Geschichte der Heraldik. I. 1.
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Johannes Rothe (um 1380) der die Dienstherren nurnoch als „Edle" kennt, sagt:901 Ez solde ouch niinant ritter slahin
Danne ein edeler fromer ritter,
Von deme man mochte lehin enphahin
Und deme di untogunt were bitterIn Rothe's Ritterspiegel wird über die Befähigungzum 7ten Heerschild gesagt:
Wer nu von sinen eldirn were
Fromelich und elichin geborn715 Und hette ouch selbir behaldin ere
Und worde umme manheit gekorn
Daz her lehingute beseze
Und were frome und togintsam milde
Und sich gudir dinge vormeze720 Der queme wol zu dem herschilde
Den muste eme gebin
Ein here adir ein forste
Wan ez sime herin were ebin
Daz her en furin torste. l)In dem achten Liede des sog. „Seifried Heilung",weiches in Form eines Gespräches verfasst ist, fragt derJS-nechf, wie es komme, dass Bauernsöhne zur Ritter-schaft gelangen:
herr, doch wil ich iu verjehen
den riter ich hän gesehen
des vater ein gebüre was
sin muoter des wol genas
ders ein gebürinne hiez;
niemen sluoc in noch enstiez
dar umbe, ez was diu wärheit
ob ir sun riters kleider treit,
lieber herr, wie füegt sich daz?
daz bescheidet mir baz
nmb die selben fiterschaft;190 herre so sit ir tugenthaft
Die Antwort lautet:196 lieber kneht so sag ich dir,
ein herr hat einen amman,
der im guot wol füegen kan,
ab sinen holden, swiez iz get200 daz im sin guot bestgt
da von wirt er riche
er trabtet wisliche
daz er ze hove wert si_ dem herren ist er gerne bi^05 der gwinnet vil nach sime rat
da von er in wol hat.
sinen sun er ze hove laet
8in tohter vor vrouwen naet
schone ab eime bildaer-älO diu billich du heime waer
daz sie ir muoter spin
zwiu möhte si spilgewin
wägen, dazs ir vielen wol?„. so ich die wärheit sagen sol,■"ö heber kneht, iz get der kouf
swie got wil, der ab, der ouf.
eins gebüren grozez guot
bringt in an den übermuot
daz er dünket sich so wert
ze konschaft er nicht gert
siner hüsgnözinne
in leitent sine sinne
daz er eins riters tohter bitso,, rnanegem riter wonent mit**o vil kint unde noetikeit
der sin tohter niht verseif
dem selben gebüren.
1) d. h. mit Einverstftndniss seines Herrn.
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so er müeze erknüren!
des wünsch ich. pfiu sinen nac,230 daz er den hänfinen sac
leit zer edelen siden!
das solde wol vermideu
ein gebiurischez barn.
von in werdent zwitarn235 daz mein ich ir beder kint;
so diu nü gewahsen sint,
diu dünkent sich dan vruoter
nach der edelen muoter.
also sint die gotes gab240 wunderlich, der üf der ab
frumer kneht geloube mir,
nü wil ich rehte sagen dir
wie der selbe riter wirt.
der tot der niemen verbirt245 im sinen vater sterbet
von deme in danne erbet
ein michel teil guotes;
daz hilft im übermuotes,
er get zu dem herren sin250 und sprichet „lieber herre min,
ir sult mich riter machen
swes ir zuo den Sachen
bedurft, ich gib iz heimlich dar
und wil iuch verrihten gar255 weit ir zer höchzit 1 ) iemen laden
daz geschiht an iwern schaden"
der herre sprach durch sin er
„hästü iht ze reden m§r?
ich hän mich des wohl bedäht260 got dich mir hat zuo bräht
swaz so du mir liebez tuost
wol du des geniezen muost.
der herzog nach des landes kraft
wil haben gröze riterschaft265 an des brief bin ich geschriben
übel waerst du üz beliben
hast du ze ritterschefte muot
des ist dir min wille guot.
du hiet von mir burcreht270 dje wil du bist gewesen kneht
des wil ich mich verzihen
dir ze leben lihen.
der knappe sprach „so tuot ir wol
zwaz ich gen iu tuon sol,275 daz tuon ich williclichen gern
und des ir niht weit enbern."
der herre sprach „ich lihe dir
und mach dich riter mit mir.
so ich dich ze geverten hän280 s6 bin ich wol ein dienstman
und mäht du in den eren din
ein einschilt riter wol sin." ä )
also kumt der riter dar
tuot war, seht, her Engelmär285 Guitnorisch 3 ) her Eberrusch
„Wie ir tribet iuwern tusch!"
sprach min kneht der vrägaer.
„herr ir sit so wandelbaer.
iu ist misselungen290 daz ir mit zwein zungen
redet, des ersten huobt ir an,
iz hiet ein rehter dienstman
1) d. i. Ritterschlag.
2) Von den Einschild-Rittern handele ich später«8) Guitnorisch nach Karaian wohl ein slavisches
Wort.