3 ).Vielmehr spricht der Dominicaner l'ernold (vergl. S. 14)von dem Balkenscliild ausdrücklich als der forma con-sueta clypei austriaci.

Diesem Beispiele folgten die Herzoge von Bayern,welche die blauweissen Wecken in ihren hchild auf-nahmen. Hier hat jedoch die Heroldsfigur das Wappen-thier nicht zu verdrängen vermocht. Beachtenswerthist, dass noch von Kaiser Ludwig der Weckenschild 1337als insignia armorum et vcxilli Terre Bawarie 4 , derLöwenschild 1338 als arma nostri ducatus Bauariac 5 Jbezeichnet werden.

Etwa gleichzeitig mit den Herzogen von Bayernvertauschte Graf Friedrich der Erlauchte von Zollernden Löwenschild mit dem schwarzweiss quadrirten Wap-penschild ; das betreffende Siegel kommt zuerst an einerUrkunde des J. 1248 vor. Sein Vetter, Burggraf Fried-rich III. von Nürnberg, nahm etwa 17 Jahre späterebenfalls den quadrirten Schild an (zuerst im Siegel von1265), nachdem er 1256 noch den Löwenschild in seinemSiegel geführt hatte").

Bei den Grafen von Belebungen in Thüringen kommenebenfalls zwei verschiedene Schildzeichen vor und zwarführt Graf Friedrich im J. 1255 einen querliegendenAdler, ein anderer Graf Friedrich im nämlichen Jahreeinen dreimal getheilten Schild. Eine Zeitlangbestehen die beiden Wappen nebeneinander bis endlichdas Heroldsbild entschieden die Oberhand gewinnt.

Auch im Hause der Grafen von Schwerin tritt dieConcurrenz von Wappen und Heroldsbild auf. Nachdemdiese Grafen im 13. Jahrb. die beiden Lindwürmer amBaum (deren Wappen-Qualität ich oben 1 ) bewiesen habe)

1) Dass Conrad v. Mure die Leoparden für Pfähleangesehen habe, wie Herr v. Liebenau annimmt(Heraldische Vierteljahrsschrift 1880 S. 33) ist mir dochnicht wahrscheinlich.

2) Die Belege sind oben S. 14 mitgetheilt.

3) Der Herr Graf von Pettenegg, dessen Autoritätich sehr hoch stelle, hält allerdings an der Würdigungdieses Vorgangs als Wappenänderung fest, undbegründet dieselbe durch den Missbrauch, den Heinrichvon Kuenring als Regierer Oesterreichs mit dem her-zoglichen Siegeln getrieben habe.

4) Vergl. AbschnittWappen-Erwerbung."

5) Vergl. Urkunde Nr. 12.

6) Die hier erwähnten Siegel kommen an andererStelle noch vor.

7) Siehe S. 75.

im Schilde geführt hatten, erscheint plötzlich um 1300der getheilte Schild (ursprünglich wohl ein Fahnenbild)der später als das Wappen der Grafschaft Schwerinausschliesslich gilt.

Unter diesem Gesichtspunct ist meines Erachtensauch das nachfolgende Sig. IV. A. 2 des Arnold v.Strauss vom J. 1297 zu betrachten 8 ). An derselben Ur-kunde kommen die Siegel seiner Brüder Heinrich undJohann vor, die sich im Texte nobiles fratres de Struzenennen.

Nr. 29.

Den Strauss bezeichnet Fürst Hohenlohe, wie mirscheint willkürlich als eines jenerredenden Siegelbilder"wie siezum Theil als sphragistisches Beizeichen dienten"undspäter häufig theils wirklich als Wappenbilder ange-nommen, theils irrthümlich dafür angesehen und aus-gegeben worden" seien.

Die vorgetragenen Thatsachen weisen darauf hin,dass die Heroldsfiguren im 13. Jahrh. eine Sache derMode geworden waren. Viele Geschlechter, derenWappen sicherlich nicht über das J. 1200 zurückreicht,wählten sich solche Heroldsfiguren zum Wappen.

Eine letzte Gattung der durch den Schild in das Wap-penwesen eingebrachten Bilder würden diejenigen Figurenbilden, welche hinsichtlich ihrer Entstehung auf dieSysteme der Schildbefestigung zurückzuführensind. Indess gehören die wenigen sicher nachgewiesenenFälle einer späteren Zeit an. Wir werden am Schlüssedes 6. Capitels darauf zurückkommen.

Die Wappen werden erblich.Ohne den wappenrechtlichen Erörterungen vorzu-greifen, constatire ich hier, dass in den Liedern des-12. Jahrh. sich kein Anhalt für die Erblichkeit derWappen auffinden lässt, die Wappen haben in jenenZeitraum entschieden etwas persönlich kennzeich-nendes.

Im Lanzelet des Ulrich v. Zatzikhoven, der sichallerdings strenge an seine wälsche Vorlage gehaltenbat, lässt sich diess mit Deutlichkeit wahrnehmen.6287 do wart Lanzelet vil geilund bat im schiere ruegeuwaz wafens sie trüegen.Der böte hat in des bereiter sprachder ritter einer treit,der mich gruozte schöneeinen lewen mit einer crone6295 von gölte erhaben harte wolder schilt ist als ich sagen solüz und inne harte riehvon läsüre al gelichder ander einen arn treit8) Fürst Hohenlohe, sphrag. S. 10 Nr. 30. Das Clichöverdanke ich Sr. Durchlaucht.