Geschichte der Heraldik. I. 4.
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Genanndt der Caspar Schlickh
Der Pat mich offt und dickh
Ob ich so viel vermechte,
Das Ich im alle geschlächte
In allen Bayrischen Refier
Die besuchten den Tornier
Die soll Ich Ime geschrieben nennen
Das wolt er gern umb mich erkhennen
Also sagte ich Ime das zue
Das Ich nit wollt haben Rhue
Unnzt Ich mich recht bedächt
Unnd Ime die iu schrillten brächt,
Das hab Ich also gethan
Unnd zu Reim gesaget schan
Als er dann hernach findt
Nun merckhet Ich will euch bedeuthenEins thaills von Bayrischen EdlleutenAls vil mir der zu diser fristIn mein gedächtnus khomen ist,Die sich gebrauchen des Tornier
(Am Schlüsse:)Wiewol sonst auch noch vil gueter leutDer namen Ich nit hab bedeütBehaust sein in dem Bayrlanndt,Van Adel guet an alle schandt,Die sollen nit gedennckhenDas ich Ir Lob wel khrenokhen.Von dem bayerischen Turnierreim des Herolds Hol-land kannte Wiguleus Hund dreierlei Copien, daruntereine von Georg Rixner, die aber „in der Ordnung nochden Geschlechten nicht aller ding zusammen" stimmen.Der zweite Turnierreim ist betitelt: ,
„Hienach uolgendt Lied Genandt der Erabriet,Hat weillttndt Jacob Piitrich von Reichertzhausen ge-macht zeweilln Frauen Maehtilden, Hertzogin zu Öster-reich Vnd geborne Pfaltzgraüin, In des von Laber ge-mainen Thonn" fNach Pütrich's eigener Angabe imJ - 1462 gedichtet] Handschrift im Stift Herzogenburg,mitgetheilt von Karajan in Haupt's Zeitschrift fürdeutsches Alterthum VI. Band S. 31 ff.3<> Brächt euch das nit verlangenso nant ich euch die allDie sich in Tornier tranngenMit freiden sehen Hessen vnd mit schall.(Hierauf folgt ein Nainens-Verzeichniss von Turnier-geschlechtern.)
Das älteste gedruckte Turnierbuch ist folgendes:„Wann vnd vmb wel | lieber vrsachen willen daslöblich Ritter- | spil des turniers erdacht, vnd zum erstengeübet worden ist"
[Darunter ein Holzschnitt, welcher eine Turnier-Scenedarstellt].Am Schluss: . ,. , .,. .. ,
. «Gedruckt vnd volendt in der Kaiserlichen Statt |Augspm-gam dreytzebendentag des monadts | iNouemurisdes jars nach der geburt Cri | sti vnsers herrn TausentIU »tHiun | dert vnd achtzehen jare."4°. 18 Blätter.
Widmung: . .„
Dem Edlen getrengen herrn Hannsen von der Albinz u Hu c i mrg Kit t e , erbtrucksess des stiffts Saltzburg,Vn "d hauptman daselbst, meinem gebietenden herrnem '.'eüt ich Marx Würsing Bürger zu Augspurgtte "i gantz willig gefliessen dienst zu vor.
Edler gestrennger herr, als mir in verschinentagen
zu ^Augsburg von ewer gestrenge ain klains buchlmbehandigt worden ist inhaltend den Christenlichen hor-f. u g oey zeiten Kaiser Heinrichs des ersten .... wo-liehs büchlin ich mit begirlichem gefallen verlesen vnd
darinn befunden hab, das auch eüwer gestrenge vor-öltern als fümäm Ritterlich des Adels mit vnd bey vorfünfhundert seohfs und achtzig jarn gewesen vnd ge-horsamlich erschinen seind . . . Auff solichs ich . . .
obangezaigte buchlein zu trucken verordnet."
Diese kleine Druckschrift ist die wesentliche Grund-lage , auf welcher des Herolds Georg Rixner grossesTurnierbüch beruht, über welches wir bereits im Ab-schnitt III Cap. 9 die erforderlichen Mittheilungengebracht haben.
Zwei andere Turnierbücher, dasjenige des Wilhelmvon Raidenbuch, Erbschenken des Bisthums Regensburg,vollendet 1510 und ein zweites des Ludwig v. Eib zumHertenstein vom J. 1519, sind bis heute Manuscript ge-blieben.
Eine kritische Prüfung des Materials ist versuchtin der Schrift:
„Die Gumppenberger auf Turnieren. Nachtrag zurGeschichte der Familie von Gumppenberg von LudwigAlbert Freih. von Gumppenberg. Für die Familie alsManuscript in Druck gegeben. Würzburg 1862." 8°.163 S.
5. Nicht aufgezeichnete Turniere
Viele förmliche Turniere sind überhaupt nicht auf-gezeichnet worden und wir besitzen von denselben nurdurch beiläufige Erwähnung eine Keuntniss. So spieltWolfram v. Eschenbach im Willehalm (1215) auf einTurnier von Kissingen an, das jedenfalls zu seinenLebzeiten stattgefunden hatte.
385,25 gein maneger kri die mau da schreivon Kissingen ein turneihet unhöhe aldä gewegn.
Mehrere Turniere werden von Ulrich von Lichten-stein in historischer Treue wenn gleich „nur in Versen"beschrieben, so ein Turnei in Friesach im J. 1224 anwelchem Theil nahmen:
fürst Liupold uz Oesterrich, margräf Heinrich vonYsterrich, fürst Bernhart von Kärnden, margräf Diepoltvon Voheburc, von Tyrol gräve Albreht, von Gürz gräfMeinhart, von Ortenburc gräf Herman, gräve Uolrichvon Pfannenberc, der von Slüzzelberc.
Von Regenspurc der tuomes vogt
da ritterliche zwar in zogt:
her Diet hiez er von Lengenbach
Ulrich erwähnt ferner zwei Turniere im .Jahre 1240,welche zu Neuburg und Neuenkirchen abgehalten wur-den. In Neuenkirchen zog der abenteuerliche Mannals „König Artus" mit grossem Gefolge auf. —
In Rotenburg (Rottenburg am Neckar) wurde imJanuar 1348 ein Turnier abgehalten, an welchem derdamalige Römische König Karl IV. heimlicher Weiseund in den Waffen des Schilhard von Rechberg theil-nahm. ') Einer von Stein, Ritter, warf den König undnahm dessen Pferd, welches dieser mit 60 Mark auslöste.Am andern Morgen jedoch bei der Theilung, als einHelm ohne Zeichen aufgetragen wurde und man be-merkte, dass es des Königs Helm sei, wurde auf gepflo-genen Rathschlag das Turnier eingestellt Denn dieKitter sagten sich, wenn der König in Gefahr käme,würde es künftig heissen, der König sei von den Schwa-ben „geliefert" 2 > worden.
1) Diese Erzählung bringt Matthäus Nuewenburgen-sis in seiner bis 1350 reichenden Chronik. — Der Königwar auf der Durchreise von Speier nach Schwaben.
2) „traditum fuisse per Suevos", — eine genaueUebersetzung des Provinzialismus „liefern".