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Geschichte der Heraldik. I. 4.
IV. Abschnitt: IMe Turniere.
1. Capitel.
Zweck unil Veranlassung der Kam|»f-Mplele.
Die Turniere des früheren Mittelalters siDd denmodernen Manövern und Paraden vergleichbar: sie dien-ten als Vorbereitung und Schulung für den ernstenWaffenstreit, waren aber auch glänzende Schaustellungder Streitkräfte.
Der König Tirol von Schotten ertheilt seinem SohneVridebrant folgende Lehre:
Sun, turnei machet rifche 1 ) diet,
da von wil dir raten niet
Turnieren wirdet mannes lip
dur wirde lobent si diu wip,
Turnieren daz ist ritterlich
so hoert zuo strite dringen unt veste halten
herteklichDerartige Waffen-Uebungen wurden hei besonderenGelegenheiten, z B. bei fürstlichen Beilagen, oder derWehrhaftmaehung eines Fürstensohnes mit feierlichemGepränge abgehalten.
„Von dem grossin Hove zu Rodestock" im J. 1311schreibt Ernst Kirchberg in der Meklenb. Keimchronik:
Darum da man schreib eylf Jar
und dritzenhundirt offinbar
der Denische König Erich
eyn mechtig König wirdiglich
eynen grossin hol her legete
da wart Marcgreve Woldemar
mit vil Fürsten Ritter gar
von des milden Königes Hant
inanig Knecht da Ritter wart genant
da waz cziustiren hofes vilund manchir hande Rittir spilda was von tichtern schönre sangund von seyden süssir klang
Die „Limpurger Chronik" meldet:
Anno 1360 ward Keyser Carln, Konigen zu Beheimein Sohn geboren, dessen alle die Christenheit erfreuwetwas, vnd wüste man nit, das sein alter ein wunderlicheendt vnd leben haben würde. Den Sohn thete Er füh-ren von Prag gen Nürnberg vnd ward Er getauft vndgenant Wentzeslauw, und war sein Mutter geboren vonder Schwedenitz. Zu der kindstauf kamen mehr dannvirtzig oder funftzig gebome Fürsten, dem Keyser zufreuden vnd zu dienst, jglicher das jm zugehört vonseines Ampts wegen, vnd dazu Grafen, Herrn, Rittervnd Knecht also viel, das vnzelig was, vnd hüten denaller herrligsten grösesten köstlichsten Hoffe zu Nürn-berg, der je gesehen solt werden, mit grosser köstlich-keit, zehrung, kleidung, und aller herrlichen manirungder Fürsten, Graten, Herrn, Rittern vnd Frauwen vndmit ritterlichen Wapen, mit stechen, brechen vnd fech-tirung vnd von allem Spiel, das dazu gehöret. Vndwar geprüfet, dass vf der Stechbane hüten alweg mer
1) Dieses Wort ist in Süddeutschland im Volks-mund bis heute erhalten. In der Hersbrucker Gegendsagt man: „trink', dass d' a Reischen kriegst", d. h.dass du schneidig wirst.
dann tausendt manu mit verbundenen vnd gekröntenhelmen.
In dem „Bruchstück eines Tagebuches über dieReise des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsenin die Niederlande zum Römischen König Maximilian"de ao. 1494, welches C. Chi. Frh. v. Reitzenstein mitge-theilt hat'), sind verschiedene Belustigungen dieserArt beschrieben. So heisst es beispielsweise:
„Am Sonntag nach Assumptionis Marie hatten diewalhen vnd die nyderlander ein welsch stechen vbir dieSchranken; ein Spaniol tat das best vnd Zerbrach ammeisten Stangen ward auch so hart gestossen, das erkräng wart vnd In vnsers gnedigsten Hern Herbergetlich Tag ernider lag ; Herr Friderich von Wiczlewben,Herr Heinrichs Son vnd pan Michel ein polacke, ist beyHerczog Albrechten; waren auch in solchem stechen;Herr Friderich wart gestossen, das er ein arm etlichtag In eym tuch am halse tragen must."
Am Donnerstag nach Lamperti fand in Mecheln dieHochzeit des Herrn Wolf von Polheim mit einer nieder-ländischen Jungfrau statt. Zur Feier des Tages wurdeein Rennen und Stechen veranstaltet, welchem der Kö-nig und die Königin zusahen.
Endlich wurde am Sonntag nach Galli zu Anttorfein ordentliches Turnier abgehalten, über welchesjedoch das Tagebuch nur kurze Nachricht giebt. —
Von der Hochzeit des Perseus und der Merveineerzählt Albrecht v. Halberstadt (1210):11 dar quämen vnrsten edele
den man schuf ir sedele
da was manger hande spil.
dar quamen spillüte vil15 die nach heideuisdiem site
übten ir spehe trite
nach ir art sie spilden
vur dem vnrsten milden:
dirre vacht, jener spranc.20 man hörte meisterlich gesanc.
zwirne sach man vechten hie,
ein ander frf den henden gie.
da sach man mange schone meit,
kostliche an geleit25 gande an dem tanze
under blunien kränz
gezieret mit berlin
und mit gesmide gnldin
der schöne dicht gebrast.30 manic ritterlicher gast
gewapcnet da was
in sin glänzen harnas.
manliche sie ranten
ir Schilde und sper zutrauten,35 daz sie von einander kluben.
die sprizen gein den lüften stuben.
nu rief in ir houbetman :
do ritens aber schiere dan
der phifen und der trnmben schal40 über den palas erhal
da wären gigere
unde büsinere
da blies man daz wiscnthorn
deist hinden wit und smal bevorn.
1) Im Correspondenzbsatt des Gesammtvereins 1872Nr. 2 ff.