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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. I. 3.

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Feuer und aller Kriegsrüstung gewaltig heimzusuchenim anzug ist, hat mir befohlen, Dir seinen KeyserhchenAlisa«-- und Bewahrungsbrief zu überantworten. Darnebenlässt er Dir durch mich anzeigen: Sofern Du nicht,innerhalb Dreyen Tagen Dein Lager aufheben und dieStadt Neuss samt dem Stift und der Stadt Colli, mFrieden verlassen wirst, so solst Du, vom Keyser unddem ganzen Kölnischen Reich, vor einen Feind desReichs erkannt, benannt und verfolget werden.

Damit überreichte er dem Herzogen den Absagbneiin seine Hand: welcher solchen, vor allen seinen Herren,öffentlich ablesen lassen, und nachdem er mit etlichenderselben, eine kurze Unterredung gehalten, dem Ehrn-hold selber mündlich Dies lauts geantwortet:

Ehrnhold Romreich! Deines Herrn, des Keysers,auch etlicher Teutscher Fürsten und Herrn, Befehlsamt dem Bewahrungsbrief haben wir angehört, gesehenund vernommen, und nachdem Dein Keyser, vor wenigMonaten, als der bey uns zu Trier gewesen, sich gegenuns in höchster Freundschaft und Liebe erzeiget: sohätten wir nicht geglaubet, dass solche seine angebotneLiebe und Freundschaft, gegen unsrem Haus Burgundsich sobald enden, auch in höchsten Hass und Neid,schädliche Kriegsverfolgung und Verderbung Land undLeute, verkehret werden solte. Dieweil nun wir, alsein Helfer des Rechtlosen und vertriebenen Fürstensvon Cöln, der uns als einen Fürsten des Reichs umSchirm angeruffen, von Deinem Herrn dem Keyser undetlichen seinen Tentschen Fürsten verachtet, und unsihre Kriegswaffen feindlich angebotten worden: So solstUu, Deinem Herrn dem Keyser, von uns zur Antworthinwiederum sagen: dass wir, als noch eingedenk derjüngst-gepflogenen Liebe und Freundschaft, wider S.Maj.und des Reichs Macht, unsre Waffen und Kriegszugungern gebrauchen. Dieweil uns aber der offene Krieg,mit stolzen Worten, die Dir unser Gegentheil, DeinHerr, der Keyser in den mund gegeben, an den halsgeworfen worden: Als nehmen wir denselben Krieg vonDeinem Herrn und denen Fürsten, die Dich zu uns ge-sandt haben, mit allem Ernst und Mannheit an, undwollen denselben, gegen den Keyser und die seinen,dermassen führen, dass die Ober-Teutsehen Fürsten undHerrn sehen und empfinden sollen, was Dapferkeit undWaffen die Burgundische Reuter und Kriegsleute ver-mögen und haben. Und solches mag auch Dein HerrKeyser, mit seinen Oberländischen Knaben, wann erhierzu Willen und Lust hat, aufs baldiste an unsremHeer versuchen.

Nach solcher Handlung ward der Ehrnhold, mitmit einem köstlichen Kleid von Güldnem Stuck undblauem Damast auch mit einer Guldnen Kette 100 Gul-den wehrt und mit 50 Gulden Wegzehrung, beschenket,und nicht nur vor das Lager, sondern noch auff zwoMeilwegs gegen Andernach, begleitet: Daselbst er demKeyser, in gegenwart der Fürsten und Räbte, alle Worteund die Antwort Herz. Carls angezeigt und erzehlet."

e) Die Amtspflichten der Herolde im Kriege.

Dieselben beruhen sicherlich auf uraltem Herkom-men, wie schon im Eingange des vorigen Paragraphenangedeutet ist. Was wir aus Urkunden und Chronikendarüber wissen, sind nur spärliche Ueberreste.

