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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. I. 4.

Aehnlich ging es denen v. See auf dem Nordgau,über welchen Fall Hund erzählt M:

,Ich find das die vom See anff dem Turnier zuOnspach Afio 1485 nit zugelassen worden, auss Vrsachen,Ire Eltern in 50 Jaren kein Turnier besucht, Sie bräch-ten dan Vrkund, dz sie mit den von Wembdingeines Geschlechts vn Herkommens, Darumb sie beydenen von Wemding angehalten, ist jhnen versagtworden, Darüber die vom See, sie die von Wemdingvor Hertzog Jörgen beklagt, .ein Rathschlag durchGisbertum von Stoltzenberg, der zeit berümbten Doctorzu Ingolstadt, stellen lassen, wellichen ich bey anderngeschribnen Consilien, aber den Aussgang diser Sachennit erfahren hab."

Indess nicht lange mehr vermochten sich die grossenTurniere zu halten. Das letzte Turnier, durch den Aus-bruch einer Epidemie arg gestört, fand zu Worms imJ. 1487 in der Woche nach Bartholomäi statt

Ein Jahr früher war der Markgraf Albrecht 'Achilles)von Brandenburg gestorben, von dem der Ritter Ludwigvon Eyb in seinen (gleichzeitigen) Denkwürdigkeiten 2)schreibt:

Meinem gn. herrn Marggr. Albrechten ist auchnachzuschreiben, das er in seinen jungen tagen Ritter-lich Übung vor andern Fürsten geübt hat, mit Rennen,stechen, besuchen der thurnir und der Ritterschaft hofeder hat herfürhracht und geöffnet das Rennen mit demSpiess, dann das vor im selten gebraucht was, der hatmit sambt einem seinem Diener he in rieh Dondorfferherfürhracht das Rennen hinter dem punt mit grosserVersorgknus, das vor nit gewest was. auch das Rennenhinter der angeschweiftn dartschen, Auch zumstechen die zeug darzu gericht, die stechzeug mit derStegen uff der platten über die Achsell, darauff derheim sein Ru hat .... das waiss ich, dann ich dazu-malen meiner gnädigen Frawen, der von Baden meinesgnedigen herren Marggr. Albrechts gemahel bede lob-licher gedechtnuss hofineister was, und das also ge-sehen hab."

So war eine alte Einrichtung, welche die Kirchein hundertjährigem Kampfe auszurotten vergeblich ge-strebt hatte, dem Druck der Zeitverhältnisse von seihsterlegen.

Im Volke waren diese Schauspiele sehr beliebt ge-wesen, wenigstens steht Hugo v. Triniberg (ca. 1300)mit seiner grämlichen Abneigung gegen die Turniere,die ihm die Worte in den Mund gab:11548 wene ez hat mangen tvinen leyeuvon iustiern vnd von turniernverlorn leip, sele vnd gutin der Literatur ganz allein. Noch lange und mitSehnsucht erinnerte sich das Volk der National-Turniere.

Ein Gedicht 3 ) des J. 152(1 unter dem Titel:An den grosmechtigen fürsten Karolum, erweitenrömischen künig etc. Ein gemeine klag von dem adel,kaufman, handwerksleuteu und kramern" sagt u. A.:Deshalb sieht man nit raer turnier honin ganzer teutscher nation,darinn man schilt und heim zerspielt100 und kein lob des adels behielt,der wider den adel heirathen thet

o

oder unrecht gut innen het,

o

das mit rauben, wucher an in kam;und so er gschmecht het weiblich schäm,

1) Hund Stammenbuch II, S. 3ßl.

2) unter diesem Titel herausgeg. von Dr. Const.Höfler (Bayreuth 149 S. 124).

3j v. Lilieucron, historische Volkslieder III, 348 ff.

105 im turnier ward sein nit gspartmit schlegen und von freulen zartsein heim und schilt geworfen von der pankund in schmechlich gesezt auf den schrankin dem der adel bewert sein soll.

110 Hat iez einer heutel pf'enning vol

o

des adels, gwaltig sie brauchen thut

dann der fruinm tugend von adels blut.Kumbt alls, dass man nit mer erweit,herold, durch die solchs ward abgestelt115 dann die straften unadel und grob zucht,

Deshalb abschneiden das tischtuch.Das ist nun langst darvon kummen.Der Meistersänger Hans Sachs dichtete ein vom21. Mai 1541 datirtes Loblied auf die Turniere, derenAbkommen er beklagte und von deren Wiedereinführunger viel Gutes für das Reich erhoffte. Es mögen wenig-stens einige Strophen des Gesanges hier folgen:Eins Morgens in der Maien TauSpatziert "ich durch ein grüne AuVon schönen hechten Blümlein schwangerAuch sah ich Berg, Wald, Feld vnd Anger

Von Laub vnd Gras als frech vnd gronWolriechend, lieblichen und schönMit dem ich in den Wald refirtLob GOTT der all Ding ordinirt.In dem sah ich im Holtz von weitenGemachsam ein Ehrenhold reiten.Er zeigt dem Herold die rechte Strasse nach Re-gensburg und lässt sich von demselben einen Berichtüber die Turniere geben. Der letztere gründet sichersichtlich auf Rixner's Turnierbuch.

Der Turnier war des Adels SchulDer sie behielt in strenger ZuchtGantz Teutschland bekam daraus FruchtDann es stund üheral dest basWeil der Adel so redlich was.

Gedacht mir, Gott geb Ruh und Fried

Im Römischen Reich Einigkeit,

Dass wiederumb auch mit der ZeitDurch kaiserliche MajestätVnd Fürsten mit zeitigem Raht,

Werd aufgerichtet der Turnier

Dass bey Fürsten vnd AdelszierFromkeit vnd Tugend blüh vnd wachsDas wünscht vonNurenberg Hans Sachs.

4. Capitel.

Aeltere Literatur über die Turniere.

Aus dem 15. Jahrhundert besitzen wir nur zweiVerzeichnisse der Turniergeschlechter. Das älteste der-selben ist von dem bayerischen Herold Johann Hollandca. 1420 verfasst. Die Veranlassung seiner Arbeit er-zählt er selbst in folgender Weise:

Hertzog Ludwig aus Bayrlandt

Graf zu Mortain an alle schandt

Kham zu dem Römischen Voggt

Einsmals als er von Zirich zoch,

Khuuig Signum dt ein Graf geborn

Von Lützelburg, zum Reich erkhorn.

Und wolt gehen Schafbansen zue

Ein zeit daselbst haben Rhue.

Der Khinig het einen OanzlerDer Im nit was unwelir