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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 1.

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In diesem Falle hat der Schräghaiken eine heral-dische Bedeutung nicht erlangt. Doch sehen wir ausdiesen Beispielen, wie der Schrägbalken in anderenWappen entstanden sein kann.

Auch die mehrmalige Quer-, sogenannte Balkenthei-lung ist als vorheraldischer Schildschmuck nachweisbar.Ein solches Bild ist es jedenfalls, von dem im Bi-terolf die Rede ist:9880 sprach Rienolt von Meilän

ich hau dort einen schilt gesehender gibet von vier stücken brehen:den tregt von Burgonde lautGere der wigant.Die Balkentheilung lässt sich auch aus einer Münzedes Fürsten Jakzo von Kiipnik, dem letzten wendischenFürsten in der späteren Mark Brandenburg (ca. 1157)nachweisen. Der folgende Bracteat mit der UmschriftJac. Kep. zeigt den Fürsten, in der Rechten eineLanze, mit der Linken den Schild haltend 1 ).Nr. 22.

Nr. 26.

Die Balken sind unverkennbar. Aber in Verbindungmit dem Schilds cbmuck sehen wir hier auch dieSchildhefestigung, den Buckel.

Denselben Schild sehen wir auf folgendem Brac-teaten des Markgrafen Albrecht des Bären:Nr. 23.

Dass diese Balkentheilung kein Wappenbild ist,wird im Zusammenbalte mit dem kurz vorher abgebil-deten Bracteaten, der einen Schild mit Schrägbalkenaufweist, völlig klar.

Auch der in den Besitz der Mark Brandenburgnachfolgende Sohn Albrechts des Bären, Markgraf Otto I.(t 1184) lässt sich in seinen Hohlinünzen mit dem Bal-kenschild abbilden. Ich lasse vier Stempelverschieden-heiten hier folgen:

Nr. 24. Nr. 25.

Nr. 24 zeigt den Schild im Profil und gewährt einenbesseren Einblick in die Anordnung des Schildschmucks,der wie wir hier deutlich ersehen, nicht w a p p e n -mäs sig ist.

Nr. 25 u. 2G zeigen denselben Schild en face, nichtso sorgfaltig detaillirt wie bei dem vorigen Stücke,daher schon eher mit einem Wappenschilde zu ver-wechseln.

Nr. 27 giebt den Markgrafen ungerüstet; dagegenerscheinen zu den Füssen des Fürsten die Brustbilderzweier Krieger2), die mit dem Balkenschilde bewaffnetsind. Diese Schilde erinnern lebhaft an den obenmitgetheilten Schild des Fürsten Jakzo.

Der Balkenschild ist bekanntlich nicht zum Wappender Markgrafen von Brandenburg geworden. Eine pa-rallele Thatsache ist die, dass hier der Balkenschildnur auf Münzen, nie auf Siegeln vorkommt. Nurder jüngste Sohn Albrechts des Bären, Graf Bernhardvon Ascbersleben führt in seinem Siegel (1174) denBalkenschild 3 ), woher es denn kommen mag, dass wirnur hei Bernhards Nachkommen denselben als Wappen-schild finden. Während die anderen Linien des aska-nischen Hauses ein W a p p e n in ihren Schild aufnahmen,wurde der willkürliche Schildschmuck, denwir im Siegel des Grafen späteren Herzogs Bernhardvom J. 1174 wahrnehmen, in der Linie desselbenstabil, v e r e r b 1 i c h, u n d d a m i t e i n W a p p e n b i 1 d.

Aber auch in der Bernbardischen Linie steht dieBalkentheilung in Concurrenz mit demeigentlichen Stammwappen des AskanischenHauses (dem rothen Adler in Silber) und erst inzweiter Linie. Nicht bloss der Anhalter, sondernauch der herzoglich sächsische Zweig führen den Adlerund die Balkentheilung vereinigt im Schilde.

Der älteste Sohn des Herzogs Bernhard, Albert I.(f 12(>0) wurde Herzog von Sachsen. Auf diesen istdie Wappenbeschreilmng zu beziehen, welche Conradvon Würsburg im Turnei v. Nantes und im Schivan-

1) Vossberg, die Siegel der Mark Brandenburg S. C;das Gliche verdanke ich dem Köngl. Geh. Staatsarchivzu Berlin.

2) Vossberg hält dieselben für zwei Brüder desMarkgrafen, wofür meines Erachtens ein Anhaltspunktnicht vorliegt.

3) Herr v. Heinemann beschreibt das Siegel, wel-ches an einer Urhunde des J. 1174 im Landeshaupt-archiv zu Wolfenbüttel vorkommt (Umschrift:f Sigil-lum [Comi] tis Bernhardi de Asscersleve), in folgenderWeise:Bernhard erscheint auf demselben vollständiggewappnet mit dem hier haubenartig zulaufenden Helme,der mit einer vorn von der Beckenhaube herabgehendenNasenspange versehen ist. In der rechten, am Leibeemporgehaltenen Hand hat er die Fahne mit dem invier Streifen endigenden Fahnentuche, während dielinke mit dem Oberarme hinter dem spitzen Halbschildeverborgen ist. Quer über letzteren laufen nun in hori-zontaler Richtung sechs gestrichelte Streifen oder Balken,in denen .wir somit das älteste Ballenstedter oder An-haltische Wappen zu erkennen haben." Dr. 0. vonHeinemann, die älteren Siegel des Anhaltischen Fürsten-stammes. Bernburg 1867. 4. S. 9 f.