Wie Leonhard Fronsberger bezeugt 1 ), wurde dieInstitution der Herolde auch in die Kriegsverfassmigder neueren Zeit übernommen. Derselbe schreibt über»Des Herolds Bevelch, Ampt und Eyd":

Was und wie ein Herold ist oder seyn soll ist da-her zu melden on Not, es ist aber im Heerzug fürnäni-lich sein Ampt, das er stäts bey dem General-Oberstensey, damit er jme offt sicli zutregt, bevelch geben mögeund ist das fürnämlich sein bevelch, so man etwas öffent-lich im gantzen Feldtlager verkünden, anzeygen, ge-bieten oder verbieten wil, das sol durch den Heroldtgeschehen.

Der Heroldt hat über seinem gewonlichen kleyd,so er etwas öffentlich aussschreyen nnnd verkünden sol,gemeynlich ein Seydin kleyd an, wie ein Leviten Rock,vornen unnd binden des Kriegssherren wapen dareingestickt, fürt ein weiss Stäblin in der Hand, reytet ein'frommerer vor jm her, dann zeucht er in alle Läger,und an allen orten darzu am füglichsten, blaset derTrommeter ein stillschweigen, alssdann so der Tromine-ter aufhört zublasen, so schreyt der Herold öffentlichsein bevelch auss. Darninb ist von nöten, das ein He-roldt geschickt sey, das jhenig so jme befolhen wirtrecht zuverkünden und ausszuschreyen. das er auch einfeine, helle, gutte und wolverständliche stimm habe.

Im wirt gehalten ein Reysiger Knecht und Pferdt,zugleich andern gereysigen, und ist sein Besoldung auffsein leib und Ampt Monats N. gulde

Sein Eyd wirt jme auch gegeben und gestellt aufdie Puncten und Artickel, darauff er bestellt und an-genommen worden" ').

Frli. von Senckenberg 2 ) glaubt, dass die Heroldeden Ausspruch zu thun hatten, wer eine Schlacht ge-wonnen hatte, und wie die Schlacht zu benennen sei.Als einenunverwerflichen Zeugen" führt er Enguerantde Monstrelet an, der in seiner grande Chronique(Vol. 1.1641 von der Schlacht von Azincourt vom Jahre1415 erzählt:

.En apres le dit Roy d'Angleterre-entre taut queses gens estoient oecupez ä desnuer et devestir ceuxqui estoient mors il appella le herault du Roy de FranceRoy d'armes nomine Montioye et avec luy plusieursautres heraults Anglois et Francois et leur dist: Nousnavons pas faicte ceste occision ains a este dien toutpuissant comme nous croyons par les pechez des Fran-cois. Et apres leur demanda auquel la bataille devoitestre attribuee, ä luy ou au Roy de France. Et lorsicelluy Montioye respondit audit Roy Dangleterre, quea luy devoit estre la victoire attribue et non au Royde France. Apres icelluy Roy leur demanda le nom duchastel quil vooit assez pres de luy. Et ilz respoudi-rent, qu' on le nommoit Azincourt. Et pourtant ce distil que toutes batailles doivent porter le nom de la plusprochain forteresse elles sont faictes ceste cy desmaintenant et par durablement aura en nom la batailledazincourt 3 ).

Ich bitte nun, mit dieser Erzählung den Passusaus Shakespeare's König Heinrich V. zu vergleichen,welchen ich als Motto über diesen Abschnitt gesetzt habe.Die Uebereinstimmung ist auffallend, Shakespearehat sich mit merkwürdiger Treue an die Geschichts-erzählung des Monstrelet gehalten.

1) Leonh. Fronsberger, fünf Bücher von Kriegs Re-giment und Ordnung. Frankfurt a M. 1555 fol. ErstesBuch pag. 7 u. 8.

1) Senckenberg's Vorrede zu Oetters Wappenbel.(I) S. 13.

2) Vorrede zu Oetters Wappenbelustigung I. S. 14.

3) Ich habe die Druckfehler bei Oetter nach demOriginal richtig gestellt, welches den Titel führt:

Le premier volume de enguerran de monstrellet.Ensuyuant froissart, Des croniques de France etc.

Wiegendruck, ohne Angabe des Jahres, jedoch be-stimmt Anfangs des 16. Jahrhunderts.

Auf dem Ex. der Kgl. Bibliothek in Berlin steht,die handschriftl Bemerkung:

Libri rari Editio rarissima cuius non fecit mentio-nein Catalogus ... Mencken.