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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. I 3.

einen sehr engen Zeitraum. Das Einzige, was hierüberzu meiner Kenntniss gelangt ist, besteht in Folgendem:

Markgraf Friedrich von Meissen sagt in dem Be-Bestallungsbrief'e') für seinen Herold Johann Meissen-land vom J. 1421:

.... agnicione diversorum armorum et signorumtanta semet ipsum diligencia exercet nt condigne con-signet et appropriet, que arma qualiaque clenodia uni-cuique conveniant et competant condeeenter."

Herold v. Francolin tadelt (nach 1564) die Miss-bräuche der Maler, Kupferstecher und Formschneider,indem

nit allain gemainer leüt Wappen, Sonder auch die,welche den Ländern vnd jrer Maiestat Künigreichenzugehörig vnd zugeaignet, bey jnen nit recht, sondernfalsch erfunden werden, welches mir zu grosserSchmach, spott und nachthail, Amptshalbenraichen thut, in betrachtung, das jr Römische Kayser-liche Maiestat, mich vnd meines geleychen darzu son-derlich vnderhellt, damit nit allain jr Maiestat, sonderauch auff alle andere Wappen, sorg vnd fleyssig auf-sehen, durch vns, als welche diser sachen für-nemblich erkandtnuss haben, vnd erfarensein, gehalten werde. Demnach vnd auff das, das dieWappen jr Maiestat gantz oder vngefelscht bleiben,vnd hinfüro sich weytter inn dem faal kain Irrung ein-reysseu möcht" hat er ein Wappenbuch drucken lassen.

d) Die Herolde als Ueberbringer von Kriegs-erklärungen:

Diese Amtspflicht der Herolde ist mehr wie jedeandere dem uralten Herkommen gemäss. Wir habenschon früher gesehen, dass der garzün sich in das geg-nerische Lager begeben musste, um die Schilde der Bit-ter , mit denen sein Herr zu streiten begehrte, zu be-rühren. Nachstehend ein Beispiel hievon aus Pleier'sMeleranz (um 1260 gedichtet).

Meleranz der werde man

der hiez mit im loufen dan9295 sinen garzün, der hiez Günetlfn:

der künde hübe.scher niht gesin.

9302 Meleranz sant vor im dan

sinen garzün an der selben stunt.

er sprachnu tuo dem künic kunt9305 der da lit üf dem plan

er heizt Libers von Lorgän

ich welle da ritterschefte pflegen

sag im er si ze lange gelegen

üf miner frowen anger.9310 nu sume dich niht langer

vil lieber Munt Gunetelin

laz diu fuoge werden schin:

du solt im von mir widersagen.

ich mac imz langer niht vertragen9315 daz er min frowen hat besezzen.

du solt ouch niht vergezzen,

sag im daz ich selb ander si.

sag im er si von strite fri,

er selb und alle sine man,9320 wan swelhen schilt du rüerest an.

Der ritter sint über al

vier und zweinzic an der zal

9326 swelh schilt aller verrest danvon dem sinen gehangen siund den naehsten da bidie soltu rüeren und keinen mer

Der Garzün richtet seinen Auftrag aus:9366 swelhen schilt ich ruere an,

des schiltes herre sol sin sin bereit:Der König führt den Garzün zu den Schilden:9407 üf daz bluomenvarwe velt

was geslagen ein schoen gezelt.

im zeigt der degen milte

vier und zweinzic schilte,

die warn gehangen her für

durch rehter wirdekeite kür

Libers sin dinc ane vie

ze dem gezelt er (16 gie9416 da er die schilte hangen sach

zuo dem garzün er sprach

swelhen schilt ir rüeret

der wirt für baz gevieret

gen iuwerm herrn üf prises wän:

da gezwivelt nimmer an.

der vorderst schilt der ist min

weit ir, der sol der erste sin."Wir haben eine ausführliche Schilderung der Vor-gänge bei der Kriegserklärung des K. Friedrich III.an den Herzog von Burgund, die ich in dem Folgendenwiedergebe l ).

Mit diesem (Absagebrief des Kaisers Friedrich III.an Herzog Carl von Burgund vom J. 1475) ward derKeyserliclie Ehrnhold Romreich oder Romerich nachdem burgundischen Lager abgefärtigt: welcher weilHerzog Carls Reichtum, Magnilicenz und Grosthätigkeitihm bekannt war, diese Botschaft mit freuden Über-name. Demnach steckte er den Brief in eine langeKluppen, name zu sich seinen guldnen Persevanten-Zepter, an welchem der Keyserliclie Adler, samt allenKeyserlichen Erhland - Wappen, eingestickt zusehenwaren, und ritte also mit einem Trompeter nach desFeinds Lager. Als er vor den ersten Schanzgrahen ge-langet, hiesse er seinen Begleiter dreymal in die Trom-pete stossen und jedesmal darzu ruffen: Hört, Hört!Auf diesen Ruff kamen etliche Burgundische Herren,und unter denselben der Grav von Megen und der Herrvon Cordes, die fragten den Ehrnhold, was sein Be-gehren sey ? Sie empflengen zur Antwort: dafern ihme,nach Fürstlichem Gebrauch und der Ehrnholden Recht,ein friedliches Gelait zugesagt werde, so wolle er denBefehl seines allergnädigsten Herrn des Römischen Key-sers von desswegen er dahingekommen, dem Fürstenvon Burgund anzeigen und ablegen. Nachdem die Bur-gunder, durch den von Humbercourt, ihrem Fürstensolches andeuten lassen, und Befehl ihn vorzulassen,zurücke gelanget: ritte Romreich mit seinem Trompeterder an seiner Trompete einen güldenen Fahn mit demKeyserlichen Adler und Wappen von Oesterreich trüge,durch das ganze Lager, bis er vor Herz. Carln, derim vollen Küris unter einem köstlichen Gezelt sasse,von den Herren geführet worden.

Sobald Romreich den Fürsten ersehen, stiege ervom Pferd ab, gab solches dem Trompeter zu halten,und träte also, die Kluppe mit dem Absagebriefin der linken hand empor tragend, ohn einige Re-verenz oder Ehrverneigung vor Herz. Carln, namedas Vordertheil seines Persevanten- Kleids in die handund begunte, mit unerschrockener lauter Stimme, ihnalso anzureden :

Durchleuchtigster Fürst von Burgund! Der Gross-mächtigste Römische Keyser Fridrich, dessen diss Wap-pen in meinem Ehrnholden-Kleid ist, welcher auch mitaller Macht des Römischen Reichs Dich Herzog Carl vonBurgund, von wegen Deiner Ungehorsamkeit mit Schwerd,

1) vergl. Urkunde Nr. 58.

1) Fuggers Ehrenspiegel herausgeg. von S. v.ken S. 808 ff.

Bir-