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Geschichte der Heraldik. I. 1.
her kiinic, daz enwart nie guot,zeigt uns die rehten dienstman,die welle wir zo herren hau655 und gebiett, als daz geschiht
daz uns die andern aliseln niht.
4. Capitel.Aiem» Uiitlu-ilim«;.
Aus diesen merkwürdigen, für die Zeit um 1300geltenden Auslassungen geht mit Evidenz hervor, dassim Süden Deutschlands bald nach dem Sturz der Hohen-staufen die alte Rangordnung, die auf den Heerschildenruhte, vollständig aufgelöst war. Es ergiebt sich nunfolgende Gliederung der Stände:
1) Fürsten
2) Grafen und Freie,
3) Dienstmannen (Dienstherren),
4) Rittermässige (Einschild-Ritter).
Wie zuverlässig diese Aufstellung ist, ergiebt sichaus dem Freiheitsbriefe des K. Ludwig IV. für die Aehteund Prälaten des Landes zu Bayern d. d. München15. März 1333, in welchem die Uebertreter mit Geld-strafen bedroht werden, wodurch wir in die Möglichkeitversetzt sind, das Verhältniss der Stände zu einandermathematisch auszudrücken! Die betreffende Stellelautet:
„Wer aber der wäre, der daz überfüre und unserKaiserlich Gebotte verschmachte und nit hielte, denschaiden wir von der Gemeinschaft der Christenhait undvon allen seinen Eni und Rechten, .... Dortzu sol erauch geben in dy Kamer des Reichs, ein Fürst hun-dert Marck feines Goldes, ein Frey, ein Grauefünfzig, ein Dinstherr oder ein Ritter, und einVitztumb Pfleger und Richter zehen Marcke, ein Edel-mann sechs Marck Silbers" 1 ).
In den Ehrenliedern des Peter Suchenwirt findensich häufig Verse wie der folgende, die ganz genau die-selbe Rangordnung aufstellen:115 Mit chunig, mit grafen hochgeborn,Vreyen, dienstman auzerchorn,Mit ritter, chnechten mutes reich
Die Rittermässigen sind diejenige Olasse, welcheehedem den siebenten Heerschild ausmachte.
Der rechts- und geschichtskundige Thüringer Jo-hannes Rothe hat noch um 1380 eine Rangordnung auf-gestellt, welche die alte Heerschilds-Verfassung und diehistorische Entwicklung (.von den unter Carl IV. einge-tretenen Neuerungen abgesehen) verbindet. Er erwähntnämlich, dass der Kaiser den ersten Heerschild habeund fährt dann fort:
Den and im, konige und erzbischofe han,690 Di forstin habin den d e r t e n
Umme daz si sint der bischofe man
Wordin mit erin gefertin.
Den ferdin habin die grebin
Den fünftin di banirherin,695 Den sechs tin di ediln uz webin,
An den si bin diu sich die rittermezigin kerin.
Niemant had adil von rechte.
Daz bete ich mir nicht vorkerin
Er kunne danne mit sime lehinrechte700 Di ritterschaft wol gemerin.
Wer rittertnezige Inte
Zu mannen mag wol gewinne
Den schribit edil und nennet en hüte
Allin endin noch deseme sinne
705 Den rittern und« knechtin
Schribet man den gestreng in,Die mit manheit und mit fechtinDer ediln dinst sullin volbrengin.Also an dem sibinden gelcde710 Di sippe nemit ein ende
Also muez ouch nu hcrmcdeDer sibinde herschild wende.
Rothe unterscheidet also den Adel, zu dem nachseiner Definition auch die sogenannten Dienstherren ge-hörten, und die Rittermässigen.
Die Rittermässigen werden in Urkunden des 13.und 14. Jahrb. häufig E de Heute oder nobile« servigenannt. Eine Urkunde des Grafen von Kiburg vomJ. 1256 bezeichnet die Rittermässigen als ho min es,nomen et caracterem nobilitatis habentes etnon sunt militaribus insigniis decorati 1 ).
Graf Ruprecht von Dume giebt 1323 seinem liebenVettern Craft v. Hohenlohe „diu manlehen und alleeigen edel lwte die ich han ze leben von dem Ro-mischen Reiche, von dem Biscoff von Moinze, von demBiscof von Wirzburch, von dem Biscof von Regenzburch,von dem Abbet von Elwangen und andern Fürsten oderBiseofen" 2).
Gottfried von Hohenlohe genannt v. Braunegk ver-pfändet Burg und Stadt Kitzingen an Bischof Otto zuWürzbnrg, so viel er daran Recht gehabt, 1336 an demnechsten Freytag vor unser Frawen Clibel Tag in derVasten, den man nennet Annunciationem „und swatzaitch vnser Lüte, s y syn edel oder vnedel gela-den wirt vff datz Gerichte ze Kitzingen" ■'').
In dem Bündniss der vier wetterauischen StädteFrankfurt, Friedberg, Wetzlar und Gelnhausen vom12. Octob. 1340 heisst es:
„Me setzen wir und wollen, wo ein ritter odir einknecht, die man edel lüde heizsit ... in dyservyer steden eyner bnrger ist . . . ." etc. *)
K. Karl IV. gebietet (1356 Mai 22. Prag) auf Klagedes Abts Heinrich v. Fulda, dass dessen Dienstman-nen, Edelleute und Unterthanen r> ) ■ • ■ •
Ich lasse nun nocli einige Belege für die socialeStellung der Dienstmannen und Rittermässigen, insbe-sonderj ihren Herren und Höhergestellten gegenüber,folgen.
Im Willehalm des Wolfram v. Eschenbach (um 1215)wird erzählt:
130, 30 der koufman hiez Wiinar
Der war von ritters art erborn
131, 22 der koufman mit ztthten sprach
„ir sult riten, ich sol genich wolt e wochen Jane hie sten".25 dö sprach des mareräven munt„mir waere gesellekeit unkunt,sohlet ir min garzün sin.lät mich bi den ztthten minich gevolg iu wol ze fuozgesellekeit ich leisten muoz."
1) Monumenta bolca V. 502 f.
1) 1256 erlaubt der Graf von Kiburg dem Deutsch-orden „tarn milites nostros, qui vulgo dieuntur ministe-riales nostri, quam alios homines nomen et caracteremnobilitatis (habentes), ctsi non sunt militaribus insigniisdecorati, dummodo sint de militari prosapia civilitersive legitime descendentes" aufzunehmen. Dr. Julius Ficker,Vom Heerschilde. Ein Beitrag zur deutschen Rcichs-u. Rechtsgeschichte. Innsbruck 1862. Wagner. S. 143.
2) Hansseimann, Landeshoheit des Hauses Hohen-lohe S. 435 f.
3) Hansseimann S. 579.
4) Böhmer, cod. dipl. Moenofrancf. I. 567.
5) Böhmer Reg. 2662.