Geschichte der Heraldik. I. 1.
manne fort den sechsten. Also die cristenheyt yn dersibenden werlde keine stetikeit enweiss wie sie stehensolle also weiss man ouch nicht an dem sibenden schildeap er lehenrechtes oder herschildes haben möge. Dieleien fursten haben den sechsten schilt in den sibendenbracht syt sie wurden der bischoue man daz ehir nichten was. Also der herschilt zugehit in deme sibendenalso zngehit dy sippe in dem sibenden. Nu mercke wirouch wor die sippe beginne vnd wor sie ende . . . ."
Der Deutschenspiegel handelt im 5. Artikelvon den sieben Heerschilden und zwar mit derselbenEinleitung von der Weissagung des Origenes. Dannfahrt er fort:
„Nu ze dirr selben weiz sint auch die siben herschiltauf geleit. der chunich hebt den ersten, die Bischolf vnddie aebte vnd die aptissinne die gefurstet sint. diehevent den andern. Die laien fürsten hevent den drit-ten, die vreien herren den vierden. vnd die mitternvreien den fünften. Die dienstman den sechsten, vndalso man niht enwaiz wenne dev sibende werlte sichende, also enwaiz man niht ob der sibende herschiltleben recht mug gehaben, den sibenden herschilt hevetein isleieh man der nicht aigen ist vnd e chint istlehen recht geit man den niht. den die in dem sibendenherschilt sint. aver swenne ez der herre. der einen leibet,er hat als gut recht dar an als der in dem sechstemherschilt ist."
Im schwäbischen Landrecht, correspondirt Art. 4mit Art. 5 des Deutschenspiegels. In dem ersterenRechtsbuche lautet der Schluss des Artikels: „Den siben-ten herschilt hat ein yeglicher mann, der nicht aigenist, und ein eechind ist, lehen recht geit man dem nicht,die freyen sind von den sibenden herschilt, wen aberes der herr ir ainen geleihet, der hat als guet rechtdazu als in dem sechsten herschilt vert, zwaiet sichdoch ir lechenrecht als das lechenrecht hernach wol ver-schaiden kan."
Schon in Bezug auf den zweiten Heerschild hatder Deutschen Spiegel eine bessere Fassung. Nichtalle Aebte und Aebtissinnen hatten den Heerschild,sondern nur diejenigen, welche Ring und Stab (die In-vestitur) vom Kaiser empfingen.
Zu Capua am 5. Februar 1223 wird vor K. Friedrich II.folgender Rechtsspruch geschöpft und von dem Kaiserverkündet:
quod nulli ecclesiarum prelato qni insignia suade manu imperiali nou receperit seu qui non te-neat c 1 i p p e u m qui vulgariter dicitur Her schilt,liceat possessiones ecclesie cui preest, a 1 i c u iinfeudare, ita quod ipsum feudum perpetuo sitaput feudatarium permansurum.Anwesend: der Erzbischof von Magdeburg und die Bi-schöfe von Hildesheim, Brandenburg, Zeitz, Worms,Trient, Brixen und Verden.
Dieselbe Urkunde excerpirte bereits vor 500 Jahrender Abt Johann von Victring in seiner Chronik in fol-gender Fassung:
quod nullus prelatus eeclesiasticus possessionesecclesie cui preest alienare vel infeodare potestperpetualiter ad heredes infeodati, nisi sint pre-lati qui insignia sua de manu imperatoris susci-
haben ane gerichte ihi soluit? yn glosa wene alle amechtsint von des rechtes saczunge Ader adel ist aber wer-lichen von naturen vnd des rechtes saczunge mag vor-wandeln eime man seyn recht Abir is vorwandelt eymeman nicht seyne nature das ist seyn gebort als die le-ges sprechen."
1) Der Spiegel deutscher Leute. Textabdruck derInnsbrucker Handschrift Herausgegeben von Dr.. JuliusFicker. Innsbruck 1859.
pere et cum eo bellice expeditionis gestare clip-peum conaueverunt').
