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Geschichte der Heraldik. II. 1.
Dass die Farbe thatsächlich als Recognoscirungs-Mittel diente, ersehen wir aus dem Tristanliede des Eil-hart von Ohergen, wo erzählt wird dass Tristans Schilddurch den feurigen Hauch des Drachen derart verdor-ben war
daz si in bi der varwenemochten niht erschennen
Nur in einem Beispiele dient das wappenmässigeBild zum Recognosciren eines Ritters: in der bereitsoben 1 ) angeführten Stelle des Nibelungenliedes wird an-schaulich geschildert, wie Herr Liudeger den HeldenSiegfried an dem Zeichen seines Schildes, einer Krone,erkennt.
Es kann denn auch in der That ein Zweifel ver-nünftiger AVei-e nicht erhoben werden, dass durch diewappenmässigen Bilder das Wiedererkennen bestimmterPersönlichkeiten unterstützt und erleichtert werdenmusste.
Nach alledem bildete der bisher geschilderte Zu-stand, so chaotisch er war, den Urbrei, aus dem sichdurch das Hinzutreten gewisser Umstände, die wir dem-nächst prüfen werden, das Wappenwesen herausbildenm usste.
Gerade die grössere Einfachheit und Unkunstmässig-keit der wappenmässigen Bilder machte sie zu brauch-baren Ansätzen für die wirklichen Wappen.
In der Eneide des Heinrich vonVeldeke (1184—86)zeigt sich schon ein erheblicher Fortschritt. Die Far-ben derFahne befinden sich in Ueber einstim-mung mit den Farben des Waffen rot k s unddes Schildes
200 15 daz sach der junge Pallas,wol gewäfent her was,so nie dehein kunich baz.
22 phellin was sin wafenrok
unde sin zeichen was
cindäl grüne als ein gras25 und sin schilt was grüneDer befremdlich geringe Grad der Ausbildung desFarbenwesens, der uns bisher in der Einfarbigkeit ent-gegengetreten ist, erscheint uns bei Heinrich von Vel-deke an anderen Stellen bereits als ein überwundenerStandpunct. So heisst es bei diesem Dichter200,6 ouch hete der helt märe
einen wäfenroc ane
also getan als sin vane
rät unde gel samitferner:
Turnus der randes an200,1 der genendige wigant
ein zeichen fürder an der haut,
daz was gele unde rot
2. Capitel.Der Schild — Träger des Wappens.
Den Krystallisationspunkt des Wappenwesens bildetder Schild, welcher seit etwa 1180, wenn auch nichtals nothwendiger, so doch als eigentlicher bevor-rechteter Träger des wappenmässigen Bildes mehrund mehr in den Vordergrund tritt.
Dieses Vortreten des Schildes ist der ersteSchritt zu einer tiefgreifenden Consoli-dation des Wappen wesens, die sich uns durcheine Verschiebung des Sprachgebrauches sofort bemerk-lich macht.
Die Fahne ist auf eine untergeordnete Stufe derBedeutung zurücktreten, sie heisst n u n i einzelne ver-spätete Reminiscenzen abgerechnet) nicht mehr Zei-chen, sondern fast allgemein: Fahne oder B a n i e r.Das freiwerdende Wort „ Zeichen" überträgt sichjedoch zunächst nicht auf ein anderes Substrat deswappenmässigen Bildes, sondern auf einen ferner liegen-den Gegenstand.
Herbort von Fritzlar (1210) versteht unter Zeiche nmeist den Schlachtruf z B.4422 In iegelich sin zeichen schrei5821 Sin zeichen schrei paris6444 Archilogus sin zeichen schrei.
An einer anderen Stelle bezeichnet er die Wap-penbilder als Zeichen:4438 Ir ros waren wole bedachtL'f covertureEich und turePhellil vnd cindatArne Lewen dar in genatUnd ander zeichen da miteAls ez noch ist siteWolfram von Eschenbach (im Willehalm um 1215)nennt den Schlachtruf „krie" oder Heerzeichen 2 ).Monschoy der krie sinwart mit ruofe niht geswign.oder:
ir herzeichen was Narbonden vinden angestlicher d6n.Ein Zeitgenosse und Freund Wolframs, — der Dich-ter Walther von Vogelweide nennt das Wappen einmalherezeichen an dem sc hüte.Seit der Mitte des 13 Jahrhunderts ist Zeichenimmer ein Synonym von Wappen.
Conrad v. Würzburg sagt z B im Troj. Krieg(Wappen des Königs Prothenor von Boezie und seinesBrudes Archelaus).25486 ir kovertiure was gewehenftz siden und ir wäpenrocein zobelswarzer steinbocder was ir zeichen ie gesinin eine Behüte wiz herminwart er von in gefüeret dar.Desgleichen Albrecht von Kemenaten in der Vir-ginal:
556 Si sähen der baniere wät
mit vil zeichen wol durchnät.Ferner in des Heinrich von Freiberg Tristan, gegendas Ende des 13. Jahrh.:
eine kappen wol gesnitendie vuorte min herre her Tristan1940 über allem sinem wapen an;die liez der herre machenvon brünem scharlachen,sin erbezeichen dar üf lac.Der Beginn des eigentlichen Wappenwesens mar-kirt auf das schärfste die Entstehung des bisherfehlenden Kunst ausdrucke s für das kennzeich-nende Bild des Schildes oder der Fahne.
Bei der Beschreibung wappenmässiger Bilder hiesses bis jetzt: er führt etc. an seinem Schilde z B.im Buolandes Liet
ain lewen fürt er an sinem fchilteoder im Biterolf:
1) S. Seite 66 Spalte 2.
2) Vielleicht zum Unterschiede vom Wortzeichen,für das ich ein Beispiel aus dem Lanzelet (um 1200)beibringe:1380 er fuort ein ölboumes ris:daz was ein Wortzeichendaz er vride wolte reichen.