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Geschichte der Heraldik. I. 1.
ten, während sich der erstere durch den Eintritt zahl-reicher edler und vornehmer Geschlechter ergänzte. Undin beiden Richtungen musste der Vorgang d.izu beitra-gen, den Werth und das Ansehen des sechsten Heer-schildes zu liehen. Diess war namentlich bei denMinisterialen des Reichs und der Reichsfiirsten der Fall,die vielleicht schon vor, jedenfalls aber seit dieserSchiebung ein rittermässiges Gefolge haben.Aus den Dienstmannen werden Dienstherren, wiesie denn auch später wirklich genannt werden.
Diese Sachlage ist für Oesterreich und Bayern überallen Zweifel erhaben. Der Beweis sei zunächst ausdem Uikunden-Material geführt.
Der Reichsministeriale Swigher von Mindelberchund Heinrich von Angelberch schlichten 1256 einen Streitzwischen dem Ritter Ulrich von Matzensiess genanntHuser und dessen Erben, die ihnen jure proprie-tatis angehören, einerseits und dem Kloster Rai-tenbuch anderseits. In der Urkunde i) werden mehreremi 1 ites in Mindelberch als Zeugen aufgeführt.
In einer Urkunde vom J. 1250 erscheinen als mi-lites et homines des Albert Rindsmaul von Werdenfels:
Cunradus Hager, Cunradus Spisselingc. Friedericusde Techendorf, Cunradus de Grundisperch, Gotfridus deWisach, Ramungus Lapicida, Graft Sagittarius 2 ).
Heinrich Vertinch von Steinkirchen, dessen GattinDiemode und ihre Tochter Gerhilde schenken 1278 demStift Benedictbeuren ihre „ancilla" Adelheid, die Toch-ter des Otto von Lochusen 3 ). (Wahrscheinlich wollteAdelheid einen Dienstmann des hl. Benedict heiratheu).— Die von Lochhausen waren rittermässig und wappen-genossen.
Heinrich von Eusenhofen und seine Hausfrau Ger-hilt und deren Tochter Diemuot verzichten 1303 aufalle Ansprache, die sie gehabt haben gegen Chunradden Vertinch und dessen Hausfrau Agnes und gegenalle ihre Erben um Eigen und Lehen um Mannlehen umLeut' und um Gut, und um alle Erbschaft die er hatum seinen Vater.
Darum und für die Heimsteuer seiner HausfrauGerhilt hat ihm Chunrat Verttinch gegeben 240 Pfd.Münchner Pfennige:
„er hat uns auch gegeben seiner edelen LeutGebharteu von Aubing und seiner Swester zwo, derhaizzet einiu Diemuot und iriu Chint, diu ander haizzetGuot, und Adelhaiten, Heinrich dez Waltenhauers Haus-frawen und iriu Chint, diu Chint sol man tailen. mitdem Mullenhauser, und Heinriches dez Lohaeres Haus-frawen und iriu Chint, diu sol man tailen mit deinMentzinger, und Otten dez Lohaeres Chint diu sol mantailen mit der Puechlerinne und Volrichen den Chelner.Er hat uns auch gegeben Chunraden von Niewnried,dawider haben wir im gegeben Diemuoden, Paltweinesvon Lochausen Tochter". G. des nächsten Pfintztagesnach Sanct Martinstag *).
In einer um 1270 verfassten Urkunde werden Wern-hardus et Chuno, fratres de Oede, Prambergari uset Entwelderius et Ueberacharius als servi etservitores des Friedrich von Türring bezeichnet 3 ). DieT örringer hatten indess noch mehr rittermässige Leute,z. B. die Zuchschwerdte, dielmziuger. Heinrich derTörringer zu Jettenbach entlässt 1337 Ulrich den Inzin-ger gegen eine Loskanfsumme der Eigenschaft, unter der
Bedingung, dass der Letztere seine bisher aufgehabtenTörringischen Ministeriallehen künftighin nach Lehen-recht besitzen und empfangen soll ').
