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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 1.

(die gegen Ende des 11. Jahrh. anstelle der im J. 1078abgebrannten Kirche erbaut wurde) stellt den HerzogBurkhard von Schwaben dar, mit dem normannischenSchild am linken Arme. Der Schild zeigt einen ausge-zackten Rand und" ist mit einem gespaltenen Schildchenbelegt (wenn ich die spätere Terminologie auf diesesBild anwenden darf). Die Darstellung erinnert lebhaftan das holsteinische sogenannte Nesselblatt.

In einem Evangelienbuch der kgl. Hofbibliothek zuAschaffenburg befindet sich i) ein Gemälde auf Perga-ment aus der Zeit um 1100. Es stellt auf ihren Schil-den liegende Krieger dar. Die Schilde zeigen bis aufeinen kein wappenmässiges Bild, sondern sind nur buntbemalt.

Ein Schild zeigt deutlich das Wolken-Pelz-nre i s t e r; v. Hefner beschreibt denselben: Der Schild...hat einen weissen Grund, rothe Querstreifen auf welchenabwechselnd Reihen von blau und grünen gerundetenZacken stehen.

Ein anderer Schild zeigt eine mehrmalige, der Formdes Schildes selbstverständlich folgende, bordürenartigeEinfassung, in der Mitte ist der Schild mit Gold, aussenmit Roth und Weiss bemalt. Die Ordnung ist nichtheraldisch.

Zu dieser Gruppe von Wappenschilden gehört vorallem der gräflich Oetfingen'sche, von dem ich hier dasälteste Beispiel beibringe

Siegel IV A. 2 des Grafen Ludwig II. von Oettingenan einer undatirten Urkunde, die nach allen Kriterienum 1200 verfasst, worden ist 2 ).

Nr. 19

Dieses hochinteressante Siegel ist ohne Zweifel demnormannischen Kampfschilde des Grafen nachgebildet.Das Bild besteht aus drei Theilen: dem pelzgeschmücktenRand, dem Schildchen und dem über das Ganze ge-deckten Schrägen, der dazu dient, dem complicirtenSchmuck mehr Halt zu geben, das schnelle Lockerndes aufgenagelten Pelzwerks zu verhindern.

Der Ursprung dieses Wappens offenbart sich auch

33 Si bot im ainen nüwen schilt,Da wart mit sper ni durchgesto.Von kainer stallte iuste.Da hiengent tu sent schellen an.Geworch von koste lobesan

37 Der schilt den er zem arme truokwolt clingens nie geswigen.

1) nach J. H. v. Hefner, Trachtenwerk I. S. 14 f.

2) W. Freiherr von Loeffelliolz, Oettingana Taf. 1.Dem hochgeehrten Herrn Verfasser dieses Werkes ver-danke ich das oben abgedruckte Cliehe.

darin, dass sich die Anordnung des Pelzwerks der Formdes Schildes anbequemt; denn als demnächst der nor-mannische, fast eiförmige Schild dem Dreieckschild Platzmacht, wird das Pelzmuster ein ganz anderes. Die Pelz-streifen fassen nicht mehr den Schild ein, sondern wer-den in Reihen quer auf dem Schild genagelt.

Schildförmiges Siegel IV A. 2 des Grafen Conrad II.von Oettingen (f wahrscheinlich vor 1238, sicher 1240)an einer Urkunde vom J. 1229 im kgl. Reichsarchiv zuMünchen 8 ). Nr. 20.

Das Weiteren dürften mehrere andere sogenannteHeroldsbilder auf willkürlichen Schildschmuckzurückzuführen sein.

Weist die Natur der Heroldsfigur nicht zwingenddarauf hin, dass dieselbe aus einem willkürlichen Schild-schmuck entstanden ist, so bleibt angesichts der grossenWillkür, die auf diesem Gebiete im 12. Jahrh. herrschte,die Frage offen, ob die Heroldsfigur aus einem Fahnen-bild oder willkürlichen Schildschmuck hervorgegangenist. Ich möchte geradezu annehmen, dass mindestensdie einfachsten Heroldsfiguren: die Spaltung, Quer-,Schräg- und Viertheilung tQuadrirung) ihren Ursprungauf Fahnenbilder zurückführen.

Den geringsten Zweifeln ist der Ursprung desSchrägbalkens unterworfen, von dem wir wissen,dass er im 12. Jahrhundert als willkürlicher Schildschmuckgedient hat.

Einen der ältesten Belege hiefür besitzen wir indem Bilde eines Königs im Hortus deliciarum der Her-rad von Landsberg, (11601175) welches auf unsererTafel 3 Nr. 1 theilweise reproducirt ist.

Ganz ähnlich ist der Schild auf einem Bracteatendes Markgrafen Albrecht des Bären, den wir hier nachVossberg abbilden. Nr. 21.

3) Nach dem von Hr. Frh. Wilhelm v. Löffelholz-Kol-berg gütigst zur Verfügung gestellten Gipsabguss vonvon Herrn Baron Eug. v. Lüffelholz gezeichnet.