Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
Seite
78
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

78

Geschichte der Heraldik.' II. 1.

ritter 1 ) fast gleichlautend giebt. Im Turnet wird derSchild beschrieben:

der herzog einen tiuren schilt

von zweier varwe stücken

für sich begunde drücken

nach ritterlichem rechte.

sin halbez teil strifehte

von zobel und von golde was;

das ander stücke, als ich ez las,

erschein durchliuhtic wiz hermiu,

und was von röten keleu drin

geleit ein halber adelar.Einen ähnlichen Verlauf nahm die Entstehung desWappen der Markgrafen voiii Meissen. Markgraf Ottoder Reiche von Meissen, geb. 1125, succ. 1156 f 1190,führt in seinem spitzovalen Siegel III. ß 3 einen pfahl-weise mehrmals getheilten Schild. Dieses Bild, hierwahrscheinlich noch ein willkürlich gewählter oder be-vorzugter Schmuck des Schildes, wird durch die Ver-erbung auf Ottos Sohn Dietrich (succedirt 1195 seinemälteren Bruder Albrecht, t 1221) der 1200 ein sehr ähn-liches Siegel führt, zum wirklichen AVappen. Späterwurde, da man sich die Existenz dieses Heroldsbildesneben dem Wappenthiere der Mark Meissen, dem Löwen,nicht zu erklären vermochte, die Pfahltheilung auf die,erst durch Dietrichs gleichnamigen Enkel abgezweigteMarkgrafschaft Landsberg bezogen.

Das Nebeneinanderbestehen von W a p p e n und demzum Wappen werdenden willkürlichen Schild-schmuck, sowie die Concurrenz von Fahne undSchild als Träger des Wappens erklärt das häufigeVorkommen von zwei Wappen bei einem Geschlechte.Das abstracte Wappen, so wie es uns in den Lie-dern bis gegen 1200 entgegentritt, besteht fast immeraus Thieren, Vögeln oder gemeinen Figuren (z. B. einerKrone).

Daher kommt es, dass sich nur Wappenthiere odergemeine Wappeufiguren einerseits und Heroldsfigurenanderseits Concurrenz machen.

In vielen Fällen wurden die beiden Wappen durchVereinigung zur Wappeneinheit 2 ). Ein eclatantes Bei-spiel habe ich bereits vorgeführt; als Seitenstück hiezusehe ich das Wappen der Grafen von Urach an, dieim getheilten Schild oben einen schreitenden Löwen,unten ein Pelzmuster führen.

Nr. 28.

Siegel IV A. 2 des Grafen Rudolf von Urach aneiner Urkunde von 1228 (Nr. 28).

Nicht immer wurde jedoch die Concurrenz in einerderartigen wenn ich so sagen darf: versöhnlichenWeise zum Austrag gebracht. Vielmehr wurde inmanchen Fällen das eigentliche Wappen von der Herolds-figur in den Hintergrund, oder auch ganz verdrängt.

Nur so kann ich die Thatsache deuten, dass dieHerzoge von Teck, deren Stammvater Adalbert im J.1190 mit dem ererbten Zähringischen Adler siegelte(vergl. S. 71 Nr. 3), im Laufe des 13. Jahrhunderts denschwarz-gelb geweckten Schild annahmen 3 ).

Auch bei den Grafen von Oettingen wurde daseigentliche Wappen, der Hirsch (Vergl. S. 71 Nr. 4)vollständig durch das Heroldsbild (Vergl. S. 76 Nr. 20)verdrängt und zwar mit einer solchen Entschiedenheit,dass das einzige Siegel, welches uns das echte Wappendes Grafenhauses aufbewahrt hat, bis heute als einsphragistiscb.es Problem anzusehen war.

Graf Berthold von Lechsgemün^ führt 1175 inseinem Siegel einen Panther. Später (1217) steht derPanther in einem fünfmal getheilten Schilde. Demnächstgilt die Balkentheilung als das eigentliche Wappen derGrafschaft.

Graf Conrad von Heiligenberg führt vor 1208 inseinem ovalen Siegel einen Adler im Siegelfelde.

Graf Berthold von Heiligenberg führt 1220 imschildförmigen Siegel den schrägen Zickzackbalken*).

In Ulrichs v. Lichtenstein Frauendienst wird derAufzug einer historischen Persönlichkeit, des Diet v.Lengenbach, Domvogtes von Regensburg 5 ) geschildert.Zuerst kommt eine Fahne

zetal gehalbet wiz und notwelcher 50 Armbrustscliützen und 50 Knappen folgen.Eine zweite Fahne mit demselben Bilde eröffnet denZug der Einschild-Ritter, 50 an der Zahl, denen 50Pferde mit den uniformen Schilden (getheilt von Vehund Gold) voraufgeführt werden. Den Schluss machtder Domvogt selbst.

Dass die Herren von Hohenlohe im 13. Jahrh. nebenihrem Wappen, den Leoparden, noch ein besonderesFahnenbild führten, ist urkundlich erwiesen. In dem

1) Der Text des Sckwanritter ist leider sehr verdorben.

2; Ganz anders scheint mir die Sachlage bei demWappen der Grafen von Henneberg-Botenlauben, demsogenannten Wappen des Burggrafthums Würzburg zu

sein. Ich werde über dasselbe später im Capitel Wap-pen-Symbolik sprechen. Ueberhaupt möchte ichdringend ratheii, die oben gemachten Wahrnehmungennicht zu rasch auf jeden ähnlich scheinenden Fall an-zuwenden.

3) Adelbert, ein jüngerer Sohn des Herzogs Konradvon Zähringenerscheint in Urkunden zuerst im J'.1146 noch ohne Titel und im J. 1187 also erst nachseines altern Bruders Berthold IV. (f 1186) Tod amfrühesten mit dem Titel eines Herzogs von Teck; alssolcher war er auf den Besitz seiner Familie in denalpischen und neckargauischen Bezirken der Burg Teck,abgetheilt worden. Noch ehe er Herzog hiess, im J.1152, in welchem die Burg Teck sich noch im Besitzedes ebengenannten Bruders befand, treffen wir ihn beiKaiser Konrad III. in Freiburg; mit dem Herzogtitelgeschmückt war er bei K. Heinrich VI. i. J. 1189 inBasel, i. J- 1193 in Gmünd, Gelnhausen, Frankfurt, imJ. 1205 in Worms."Das älteste erhaltene Wappen-siegel (i. e mit den Wecken) hängt an einer Urkundevom J. 1251." v. Stalin Württemb. Gesch. IL 300.

4) Vergl. die Siegeltafeln zu v. Weech, codex Sa-lemitanus Nr. 10 und 18.

5) Dieser Mann ist es, dem im sogenannten SeifriedHelbling (vergl. oben S. 7 die Verse 587 ff.) ein Miss-brauch seiner Rechte, in Bezug auf die Creirung vonEinschildritte^n, zum Vorwurf gemacht wird. Diess istdie Kehrseite der stattlichen Schilderung, welche unsUlrich von Lichtenstejn giebt!