48
Geschichte der Heraldik. I. 4.
vil höhe sine tambür10 den herren nam vil untür,dane riten floitierre bi,und guoter videlaere dri.Ulrich v. Lichtenstein schildert seinen Aufzug als„König Artus" auf dem Turnei von Niuwenkirchen (1240):dri niuwe banir ich an bantgevar reht nach dem Schilde min.ich wolde da niht lenger sinder banir fuort man eine dan,dar nach man ziehen sä beganunser soumer über alsich huop von sumberslagen schal.
Man hört da floyten holr dön.dar nach so fuort man aber schönder banir ein : dö zoch man nachdiu orss vil gar. uns was niht gäch.vil knehte nach den örssen ritengekleidet wol nach knehte siten:si fuorten starker schefte vil,di gehorten zuo dem ritterspil
Nach den knechten fuort man dödi dritten banir. ich was vrödaz dar nach so mann ritter reit:des was min herze vil gemeit.mer danne hundert ir da riten,alle in kappen wol gesniten.si fuorten manegen pfäben huot:
dar nach ich riten ouch began,
bi mir reit dö her Nicola
deswär in hohem muote da
von Lebenberc der wol bekant:
den het ich her Tristram 1 ) genant.Das Abstecken des Turnierplatzes schildertRudolf v. Ems (Willehalm, um 1230).271 Im wären vier richiu gezelt
zeinem ringe üf daz velt
geslagen üf das gruene gras:
von iegshlichem an daz ander was275 daz wol ein ackerlengo shein:
ein shranne was ie zwishen zwein,
da hundert shilte an Mengen.
in den rinch da giengen
bi ieglichem orte280 in daz gestüele ein porte
von tuoche als ein purge tor.
ob ieglichem shilte enbor
sah man ein panier stän
rieh unt wol getan285 unt einen gezimierten heim.
üf gruenem gras sunder melm.Der Tag wurde nach guter Sitte der Alten mitGottesdienst eröffnet. Ulrich v. Lichtenstein sagt:
Des maentags dö der tac üf gie
man diente got dort unde hie,
do man die messe gar gesanc.Ferner:
Do wir die messe vernämen da,
den turney hiez man teilen sä
der wart geteilet ritterlich,
und fuor wir rehte gar gelich
drithalp hundert ritter guot
dar warn komen durch höhen muot.Die Theilnehmer wurden vor Allem in zwei Parteiengetheilt wie in dem Liede von Dietrichs Drachen-kämpfen anschaulich geschildert wird:
Der turnei do geteilet wart
von den knappen üf der vart
die von den wäfen sprachen
si teilten ebene unde gelich
daz ietweder parte sich
zuo einander brächenDie Knappen, die von den Wappen spre-chen haben wir bereits als die Herolde kennen ge-lernt.
Im „Frauen-Turnier" heisst es:133 Wir teilen uns enzwei
und machen einen turneyFerner:173 Si riten von einander entzwei;
Sust hub sich der turney.
Daz eine daz sohlen die Sachsen sin,
daz ander die herren über rinFerner im Reinfried v. Braunschweig:7422 sich rüste manic werder gast
mit koste üf ten turnei.
der wart gelichelich in zwei
geteilet mit dem löze.Dieses Geschäft wurde der Theil oder, weil da-mit die Wappenprobe verbunden war, Heimseli augenannt. So heisst es in den Urkunden über eine Tur-nier-Streitigkeit vom J. 1399: „und han erfahren, dassdein Helm noch keins Rosenharts Helm an keinemTheil zu dem Turnay nie komen ist" '). Die Theilungist die Zulassung der Turnierer.
Nach den Turnier - Gebräuchen wurden aus „denVier landen Vier alt vnd Vier jung, die mitsambt denThurnirvögten Frawenn vnd Junckfrawen auch den ver-ordneten Ernholden, zu der Helm theilung die Cley-not der Wappen solten helffen beschawen . . . ." ge-nommen 2 ).
Wer die Helmschau versäumte, konnte an demTurnier nicht theil nehmen. Ulrich v. Lichtenstein er-zählt:
e ich dar koeme, der turney
was getcilet gar enzwei.
mir was vil herzenlichen leit,
daz ich niht mohte wäpencleit
gefiieren durch die vrowen min.Bei der Theilung wurde die Berechtigung der Ge-schlechter und Personen geprüft. Einschildritter wurdennicht zugelassen. Kapper v. Kosenhart lässt sich 1399,als seine Turnieifähigkeit bestritten wurde, ausdrücklichbescheinigen, dass sein Geschlecht in dein Land Schwa-ben von keinem Dienstherren 3 ) je Lehen genommenhabe 4 ). Die Würzburger Beschlüsse vom J. 1479 be-stimmen :
„Item mann will auch kainen tayllen oder zu lassenn,der nicht durch zwen, die gethurnirt haben und getailtworden sein, beweisen mag, das er oder sein voreiternin 50 jarn gethurnert haben.
Die Wappen wurden auf ihre Richtigkeit geprüft.Der Herold von Francolin bemerkt, dass sogenaiynte„falsche" d. h. dem Gesetze der Farbenpaarung nichtentsprechende Wappen, bei keinem Turnier zugelassenwurden. Kaiserl. Wappenbesserungen bedurften der Be-stätigung. So wurde auf dem Turnier zu Heidelberg1481 dem Heinrich von Ende „zugelassen, dass er dieCron auf seinem Helm führen und behalten möge,wie ihm das der Römische Kayser gebessert hab" 6 ).
Die Berechtigung konnte durch Verletzung derTurniergesetze z. B. durch Meineid, Feldflucht, Wucher,
1) d. i. Tristan.
1) Siehe Urkunde Nr. 40.
2) Rixner, Turnierbuch 34 Blatt.
3) Vergl. Abschnitt 1 Cap. 4.
4) Vergl. Urkunde Nr. 48.
5) Rudolph! heraldica curiosa S. 22.