Noch im J. 1329 Hess sich der Heermeister desJohanniter-Ordens durch Sachsen, Gebhard v Bortfeldin lehnrechtlicher Beziehung (in bonis, qne feodali ty-tulo conferre habent, nämlich die Heermeisterj seineGleichstellung mit demjenigen Heerschilde, dessen sichdie reichsunmittelbaren Aebte, nach alter Gewohn-heit der Sachsen erfreuen, durch Kaiser Ludwig denBayern sichern 5 ;.
Es handelt sich hier nicht um eine inhaltlose Ce-reinonie, sondern um eine Sache, die dem Heermeisterals Lehnsherrn von grösster Wichtigkeit sein musste.Es war die rechtliche Stellung seiner schildbürtigenLehnsleute, die in Frage stand Wäre dem Heermeisterdie Gleichstellung mit dem zweiten Heerschild(die thatsächlich in der Urkunde liegt) verweigert wor-den, so würde es überhaupt sehr zweifelhaft gewordensein, ob die Lehnsleute desselben sich des Heerschildeserfreuen. Das kaiserliche Privilegium schliesst eo ipsodas Zugeständniss ein, dass des Heermeisters unmittel-bare Dienstmannen zum ß. Heerschild gehören.
Den Fehler des Sachsenspiegels in Bezug auf denfünften Heerschild habe ich, soweit er von den Schöppen-baifreien spricht, bereits erörtert Auch hier giebt derDeutschenspiegel einen besseren Aufschluss. DenUnterschied zwischen dem 4. und 5 Heerschild machtder Art. (52 des Deutsch en spi egels „von dreierbände freien leuten" durchaus klar:
„Es enist nieinan gar vrei. Wan des vater vnd desmuter vnd der vater vnd der muter. sentper vreienwarn, die von den mittern vreien sint geporen die sintmitter vreien. vnd ist halt dev muter sentper vre : . vnddes vater muter vrei dev chint werdent mitter vreien.Ingenuus daz sprichet in taeutze. der höchste vrei 8 ).Libertinus der mitter vrei. liber Lantsezzen vreien.der hat igleicher sunder sein reht als wir hernach wolgesagen."
Die dritte Classe der freien Leute, die Landsassen-Freien, haben keinen Heerschild.
Eine weitere Erläuterung in Bezug auf die Mittel-freien (•">. Heerschild) giebt das schwäbische Landrechtin Cap. Kit!: „lät ein layenfürst seinen dienstmann frey,der geporen ist von ritterlicher art, der be-habt mitterfreien recht/
1) Archiv für Kunde oesterr. Gescbichtsquellen Bd. 14S. 27.
2) Vergl. Urkunde No. 9. Der erste Herausgeherderselben, Hr. Riedel, hat aber den Sinn der Urkundeganz falsch gefasst. Er glaubte , dass es sich um dasRecht gehandelt habe, beim Verleihen der Lehen sichdes Heerschilds zu bedienen. Es ist diess eine augen-scheinliche Verwechselung mit dem Schildlehen, vondem in der fraglichen Urkunde keineswegs die Rede ist.
3) Diese Stelle erläutert in sehr dankenswertherWeise das Diplom des römischen Königs Rudolf vomJahre 1278, durch welches Elisabeth, die rechtmässigeGattin des Markgrafen Heinrich von Meissen und derenSohn Friedrich „ab omni senilis seu ministerialis con-ditionisrespectu" eximirt und „ingenuitatisacliberi par-tus honore et titlüo" ausgezeiclinet werden. Die Ge-nannten erhalten also die Hochfreiheit und diesserklärt die Intervention des Königs, da ohne dieselbegemäss dem geltenden Rechte Elisabeth und Friedrichhöchstens zum Stande der Mittelfreien hätten gelangenkönnen. — Die Urkunde ist abgedruckt bei AntoniusWecke, der Chur-Fürstlichen Sächsischen weitberuf-fenen Residentz und Haupt-Vestung Dresden Beschreib:und Vorstellung. Nürnberg 1680 fol. S. 159 f. Weckebezeichnet die Urkunde fälschlich als Fürstendiplom.