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Geschichte der Heraldik II. 1.
Auch im Biterolf heisst die Fahne „Zeichen"5356 die küenen wigande
heten an den stundendiu zeichen aue gebundenund sibenzehen hervanenferner:10990 dö hiez er Liutwaren hin
daz Ermenriches zeichen tragen,desgleichen in der Kudrun780 Des wolten niht volgen die kuenen Hetelen mandie des landes huoten, die hiezen binden an irherren zeichen.Auch das L ed von „Athis und Prophilias" (angeb-lich 1214) verwendet noch das Wort Zeichen fürBanier:
Ein sper vuorter an der hautein zeichin von richer habeverre wandilte drabeEinen noch späteren Beleg bietet Strickens Liedvon Karl dem Grossen (vor 1230 verfasst):9316 des keisers zeichen er dö namdaz was ein herlicher vane.Im Ruol"ndes Liet des Pfaffen Konrad welchesganz genau dasselbe Fahnenbild beschreibt, heisst esdagegen
Gotefried den uan na in
Sehr interessant sind einige Stellen des Nibelungen-liedes , wo das Wort „Zeichen" , zwar auch in der Be-deutung von „Fahne" , aber figürlich gebraucht wird.Von dem todeswunden Siegfried heisst es nämlich:8266 Sin chraft was im geswichenern künde niht gestansines libes sterche.diu muse gar zergan8270 wand er des todes zeichenb i lichter v a r w e tmo e
8372 do ranger mit dem todeunlange tet er dazwände in dez todes wafenal zesere sneit.Also eine directe Anspielung auf die Fahne! —Dez todes wafen in der vorletzten Zeile heisst übrigens:des Todes Schwert (nicht Wappen).
An anderer Stelle heisst es im Nibelungenlied:17202 Sin varwe was erblichendes todes zeichen truocIrinch der chuene.Ganz genau denselben Sinn hat folgende Stelle inStrickers Karl dem Grossen:7474 der künec von Kartäge
der was geheizen Algariez.der stach alrerst einen spiezdurch Olivieren den degen.er sprach: nu heiz din Karlen pflegenmit helfe, des ist michel not7480 du hast ein zeichen daz den totv i 1 g e w i's 1 £ c h e d i u t e t.als uns daz reht gebiutet.In der Verwendung der Substrate macht sich beiden Dichtern dieses Zeitraumes eine Bevorzugung deseinen oder anderen nicht bemerkbar.
Das Lied vom Herzog Ernst 112 tes Jahrh.) enthältnoch keine leise Andeutung von einem wappenmässigenSchmuck des Schildes. Es wird z. B. der Schild derKranich-Menschen beschrieben:3048 ietweder einen schilt truoc,
der was mit golde also beslagendaz in daz nieman kan gesagenze gelouben mit fuogendaz si an und umbe truogen
wie wol daz gezieret waere
ir zubt und ir gebaere
die herren duht vil lobelich.ferner:3029 ir schilt von golde wol getan
da diu buckel solde stän.Die einzige Stelle im Liede vom Herzog Ernst, diean ein Wappen erinnert, ist die Beschreibung einerFahne (V. 2113) welche mit einem rothen Kreuze ge-schmückt ist.
Die Kaiserchronik (eine Dichtung des 12. Jahrh.)hat ebenfalls n u r eine Fahne mit wappenmässigeinSchmuck:5279 Alse Titus ir willen virnam,
dö vrouwete sich der junge man
dö vuor der helt milde
vor der scar spilende
er vuorte einen gruonen van
mit golde was geworht daran
ein ebir wilde
Gerade umgekehrt ist es im Nibelungenlied, wodas einzige wappenmässige Bild auf einen Schildgemalt ist.1726 Do het der herre Liudegervf eime Schilde erkanntgemalet eine chronovor Sifrides hant1730 wol wesser daz iz wäreder ubermuete man.der helt zu einen Mundenstarehe rufen beganGeloubet iueh des Sturmesmage unt man.sun den Sigemundesich hie gesehn han.Der eingehend beschriebene Schild der Brunhildeentbehrt des wappenmässigen Schmuckes.
Im Ruolandes Liet des Pfaffen Konrad (zwischen1173—77 gedichtet) kommt es vor, dass ein Ritter aufWaffenrock, Fahne und Schild verschiedeneBilder führt:XLIV Rolant sich geraite
mit flize er sich bewarteain liebten roch uestendaz unter dem himele ueste ne weste.sinen besseren nehainnon siuen brüsten uorne scainain trache uon golde.sam uz im uaren scoldedie funchen fiures flammen,mit geswel gesmelze bewallendaz gestaine also edeleaoz wol gezam dem helede.XLV ainen spiz nam er in die hantain wizzen uan er an bantda waren tiere unt uogele.mit golde unterzogeneuil man wunter dar an wasLIV b. Rolant der milte
ain lewen fürt er an sinem schilteuzer golde ergrahin.Das einzig wappenmässige der drei Bilder schmücktalso in diesem Falle den Schild.
Im Uebrigen wählt das Ruolandes Liet — wie esihm gerade in den Reim passt — einmal den Schild,das anderemal die Fahne als Substrat des Bildes.
Es laufen natürlich auch viele Beschreibungen vonFahnen mit unter, deren Schmuck kein wappen-mässiger ist.
Das Ruolandes Liet de8 Pfaffen Konrad (1173—77)schildert die Fahne Karls des Grossen wie folgt: