Geschichte der Heraldik. I. 3.
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Unter dem Titel „Zehrung" werden erwähnt:
— In die dyonisii des kunigs von vngern Herold denErnsten gelost aus der Herwerg von dem Pragervmb ij Pfd. V Schi.
— Eadem die demselben Herold gehen Zerung der inmeins Herre potschaft muss Reiten ij Pfd.
— des von Wirtzhurg knecht, fidler vnd mit einemportatif gelost aus der Herwerg, von Mertel demkramer iij Schi, viiij ah facit Liiij Pfg.
Alle ohen von mir erwähnten Personen gehören(soweit sie nicht als Herolde einen höheren Rang ein-nehmen) zur Klasse der Wappenfolg er, auf WälschPersevanten.
Jedem, der nach dem von mir ausgiebig beigebrach-ten Material hieran doch noch zweifeln möchte, dürfteder nachfolgende Beweis durchschlagend erscheinen.
Stolle erzählt in seiner Thüringischen Chronik s.a.1451:
„In dissen louften was so balde in der stad Er-ffurthe ein fromder persofant, ein Sprecher, dermachtess balde ein getichte vonn den berurten ge-schienten" 'i u. s w.
Der Persevant nennt sich am Schlüsse seines Ge-dichtes „Rosenberg".
7. Capitel.
Die Amtsnamen dt>r Herolde undl'ersevanteii.
Bemerkenswerth sind die Beinamen, welche vonden Herolden und Wappenfolgern in der Regel geführtwerden.
Suchenwirt (der bereits erwähnte Wappendichteram herzoglich österreichischen Hofe) heisst: suoche denwirt, suche den Wirth.
Der in dem obigen Verzeichniss erscheinendeSuchensin (Suche den Sinn) ist ein in der Geschichteder Literatur des Mittelalters wohlbekannter Dichter.
Einen recht eigentlichen Heroldsnamen führt der»Sprecher" des Johannes von Lichtenstein: Peter Lob-den-frumen d. h. Lobe den Tüchtigen
Der Sprecher des Grafen von Oettingen nennt sichIrrgang, ein anderer heisst Sorgnicht u. s. w.
Bald darauf wurde es üblich, den Herolden undPersevanten die Namen von Ländern oder Herr-schaften als Amtsnamen beizulegen.
Der Herold des Römischen Kaisers resp. Königsführte nachweislich schon seit Sigismund den Amts-namen Romreich, das ist: Römisches Reich.
Eberhard Windeck schreibt in seiner berühmten(gleichzeitigen) Chronik des Königs Sigismund 2 ) dasFolgende:
„Hie kommt des römischen koniges (Sigmund) 1 au f f e rgenant Romreich zu dem konig von Polanden vndprachte einen brieff von dem romischen konige (1421)3).
In dem Jare als man zalte von der gepurt Cristitausend vir hundert vnd ein vnd zwenzigk jare zu hantnach weinnachten, also der konig zu Vngern was, dokam Im Potfchafft, wie der konig von Poland den Hussenhelffen wolte. Do sandte der konig seinen heroltRomreich zu dem konig von Polande mit Imme dorauszu reden, ob es war were, Do laugente es der Ponlen-
difche konig, Doch so was es vaste zu sorgene, wenneder Pollande ettwas vil des koniges vyent wurden vndritten gein Beheiin zu den Hussen zu hilffe."
Diese Stelle ist auch darum interessant, weil siebeweist, dass noch in so später Zeit „lauffer" und „he-rolt" als gleichbedeutende Worte genommen wurden.
Noch unter den Kaisern Friedrich III. und Maxi-milian I. wird der Reichsherold Romreich genannt. Ineiner von dem Herold Jörg Brandenburg gefertigtenBeschreibung des Reichstags zu Cöln vom J. 1505 wirder „Raumrich" titulirt'). Man scheint also damals schonden Titel nicht verstanden, jedenfalls nicht mehr andas Römische Reich gedacht zu haben.
Kaiser Karl V. machte hierin eine Aenderung. Inder Bestallung für den Herold Caspar Sturm vom J. 1521wird demselben der Amtsname „Teutschland" bei-gelegt :
„den genanten Caspar Sturm zu vnserm keyserlichenErenholden auffgenommen vnd verordnet, vnd ym dennamen Teutschland geschöpft vnd gegeben haben" 2 ).
Ein Herold oder Persevant Königsberg dichtete1400 ein Anklage-Lied gegen die Mörder des HerzogsFriedrich von Braunschweig-Lüneburg, des Bewerbersum die Römische Königswürde. Man hat diesen Königs-berg für einen Grafen von Solms von der KönigsbergerLinie halten wollen. Wahrscheinlicher war er ein solmsi-scher Herold mit dem Amtsnamen Königsberg 3 ).
Im J. 1419 werden urkundlich erwähnt 4 ):Niclaus Holland, des Pfalzgrafen Johannes „Erhalt".Hans L a n d s b e r g (von der gleichnamigen Herrschaft)
des Markgrafen von Meissen „Parsenant."Rudolf Jertal des Herzogs Friedrich von Oesterreich„Parsenant".
Den Amtsnamen „Holland" führt auch der inderselben Zeit lebende Herold des Herzogs Ludwig vonBayern-Ingolstadt, Namens Johann, der Verfasser desbekannten bayerischen Turnierreims.
Der Markgraf Friedrich von Meissen hatte einenHerold Namens Johann, dem in der Bestallungs-Urkundevom J. 1421 der Amtsname Missenland beigelegtwird s ). Vermuthlich standen unter demselben mehrerePersevanten, deren einen wir oben unter dem NamenHans Landsberg kennen gelernt haben.
Eine Reihe von Heroldsnamen lernen wir aus demSchenkbuche der Stadt Nürnberg 6 ) kennen, in welchenu. A. die Geschenke aufgezählt werden, welche dieReichsstadt an König Friedrich IV., an Fürsten undan des Königs und der Fürsten Gefolge im April undMai 1442 gemacht hat. Es heisst da:Item 4 guidein des kunigs ernhaltenItem 2 guidein der von Sachsen emhalt.Item 1 guidein marggraff Albrechts von Brandenburgemhalt.
Desgleichen auf dem Reichstag von 1444:Item 2 guidein dem Romreich, emhalt.Item 1 guidein Rudolffen Romreich kunig der wapen.Item 1 guidein Hansen Sachssenlaud marschalken.Item 1 guidein Prewssenland.
Item 1 guidein Heintz Franckenland, Brandemburg.Item 1 guidein Döringerland, hertzog Wilhelms vonSachsen.
1) Haupts Zeitschrift für deutsches AlterthumVIII, 470.
2) ed. Mencken I. 1144.
3) Diese Ueberschrift bezieht sich offenbar auf ein«n Original der Chronik befindliches Bild.
1) Senckenberg, Sammlung ungedruckter SchriftenI, 157 f.
2) Vergl. Urkunde Nr. 87.
3) Vergl Beilage 4.
4) v Minutoli, Friedrich I. Kurfürst von Branden-burg S. 174.
5i siehe Urkunde Nr. 58.
6) Chroniken der deutschen Städte III. S. 395 ff.