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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. I. 2.

Daz er sew Ritter werden liez.

Niemen er dez verstiez

Der sein an jn gert

Vber schilt und vher schwert

Waz da churz der segen

Er pat sew mannheit phlegenVon diesem Segen ist auch die Rede in den Reim-zeilen 305 u. ff. des oben') abgedruckten Liedes ausdem sogenannten Seifried Helbling.

Der Thüringer Johannes Rothe sagt über diesenPunkt in seinem etwa 1380 geschriebenen Ritterspiegel:ein Priester segnete unter der Messe in der Kirchedem Ritter das Schwert, die Sporen und den Ritter-schmuck. Dann schwur der Ritter einen Eid: er wolledie Christenheit vertheidigen, dem Reiche beistehen,nach dem Kaiserrechte Wittwen und Waisen beschirmenund Unrecht abwehren, Ketzer und Heiden bekämpfen.Wenn das geschehen, stiess ihm der Priester den Ringan den Finger. Auf diese Weise ist Landgraf Ludwigvon Thüringen, Sanct Elsbethen Mann, Ritter geworden,der in seinem neunzehnten Jahre in der Stadt Eisenachin Sanct Georgen Kirche das gesegnete Schwert durcheinen Bischof empfing; mit ihm zugleich zwölf jungeKnappen."

Die Ueberreichung des gesegneten Schwertes istder Glanzpunkt der Feier, daher ist z. B. im Wigaloisdes Wirnt v. Gravenberchdas Schwert nehmen"gleichbedeutend mitzur Ritt er würde ge langen":1627 Diu hochzit wart vil lobelichDo der knappe nam daz swert.

Die einfachste Form der Wehrhaftmachung ist dieUmgürtung mit dem Schwert, wie sie von Conradv. Würzburg im Partonopier und Meliur geschildertwird:

bot er sin gar edel swert

mit beiden henden ir zehant.

er kniete nider und si bant

ez umbe in ze den siten

Der Act wird hier durch eine Dame, allerdings eineregierende, vollzogen.

In Deutschland erhielt der Knappe wohl in derRegel mit der Flache des Schwertes einen Schlag anden Hals, oder je einen Schlag an beide Schultern undden Hals, wobei der die Würde Ertlieilende folgendenSpruch hersagte:

Zu gotes unde Marien er

diesen slac unde keinen mer!

wis küene, biderbe und gerecht

bezzer ritter denne knecht! 2 ).Peter Suchenwirt beschreibt den Ritterschlag desHerzogs Albrecbt von Oesterreich:268 Der graf von Tzil Herman genant

Daz swert auz seiner schaide tzoch

Und swencht ez in di lüften hoch

Und sprach tzu hertzog Albrecht:

Pezzer ritter wanne chnecht!"

Und slug den erenreichen slag.Eine schöne Ermahnung lässt Gottfried v. Strass-burg (1215) den König Marke an dessen Neffen Tristanrichten:5017 Marke nam do Tristanden

sinen neven ze banden

swert unde sporn strict' er im an5020sich" sprach erneve Tristan",

sit dir nu swert gesegenet ist

und sit du ritter worden bist

1) Siehe S. 12.

2) Ettmüller 1. c.

nu bedenke ritterlichen prisund ouch dich selben, wer du sis;5025 din geburt und din edelkeitsi dinen ougen vür geleit:wis diemuet und wis unbetrogenwis warhaft und wis wolgezogen;den armen den wis iemer guot,5030 den riehen iemer hochgemuotzier' und werde dinen lip,er unde minne ellin wip;wis mute unde getriuweund iemer dar an niuwe!5035 wan üf min ere nim ich daz,

daz golt noch zobel gestuont nie bazdem spere unde dem schiltedan triuwe unde mute"Hie mite bot er im den schilt dar.Der Tag wird mit einem Buhurt gefeiert, an demder neue Ritter theilnimmt:

Wirnt v. Gravenberch sagt bei der Schilderung derHochgezeit des Wigalois:1655 Sich hup da michel riterschaftUnde schone buhurdierenMit riehen banieren.Sus wart her Wigalois ze manMit riterschefte uf der plan:Der kunech het wol zu im getan.Im Liede von Karl Meinet heisst es bei der Schil-derung von Karls Wehrhaftmachung:A. 55. b. 47 Als Karll vp dat rosz was komen,So hadde en Galaffers genomenVaste in den breydel syn.50 Hey sprach: Karlle, vrunt mynIr soult halden eyne wyleBis ander ritter zo veleOp dye quentine hant gestechenSo moget er de bas gerechen.55 Karlle sprach: herre dat doen ich.So begonden de Vrantzosen gelichZo stechen vp de quentine;So daden ouch de Sarrazene,Mannych sper zo brachen,60 Da sy vp de quentine stachenNu lach Galya vp yrem saleInd sach dyt allet harde wale;So daden yr iunffrawen alle.Also do de ritter mit geschalle65 Ir sper hadden verstochenA. 56. Ind vp der quentinen zo brochen

So moeste ouch zo den zydenKarlle der iunchere ryden.Des heysche eme Galaffers langen dare5 Eynen schilt riche in wael vare.

31 Gallaffers der konynck gemeyt

Nam den schilt do mynenclicheA. 56. b. Ind heynck en Karlle van Vranckrich

An synen hals mit leuem moede.35 Synen edelen heim gode

Dede hey eme ouch langen dar

Der was oeuen golt var

Vnden was hey van stale hart

All vmb ind vmb bewart40 Mit gesteyne goet ind riche.

Den heim hedde do mynecliche

Galaffers vp gebunden

Dar nu wart Karlle an der stunden

Eyn starck sper in syne hant.'45 Mit dem is hei do gerant

Zo der quentine nekede hey sich.