I. Buch: Grundlegung".
Bin Kerl, der speculirt
Ist wie ein Thier, auf dürrer Heide
Von einem bösen Geist im Kreis herum geführt,
Und rings umher liegt schöne grüne Weide.
Göthe.
I. Abschnitt: Gliederung- der Stände.
1. Capitel.Hie ttechs Heei'&rliilde.
Durch die Aenderung des Reichsheerdienstes, ver-möge welcher der Reiterdienst den höheren Classen derFreien (Hoch- und Mittelfreien) und deren Gefolge über-tragen wurde, entstand im Mittelalter eine ganz neueGliederung der Stände, eine Genossenschaft, die ganzverschiedene Classen mit einem gemeinschaftlichen Bandumfasste. Dieses Band ist eben die Verpflichtungzum Reichsheerdienst, die Ri11erwürde unddie Lehensfähigkeit. Diese aus Freien und Un-freien gemischte Genossenschaft bildet den Adel nachspäteren Begriffen, während die Gemeinfreien von krie-gerischer Ehre, dem Ritterthum, ausgeschlossen waren.
Jene Genossenschaft nun wurde in verschiedeneClassen eingetheilt, die man Hee r sehilde ') nannte.
Es ist zu bedauern, dass wir über die ursprünglicheOrganisation der Heerschilde Nachrichten nicht besitzen.Die älteste Quelle, der Sach sen spie gel, leidet geradein dieser Beziehung an einer Unklarheit und Verwirr-ung, die wir uns nur dadurch zu erklären vermögen,dass der Verfasser, weil er Augenzeuge eines merkwür-digen Umbildungs-Processes war, sich ein unbefangenesUrtheil nicht anzueignen vermochte.
Prüfen wir zunächst die Angaben der drei Haupt-quellen, vor Allem des Sachsenspiegels J ). Derselbesagt im Artikel iij:
1) Längst nach Untergang dieser Institution kommtdie Bezeichnung Heers ein hl noch vielfach, wenngleichin anderer Bedeutung in Urkunden und anderwärts vor.König Albrecht bestätigt im J. 1438 (Prag, Mittwochvor St. Gallen) der Stadt Braunschweig ihr Wappen«zu Schimpfe, zu Ernste und zu Hörschildes Beohte"Brotuff schreibt 1556 in der Anhaltischen Chronik(Bl. 65): „Es gab jm auch der Keyser vnd dem Fürsten-tnumb des Hartzes zu Anhalt, ein new Wapen, das>st ein zeichen jres Heerschildes"... 2 ) Ich halte mich an die editio prineeps, Basel
„Origenes wyssagte hirvor das sechs weide suldenwessen die werlt bey tusent iarn vif genomen. Vnd indem sibenden sulde sie zugehen. Nu ist vns kundigvon der heiligen schrift, das an adam dy erste werltbegunte, an noe die ander, an abraham die dritte, anmoysi dy virde, an dauid die funftte, an gotes geburtdy sechsste. In der sibenden sie wir nu sunder gewisseczal. Czu derselbigen weise sint die herschilde vssge-legit vnder den der könig den ersten hat. Die bischouedy epte vnd die eptischynnen den andern. Die leienfursten den dritten, sint sie der bischoue man wurdensint, Die freien herren den virden Dy scheppenbarenlute ') vnd der freien herren manne den fünften Die
1) Ich habe hiebei eine Frage abzuthun, — die derschöppenbaren Leute. Der Sachsenspiegel ver-leibt dieselben dem fünften Heerschild ein, nach meinerUeberzeugung mit Unrecht. Die Schöppenbar - Freiheitberührt ausschliesslich die Gerichtsverfassung,nicht das Heerwesen. Die anderen Rechtsbücher, derDeutschenspiegel, der Schwabenspiegel, haben sich die-ses Fehlers nicht theilhaftig gemacht. Auch die alteGlosse zum „Sachsenspiegel" unterscheidet ganz richtig,indem sie sagt: „. . . . Nu magistu ouch lichte fragenap do czwiuel an were ap eyu schep pinbar manczu demme herschilde geboren were adernicht. Des antwertte ich dir vnd spreche Das schep-pinbar freyheyt ist eyn amecht vnd vint nu dz amechteynen wolgebornen man, es en schatemnichtvnd ergert en ouch nicht, vnd vint is ouch eynesnoden man is en edelt en ouch nicht Sich eynglichniss, die von meyndorff sint scheppinbarFrey vnd sint doch der von plate manne vnddie sint dinstlute, So sint ouch die von t rebelescheppinbare freye lutte vnd haben vort scheppinbarefreye lute czu manne. Also in der graueschafft czumolingen vnd czu dem billinges hagen dz wol schep-pinbar seyn, Auch wisse ap wol scheppinbarfreye schlechte gebure weren, dorumb soadelt sie dz amecht nicht noch keinen man.Cot. e li ar. liiij do spricht er das die gebure nichtscheppinbar frey sint, wenn si können nicht lehen ge-