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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. I. 1.

ritaer und edel knehte :

bringet ir ze rehte295 ein gebüren under schilt

der ritterschaft ist wilt,

an daz ich in geliche

zu der österwiche

diu get über dehein geiz:300 umb daz lamp ich wol weiz

daz wirt gewichet.

diu sache sich gelichet,

daz der wäre riters segen

deheins gebüren mae pflegen.305 ich wolte daz mich got gewert

man im schilt unde swert

segent, daz im an der stet

der schilt wttrd ein moltbret,

daz swert ze einer riutel,310 sin sidiner biutel

so er den an hienge

daz es umb in gienge

und waer ein guot saetuoch

noch taet ich im einen fluoch315 ob mich got erhörte

daz sin gürtelborte

ein hänfiner vuoterstric

wttrd; so saeh ich lieben blic

lege er riters kleider an,320 so werd im sin vürspan

gelich einer eiden.

daz müez er also liden

und daz im sin rennegcwant,

so er üf den buliurt rant,325 wttrd ein altez plahenväch,und im allez liefe nachein fiil in der gewaeredaz ros sin muoter waerewir sohlen alle schrien330lät, lielt, daz vüle dien!"ich sprachtrutgeselle,umb wiu dienst du die helle ?dem got sin werdikeit hie mer,mit got du den selben er335 als dincn ebenkristen"

der kneht sprach mit listenlieber herr, ja tuon ich dazan daz mir geviele bazein gebür rieh unde wert.340 so man dem gesegent swert,der wirt unwert ein riter.herre, saelic riter!er biet in siner hüzgnözschaft-an sinen wirden bezzer kraft.345 swie rieh ein gebüre waer,

billiche ct riterschaft verbaer.einsohiltem riter ich nilitdaz er si ein dienstman.ein dienstman sol wesen fri350 daz er niht ein gräve si

ich wil raten, daz ein gräfhabe niht richer vürsten hof.ein vürst treit küneges kröne nihte wal und wihe an im geschult355 der keiser get den künegen vor,wan in der bähest hebt enborze houbte al der kristenheit.herre, daz si u geseit

Die Verse 3IG ff, wollen besagen: man verlangenichts Unbilliges von dem Bauern, denn auch dem Ein-schild-Ritter werde nicht zugestanden, dass er ein Dienst-mann , noch dem Dienstinann. dass er ein Graf seiu. s. w.

gan

Ein sicherer Beweis, dass in vorstehender Darlegung nicht auf einen Einzelfall, sondern auf einen all-gemeinen Zustand Bezug genommen wird, liefert dieThatsache, dass wir dieselbe Klage gleichzeitig auchaus einem anderen Punkte des Reichs vernehmen.

Ein anderer politischer Dichter der BambergerSchulmeister Hugo von Trimberg hat in seinem im J.1300 vollendetenRenner" ein Gedichtwa von edelvnd vnedel komen sint". Es ist eine Unterhaltungzwischen dem Dichter und einigen Bauern. Die letz-teren bitten:

1503 . . . bescheidet vns noch eins, des wir biten,von den die halp ritte r sintvnd doch vngern geben ir kintvns gebüren, wie doch ir adelMere gesippet si dem st adel,Denne ez dem ritter satel siSi sint niht eigen vnd niht fri1510 vnd wonet den edeln levten mite,vnd haben doch gar vnedel sitevnd tvnt vns armen ofte leitAls Antwort erzählt ihnen der Dichterwie derlewe knnik wart und ein bispel von den maule (Maul-thier) vf halb edel lute". Das Maul wird von dem Kö-nig um seinen Namen gefragt; es antwortet mit einerVerherrlichung der Abstammung seiner Mutter und derenBruder. Auf die directe Frage nach seinem Vater ver-stummt das Bastard-Thier. Ein dabeistehender Fuchssagt zu dem Löwen: Herr, kennt Ihr den Esel, den derPfister (Bäcker) hat zu Wesel, das ist sein Vater.lohwollte ungern mein Leben um seinen geflickten Adelgeben." Sein Vater sei schätzbarer als alle seine Onkel,denn ihm wohne Treue und Einfalt bei, er nähre sichvon seiner Arbeit und thue ungern Jemand leid.1573 Do sprach der lewe, du hast warDitz bispel sol man devtenDen tvminen hoffertigen leutenDie sich ir armen freunde schementvnd sich eins adel an nenientvon den di ir niht gar vil ahtenvnd solten ir armut wol betrahtenSie habent hie vnd dort verlorn ').Zum Schlüsse mögen noch die Ausführungen des.Bitterspiegels" von Jobannes Rothe (um 1380) überdas Aufsteigen und Fallen der Geschlechter hier Platzfinden. Obwohl sie einer Zeit des Uebergangs ange-hören, denn unter Karl IV. begann der Sturmlaufder welschen Rechtsgelehrsamkeit gegen unsere Insti-tutionen so wurzeln sie doch noch ganz auf demalten Rechtszustand: von dem Briefadel, den KaiserKarl IV. einführte, hat Rothe keine Ahnung, oder erhat doch von demselben keine Notiz genommen. Geradedarum gewinnt die Darlegung Rothe's ein um so höheresInteresse für uns.

Ich lasse nun die betreffenden Verse wörtlichfolgen:

[9a]

410

415

Nu werdin ouch rechte eigene luteMit der band fri wedir gegebinAlso man daz wole mage bednteWan ez erm herin werdit ebin,Und koufin si gutir di nicht sint friUnd vorzinsin di seibin gute:So mogin si frome gebor wol si,Werdit redelich danne er gemute.

1) Schon in Freidank's Bescheidenheit (1225)heisst es:141, 1 Swer den mül wil fragen

von sinen höchsten magen

so nennet er e den oeheiu

dan vater oder friunde dehein