Geschichte der Heraldik. I. 3.
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wer wil uch also virtriben?"
Sie sprach: „wir können nirgen hüben
vor eime wib, die heisst f'rauw Schande,
die enlesst, uns nirgen in keim lande.55 Von der muss ich die hosheit san
was sie uns kurzlich hat getan.
Sie hat getan uns grossen raord,
das solstu mogelich sagen vort
den fursten graven und den herren,60 obe sich iemant wühle keren
an disen iemerliclien dod,
der umb der cristenkeide not
und willen ist geliden
und zu unrecht ist bestriden65 und schändlich, schenielich hindirgangen
und uns die unsern abegefangen,
fursten graven herren rittir und knecht,
widir got, widir er und widir recht
und widir all die cristenheid70 Königsberg, das sal dir wesen leid
und salt is mogelich vorbass bringen
wan du zu rechten waren dingen
hast gelobit und gesworn."
Ich sprach: „jungfrawe hochgeborn75 der rede der erlasset mich
durch unsern hern von himelrich.
Ich nincht der warheid so vil sagen,
mir wurd min lip enzwei gei'lagen
mit knotteln und mit hüten kolben80 und lebendig undir die erden getolbeu
als manchen vor mir ist geschehen
die vil der warheid wolden iehen."
Sie sprach: „belibets ungerochen
der cristenglaub wirt drumb zubrochen85 wann sie sint umb die cristenheid
komen in difs grofse leid,
und umb aller cristen not
ist der helt gebliben (lot
von Brunswig herzog Friderich,90 der sinen lip so jemevlich
und clegelichen hat virlorn.
Ich sprach: ,.jung('rauw hochgeborn,
sagit mir durch uwir holde,
gibit man des iemant schulde ?"95 Sie sprach: „Von Menze bischof Johann
des amptlude sin gewesen dran;
blibit er in dem lumunde stau,
als mir die lüde sagen gemeine
so geh ich umb sin er gar deine."100 Ich sprach: „jungfrauw, dovor si got,
der uns alle geschaffen bot
dafs bischof Johann von Menze
icht leide frauwe Schanden denze;
dass er sich mufs also entschulden,105 dass er behald frauw Eren hulden
das rad ich ime in ganzen trnwen,
und lafs ime vor frauw Schanden gruwen."
Sie sprach: „Königsberg, min liebir knecht,
bor mir zu und virstant mich recht.HO Dut er darzu nit als er sal,
so virlibit ime ein schänden mal
das er virwinnit nommerme."
Ich sprach: „das det mir scbir we,
dass er also virlore sin ere,115 obe er daran unschuldig were."
Sie sprach : „Dise bosheit ist geschieht;
wiltu das vorbass sagen nicht,
so bore doch was ich dir sair"
Ich sprach: „es enget mich doch nit an!"120 Sie sprach: „wie bistu dann ein man?
Hastu den wapen nit gesworn?"
Ich sprach: „ja ich, hochgeborn;
wer da wol dut, den setz ich vort
den besten an den eren ort;125 und wen ich weiss ein bosewicht,
den sez ich bi kein guden nicht.
Jedoch wil ich ir keinen scheiden,
dann wolt ir iemand anders melden
das mogit ir dun an all min strafen."130 Sie sprach: -so wil ich sebrihen wafen
ubir Hans Hug von Lebenstein,
der grosten. virredir ein,
den die sonne ie beschein
grave Heinrich von Waldecke,135 allir schand ein nbirdecke
von Papperg her Friderich,
eim virreder und eim mordir glich;
von Falkinburg her Conzeman,
der frauwen Schanden gudis gan,140 her Friderich von Hirtingshusen
darfur sal allirinenlich grusen,
das edil blut von Bnmenswig
hat ermordet jemerlich
widir gut und widir ere145 Ich wonsehen, dass er nommermere
e
zu gnaden mui'se komen.
Audi haut sie den fromen
herzog Rudolf von Sassenlant,
ein kurfurst edil und wol bekant,150 widir got und widir ere gefangen.
Ach got weren sie alle gehangen,
die darubir gewesen sint,
und an allen äugen blint,
des werens sichir alle wert.155 Warumb? sie haut frawen Schanden swert
gar schentlichen lafsen sniden.
Das gescliacb zu den geziden
da man vierzehenhundert iar
zalte, das ist sichir war.160 Dunt nu die fursten darzu nicht
in der lande is ist geschieht
so hat ir ere den riden ')
mit irem landfriden,
so sints meineidig alle gar.165 Königsberg, des saltu nemen war!"
Ich sprach: .Jungfrauw, das mogit ir san
do wil ich sin unschuldig an,"
Beilage V.
Von hertzog Ludwig von Bayern.
Von Hans Rosenplüt 3 ).
Camillus Wendeler *) will mit unserem Dichter einengewissen Rothschmied Hans Sneperer, der 1444 in Nürn-berg zum Büchsenmeister bestellt wurde und einenMeister Hans v. d Rosen der 1445 vorkommt, für eineund dieselbe Person gelten lassen.
1) Fieber.
2) Das Königthum Georg's von Podebrad. Ein Bei-trag zur Geschichte der Entwicklung des Staates gegen-über der katholischen Kirche, zumeist nach bisher un-bekannten und in Auswahl mitgetheilten Urkunden dar-gestellt von Max Jordan Dr. phil. Leipzig, Druckund Verlag von Breitkopf und Härtel 1861. (8°. 535 S.).
Unter den Beilagen S. 394 ff.: Rosenplütisches autder Handschrift der königl. Bibliothek zu Dresden.
3) Studien über Hans Eosenplüt. Im Archiv fürdie Geschichte deutscher Sprache und Dichtung. Heraus-gegeben von J. M. Wagner. I. Band (Wien 1874)S. 97 ff.