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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. I. 1.

Andere Eigenleute (nicht von Rittersart) erlangten,wenn sie von ihrem Herrn freigelassen wurden, dasRecht der freien Landsassen.

Die vom Sachsenspiegel dem fünften Heerschildzugetheilten Mannen der freien Herren gehören, wiealle Ministerialen) der fünf oberen Heerschilde, in densechsten Heerschild, wie der Deutschenspiegel fest-stellt.

Das Cölner Dienstmannenrecht des 12. Jahrh. ent-hält folgende interessante Bestimmung:

Item quicunque Ministerialis beati Petri filioshahuerit mortuo patre senior filius obsequium Pa-tris recipiet, et jus serviendi in curia Archiepis-copi in suo officio, ad quod natus est, obtinehit.Quicumque frater suus Miles fuerit, nee adeodives quin servire eum oporteat, ille cum Dex-trario suo, Clippeo et Lancea in Curiani Archi-episcopi ante porticum beati Petri veniet, et siservo caruerit, ad lapidem descendat qui perfo-ratus illic jacet; tnnc hahenas freni sui circaforamen lapidis deponet et lanceani per mediumin foramen defiget et Clippenm appodiabit et hocomnia sine custode salva erunt et pacem ex parteArchiepiscopi usque ad reditum suum hahehunt.Deinde Ecclesiam beati Petri ad orandum intra-bit, et facta oratione Ecclesiam egrediens domumArchiepiscopi ascendet, ibique coram Domino suostans, se Militem esse et Ministerialen! beatiPetri profitebitur atque fidelitatem et servitiumsuum Domino suo offeret. Et si Dominus eum inCuriam et familiam suam tunc reeeperit ac post-modum ille per annuin integrum Domino suo lau-dabiliter servierit, Dominus pro gratia et bene-placito suo eum inbenefleiare tenetur, et ille eiimposterum serviet. Si autem Dominus eum noncuraverit, nee in familiam suam reeeperit, illeflexis genibus cum testimonio astantium oram pal-lii decosculabitur, et ad Dextrarium suum regre-dietur, et eo ascenso, quocumque voluerit, eat, etcuicumque voluerit, serviat" 2 ).Eine spätere (14. Jahrb.) Redaction des Dienst-rechtes sagt ganz kurz:

As Sente Peters Dienztmann von eirste Ritter wirf,so sali hie zu Colne komen an den durchhuolden Steyn,die liet in des Buschofs Hove, vnd sal sin Pert vnd si-nen Schilt da lasen, vnd sal in dat Monster gayn, vndsin Gebet da sprechen. Van danne sal hie zu deineBuschove gain, vnd beden eine sinen Dienzt. Is id Sache,dat hie is niet en neymt, so mach hie dan dienen wemehie wilt."

Nach der ursprünglichen Verfassung der Heerschildekonnten nur die fünf oberen Heerschilde rittermässigeMannen haben. Das sächsische Lehnrecht sagt im Art. 56ausdrücklich:

Swenne der herre sinen Schild mit manschaftnidert alle siner manne len hat er verlorn die sein sindaz sin eigen nicht eu ist und die man suln ir gut vondeme obersten herrn entfahn oder sal sie wisen an ihresherren genoz."

1) Das sächsische Lehenrecht enthält in Capitel 115folgende Ergänzung: Wölchs gut dem mann on man-schafft gelyhen wirt, das heysset nicht recht leben.Also do ein herr seinem dienstmann gut leihet ze hof-i' e c h t. Darab sol er hofrechtes pflegen und nichtlehenrechts. Nach hofrecht sol yegklich dienstmann ge-boren sein. Trucksäss, marschalck oder kamerer oderschenck.

2) Ennen, Quellen zur Geschichte der Stadt. Cöln I.S. 216 f.

3) Ibidem S. 220.

Auch der Deutschen spiegel erklärt sich inArt. 61 in ähnlicher Weise:

,Nieman mag eigen laevte gehaben wan vreien vndgotes havser. Alle dienstman die haizzent aigen ander schrift. da von mugen si niht eigener laevte geha-ben. Hört ein dienstman an ein gotes haus vnd gichter habe aigen laeute des ist niht si sint des herren."

2. Capitel.ICutMtchiiHU' «les sfelteiitt'M Heergrhililt'M.

Es ist demnach ganz unzweifelhaft, dass es ur-sprünglich nur sechs Heerschilde gab.

Erst im 13. Jahrh. entstand der 7. Heerschild, wasder Sachsenspiegel auf den Umstand bezieht, dassdie Laienfürsten der Bischöfe Mannen wurden, was sieehehin nicht gewesen seien. Dieser Vorgang erklärtaber die Sache durchaus nicht, da die Dienstmannender Laienfürsten nach wie vor den sechsten Heerschildbehielten.

Die Unklarheit bezüglich des 7. Heerschildes gehtübrigens durch alle Rechtsbücher.

Dieselben gehen in der Verwirrung des Thatbestan-des so weit, dass sie die Classen, welchedes Heer-schildes darben" doch einem Heerschilde einverleibenwollen. Das schwäbische Lehnrecht lichtet indessdas Dunkel durch eine gelegentliche Bemerkung inCap. 1:

Die Kunig habent also geseezet wer nicht vonritterlich art ist, mit dem sibenten hörschiltnichts ezethund haben, der sol auch lehenrechtmangeln".

Ist hier auch immer noch nicht gesagt, welche Classeden 7. Heerschild bildete, so erfahren wir doch wenig-stens, dass es rittermässige Leute waren.

Nach meiner Auffassung ist der richtige historischeVerlauf der, dass ein massenhafter Rücktritt von Her-ren des vierten Heerschildes in den sechsten Heerschild ! )stattfand, woraus sich die Notwendigkeit ergab, fürdie ritterniässigeh Leute dieser Herren einen neuenHeerschild, den siebenten, zu bilden. Nach den obi-gen Grundsätzen hätten zwar die Mannen der betref-fenden Herren in ein unmittelbares Dienstverhältniss zuden Oberherren treten sollen. Doch zeigt der Erfolg,dass die Rechtsgrundsätze der in der Auflösung begrif-fenen Institution sehr lax oder gar nicht gehandhabtwurden.

Die Schiebung war also eine doppelte: ein namhaf-ter Theil dos sechsten Heerschildes kam in den sieben-

1) Ueber einen solchen Fall berichtet eine Urkundevom J. 1257, durch welche die Gebrüder Heinrich undOtto von Barmstede ihrem Adel und ihrer Freiheit ent-sagen und Ministerialen der bremischen Kirche werden.Gleichwohl zeigen sich ihre Nachkommen lange nachihnen unter den ansehnlichsten der gemeinen Edelleuteihrer Gegend", bemerkt dazu v. Schönberg. Der Begriffder nobilitas war aber 1257 ein völlig anderer, alsschon 100 Jahre später. Der Eingang der betr. Urkundelautet:

Nos Heinricus et Otto milites fratres dicti deBarmstede renunciantes nobilitati et libertati nostraespontanea voluntate facti sumus ministeriales Ecolesiaebromensis, Beatae virgini Mariae sancto Petro Apostoloin Brema et venerabili Domino nostro G. seeundo Ar-chiepiscopo Bremensi et ecclesiae suae Bremensi facien-tes corporaliter juranientum sicut bremensis ecclesiaeministeriales facere consneverunt, jurantes nos ipsi acecclesiae antedietae sicut ministeriales fideliter perpetuoservituros. (Lindenbrog, Script, germ. sept. pg. 175 v.Schönberg, Gesch. d. Geschl. von Schönberg IL 233).