Chunrat von Wildenrode übergiebt 1309 mit Willenseiner Hausfrauen, Frau Clara seinem lieben OheimHerrn Berhtolt dem Truchsezzen von Chullenthal, Sifri-den und Berthold seines Bruders Suuen und allen ihrenErben seine Burg Wildenrode, mit allem daz darzu ge-hört . . . „Lut und Gut, ez sien edel oder un-edel" G. am Sant Curbiuianstag 1309 2 ).
Eberhard, Ulrich, Otto, Herrn Eberhard seligenSöhne von dem Tor, Sigaun und Agnes ihre Schwe-stern. Gertraud ihre Mutter bekennen 1330, dass siemit ihrer besten und nächsten Freunde und ihrer „edelLeut" Rath, Willen und, Gunst an das Frauenklosterzu Diessen ihren halben Theil an dem Kirchensatze zuKauffringen verkauft haben.
.Und darzu haben wir In auch zu uns ze rechtenGeweren gesetzt unser edel Leut, Herr Ulrichenden alten Morelpecken, Chunrad den Wolff, Eberhardenden Hentschucher und Seihotten den Puelacher".
Diese Bürgen sagen: „Und wan wir aigner In-sigel nicht einhabeu, davon verpinden wir uns mit un-sern Treweu under unsers Herrn, Herrn Ulrichs vomTor Iusigel Vogt ze Peulberg.
G. Am Erichtag nach unser Frawen Tag als sygeporu ward 3 ).
Kaiser Ludwig IV empfahl 1331 seinen Amtleutenden Schutz der nachstehend verzeichneten Personen:
Wulfing Ramunch von Hugolfiugeu, sein Haussfrawvnnd all jhr Erben, die sie jetzundt haben oder nochgewinnen, B. Ramunchs Haussfraw vnd jhre Erben, diesie jetztund hat oder noch gewint Conrat den Perger,sein Haussfraw vnnd jhre Erben, die sie jetzundt habenoder noch gewinnen, Hainrich dess Pucbpergers Hauss-fraw vnd jhre Erben .... Diethrichs von Maysah Hauss-fraw vnd jre Erben .... dess Geltingers Kind von Weil,Hainrich den Anchen, sein Haussfraw vnnd jhre Erben.... Stephan den Anchen, sein Haussfraw vnd jhre Er-ben .... B. von Husen, sein Haussfraw vnnd Erben,...Heinrich den Hussner vnd seine Erben .... vnd darzua,l 1 e E d e 11 e u t h jung oder alt, arm oder reich, d i evns von dem Weylhamer an erstorben vnndgefallen seynd *).
3. Capitel.
Dleiiatmanneii und BitteriiiaüBige um
1300
nie dienstman wart zu rehtean riter unde an knehtedie ouch ritermaezic sin
Seifried Helbling.
Einen äusserst werthvollen Aufschluss über dieStellung der Ministerialen des 6. Heerschildes empfan-gen wir in dem um 1300 verfassten politischen Ge-dichte 6 ) eines unbekannten Verfassers. Das Gedichtgehört zu einer Sammlung, die jetzt unter der Bezeich-nung „der sogenannte Seifried Helbling" citirt zu werdenpflegt. Die älteren Germanisten nannten die Sammlung
1) Monumenta boica VIII, 31 f.
2) Stieber, Nachricht von Brandenburg - AnsbachS. 965.
3) v. Kremier, die Siegel der Münchener Bürger-geschlechter S. 33.
4) Monumenta boica VII 230 ff.
5) v. Kremier, Münchener Bürgersiegel S. 48.
1) Ebenda S. 49.
2) Monum. boica IX 119 f.
3) Monumenta boica Bd. VIII 225.
4) Wig. Hund, Stannnenbuch I, 368.
5) Herausgeg. von Th. v. Karajan in Haupt's Zeit-schrift für deutsches Alterthum IV. Bd. (Leipzig 1844).