36
Geschichte der Heraldik. I. o.
Obrigkeiten eingeschärft, das bezügliche Mandat festig-lich zu handhaben. „Wo aber einige Oberkeit hinfuro,als bissher, in solchem saumig oder liissig seyn wird,nach dem sie , durch vnser vud männigliches E h r n -holten vnd Barsenanten, deshalben Warnung em-pfangen betten, so sol vnser Königlicher Fiscal Macht
haben, dieselben Vbcrführer ..... vmb die Straff ...
fürzunebmen" ').
9. Capltel.
SfhriI*lm*ell«ri(K€ -he I'rivuUhäligkeit derHerolde.
Der .älteste Heroldsdichter, den wir bestimmt als
solchen kennen, ist Conrad von Würzburg f 1287. SeineDichtungen, meist mythologischen Inhalts, legen vonConrads Meisterschaft in Wappensachen ein glänzendesZeugnis« ab. Ich habe seine Werke bereits in derchronologischen Uehersicht der poetischen Literatur desMittelalters 2 j aufgeführt
Ein fahrender Mann, welcher sich „Hierselein"nennt, hat im Anfang des 14. Jahrhunderts die Schlachtbei Gollheim zwischen den Königen Adolf und Albrechtals Augenzeuge in einem echten und richtigen Herolds-liedu beschrieben. Dasselbe ist wiederholt abgedruckt:
Hauch, rerum austriacarum scriptores IJ. 300 ff.
Graff, Diutisca HI. 314 ff.
J. F Böhmer, fontes rerum Germanicarnm II. 479 ff.endlich am besten von
Frh. v. Lilien er on, historische Volkslieder 1. 12 ff.
Ueber die dem Liede beigemischten, kunstgerechtenBlasnierungen wird an anderer Stelle zu bandeln sein.
Der .König von Odenwald"., jedenfalls Wappen-kündiger der odenwäldischen Reichsritterschaft um 1340)hat eine Reihe von Gedichten hinterlassen, aus denenK. v. Babder in der Vierteljahrsschrift -Oermania ; ' vonK. Bartsch, Neue Folge XI 193 ff. 292 ff leider nur eineAuswahl mitgetheilt bat.
K. v. ßahder sagt:
„Dieser Dichter hält es für eine schreiende Unge-rechtigkeit, dass man bis jetzt nur Nachtigallen, Dros-seln , Amseln, aber noch nie die Gans und das Huhnverherrlicht habe, dass noch niemand das Lob der Kuh,des Schafes, des Schweines von denen aus so mancherleckerer Bissen und so manches warme Kleidungsstückzu Theil wird, gesungen habe. Seine Gedichte sinddesshalb grösstenteils dem Zweck gewidmet, diesenützlichen Hausthiere zu verherrlichen, deren Vorzügeer in ernsthaftem Ton und mit grüsster Ausführlichkeiterzählt."
Die Gedichte berühren meist auch heraldische Dinge.
Wigand v. Marburg, ein hochmeisterlicher Wappen-herold , hat vorzugsweise die kriegerische Thätigkeitdes deutschen Ordens im 14. Jahrliunderts noch vorAblauf desselben in deutschen Reimen besungen; lei-der ist das Original, wenige Bruchstücke abgerechnet,seit fast drei Jahrhunderten spurlos verschwunden undnur eine ausseist flüchtig gearbeitete, sehr missrathenelateinische Uebersetzung davon auf uns gekommen.
iHerausgeb. von Tb. Hirsch im II. Bande der Scriptoresrerum Prussicarum) i) —
Der fruchtbarste Heroldsdichter war — wenn wirnach dein, was auf unsere Zeit gekommen ist. urtheilendürfen — der österreichische Wappenkündiger PeterSuchenwirt J ), welcher in der Zeit zwischen 135G und1395 dichtete. Seine für die Heraldik äusserst werth-vollen Gedichte, der Mehrzahl nach Ehrenlieder,sind im Drucke vervielfältigt:
.Peter Suchenwirts Werke aus dem vierzehntenJahrhunderte. Ein Beytrag zur Zeit- und Sittenge-schichte. Zum ersten Mahle in der Ursprache ausHandschriften herausgegeben und mit einer Einleitung,historischen Bemerkungen und einem Wöiterbuehe he-gleitet von Alois Primisser, Gustos der k. k. Am-braser-Sammlung zu Wien. Wien 1827. Druck undVerlag von .]. B Wallishauser. (8<> 39ü S.).
Fünf andere Ehrenreden, von denen eine in dankens-werter Weise ein bei Primisser abgedrucktes Bruch-stück ergänzt, hat 0. E. Friess in den Sitzungsberich-ten der Philosophisch-Historischen Gasse der Kaiser-lichen Akademie der Wissenschaften 88. Band Jahrg.1877 S. 99 ff. nach einer Handschrift im Cisterzienser-stift Schlierbach mitgetheilt.
J. F. Böhmer bezeichnet Suchenwirts Werke alsein „sehr zu beachtendes österreichisches Heldenbuchaus den ersten drei Vierteln des 14. Jahrhunderts" 3 ). —
Der bayerische Herold Johann Holland verfassteca. 1420 ein gereimtes Verzeicbniss der bayerischenTurniergeschlechter. Von diesem sog. Turnierreim kannteWiguleus Hund dreierlei Versionen, darunter eine „ver-besserte" von Georg Rixner. Abgedruckt ist der Reimbei W. Hund (bayerisches Stammenbuch) und Einzingervon Eiuzing bayerischer Low (I, 326 ff.).
Stolle erwähnt in seiner Thüringischen Chronik einGedicht von der Eroberung des Schlosses Wachsenburgdurch die Erfurter im J. 1451. Er erzählt:
„In dissen louften was so balde in der stadErffurthe ein fromder persofant, ein Sprecher, dermachtess balde ein getichte vonn den berurten geschieh-ten vnd mit nameun das die vonn Erffurthe Wassinburggewunnen hatten, das getichte lutet alzo:
Liedt wie di Erffurdter Wassenburgk gewonnen.
Erffurt ein krön
in Doringen schon,
dorynne du bist das rys
diu lob do durch zw prys
Molhussen da bey
Northussen fry,
sy bann sich generc
al durch das swert,
wie muchte ich das volpriesenn.
Ein silbern rad ym rotenn feylthad sich zu storme gegebinMolhusenu ich do selbir nveltyr banyr sach wan swebin,der adeler hoch
(Schluss:)o edele rose vonn Jerichomache vnns fro
1) Abschied des Reichstags zu Augsburg vom .1.lüOO. Wenn Siebenkees (Erläuterungen S. 33) sagt:„In dem Reichsabscbiede von 1Ö00 werden die Perse-vanten mit den Gotteslästerern in eine Classe ge-setzt," so hat er sich gröblich getäuscht! Vennuthlichhat er sich auf ein ungenaues C'itat (.Gotteslästererund Parsevanteir) dem auch ich irgendwo begegnetbin, verlassen.
2) S. 2
1) Zeitschrift f. preuss. Geschichte und Landesk.VII, 351.
2) Wir haben über ihn eine besondere kleine Schrift:Der österreichische Didactiker Peter Suchenwirt seinLeben und seine Werke besprochen von Franz Kra-tochwil, Professor der deutschen Sprache. Jahres-bericht des Obergymnasiums in Krems am Schlüsse desSchuljahres 1871. Krems 1871.
3,i Vorrede zu den Reg. Ludovici Seite XL