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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. I. 3.

Suchenwirt sagt selbst von sich, dass er zu dengernden" Leuten gehöre.Von dem Phenning" :1 Ich rait allain in fremdew lant

Daz ich den edeln würd bechant

Durich notdurft meinez leib nar

Nam ich der pideben herren war,

Als gerndem orden wol antzimpt

Der gut durich got, durich ere nyrnpt

Und chunst beschaidenleichen phligt

Der pideben herren ere wigt

Für die pösen wirdichleichFerner Vers 22:

Ich sprach:Ich nym durich er gut

Und pin tze recht ein gern der man

Und sag, waz ich gewizzen chan

Von den pideben gutes."Ich führe die letzteren Belege hier an, um dieContinuität der Institution, die von hier abunter neuem Namen auftritt, so klar zu erweisen,dass ein Zweifel füglich nicht mehr übrig bleiben kann.Von Bedeutung ist auch die Form des Worteseralden die entschieden auf einen Iniport aus dem Aus-lande , ohne Zweifel England hinweist. Merkwürdigallerdings, dass wir auf diesem nicht ungewöhnlichenWege ein ursprünglich germanisches Wort in fremdemGewände zurückerhalten haben. Der Gebrauch schleifteindess bald diese Umhüllung ab, dem Fremdworte wurdeder seitherige deutsche Personenname Herold sub-stituirt, was auch sinngemäss richtig ist i).

Noch Johann Holland, bayerischer Herold um 1420,Verfasser des Tuniierreims, nennt sich abwechselndErnholt" undKnab der Waffen".

Hans Vintler (1411) vergleicht die Priester, welchewappengeschmückte Messgewänder tragen, mit Spiel-leuten und Herolden:

sullen nu pfaffeu ain soleich chrei

trogen mit den s p i 11 e u t e n

die da pfeifen sullen den preuten

und sullen wappen als herolt tragen!

sullen si des ein ere haben

das si haben der pfeifer amt?

pfui hin, pfui her der grossen schaut!Urkundlich zuerst finde ich die Amtsbezeich-nung Herold in der Rechnung des LandschreibersWalfart Helttampt über die Einnahmen und Ausgabendes Herzogs Albfecht von Bayern vom J. 1392 wo vonHerolden verschiedener Fürsten und Herren die Redeist 2 ). Dieselben werden unter der RubrikVarendeLeute" aufgeführt.

5. C a p i t e 1.

0er Wapiienkönig.

Die fahrenden Leute bildeten, wie wir bereits aneiner Menge von Beispielen gesehen haben, eine grosse,einheitliche Zunft, in welcher sich die Wappenknaben

1) Das W T ort Herold ist unzweifelhaft deutschenUrsprungs und aus den Wurzelsylben her und alt,old zusammengesetzt. Die Sylbe alt, old ist entstan-den aus dem altdeutschen Zeitworte w alt an, walten,verwalten. Die Sylbe her führt vielleicht auf das alt-hochdeutsche Zeitwort baren, laut rufen, zurück, da-her erscheint im 8. Jahrhundert der foraharo, Aus-rufer, genau Vorrufer. Der herold ist also Jemand,der das Amt eines Ausrufers verwaltet. [Graf Hoverdenim deutseben Herold 1878 S. 14 ff.].

2) v. Freyberg, Sammlung historischer Schriften undUrkunden III.

(Herolde) und Spielleute nur durch das spezielle, zu-fällige Dienstverhältniss unterschieden. In einer grossenZahl von Fällen lässt sich aber auch dieser Unterschiednicht mehr feststellen, wo die Verrichtungen der Heroldeund Spielleute unbedingt zusammenfallen.

Dieses Ergebniss lässt sich ohne Zwang dahin ver-wertben, dass wir die Könige der fahrenden Leute oderder Spielleute, wo sie im 14. und bis Mitte des 15. Jahr-hunderts vorkommen, zugleich als den Obersten der He-rolde ansehen dürfen.

Ein glücklicher Zufall hat die urkundlichen Be-weise meiner Behauptung auf die Gegenwart gebracht.

Ein Formelbuch auf der Kgl. Universitäts-Bibliothekzu Breslau enthält Documente, die von Johann vonNeumarkt, dem Kanzler des Kaisers Karl IV. ausge-fertigt sind, darunter die Creation eines Spielmanns-Königs').

Ich reproducire nachstehend dieses merkwürdigeActenstück und stelle zur Vergleichung die Creationdes Wappenkönigs Romrich vom J. 1442 2 ) daneben.

Creacio regis histrionumet quod possit vendidonatur.Karolus etc dilecto n.de n. figellatori (vedelir)familiari etc. Graciam etc.Inter ceteras sollicitudinumcuras, quibus pro subdito-rum optata salute incessan-ter distrabiinur, mentemnostram illud aecuratem(gl.: diligenter) sollicitat,quo illos, qui clare memorieserenissimis ac illustribusprogenitoribus nostris at-tento studio seruierunt,quorum eciain fides et in-nouate legalitatis constan-cia manifestis clarueruntindieijs, pre ceteris fldeli-bus gratis benefieijs et pijsfauoribus generosius attol-lamus. Sane quia tu iammulto temporis tractu adnostra et diui quondam n.Romani Imperatoris etc.obsequia attenta sollicitu-dine te gratum redderestuduisti et cottidiano vir-tutis affectu te nobispromptum exhibes reso-nantibus sonis et cotti-dianis suauitatis muleebrisarmonie, que tanto ioeun-dius bumanis auribus con-sueta modulacioneillabitur,quanto digitorum tuorumsubtilitas ex industria na-turali et suffragio seiendemultis quesite laboribuscordarum differencias ettenorum conformitatis dif-formes dulcis melodie sym-phonijs magistralibus coa-diuuas, te non immeritomunere specialium gracia-

1442 11. Aug Frankfurt.König FriedrichlV. croirtden Rudolf Romrieb zumWappenkönig (RegemHeraldorum)

Cum iam multo tem-poris tractu ad nostra tegratum reddere studuerisobsequia et cottidiano vir-tutis affectu te promptumexhibeas et paratum proeo videlicet quod te diver-sis terrarum finibus ubigentes armorum pro mili-tarium actuum exercicioconvenire solent frequenterconstituas inquirens soler-ter prout tui officii requiritconditio qualiter a quolibetinibi opera peragantur, id-

1) mitgetheilt von Alw. Schultz im Anzeiger f. K.d. d. Vorz. 1875 S. 212.

2) Chmel, Reg. 1. 109.