Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
750
Einzelbild herunterladen
 

750

Gruppe XII. Graphische Künste.

Was das Pressgewerbe betrifft, welches den Erzeugnissen desgeistigen Strebens und Lebens die äussere greifbare Form giebt, sodürfte nächst England kein Land ein grösseres Interesse an der beab-sichtigten Ausstellung in Philadelphia haben, als Deutschland. KeinVolk hat neben dem englischen einen so grossen Antheil an dem Empor-blühen der Cultur in Amerika gehabt, als das deutsche. Die vielenMillionen Deutsche, die in Amerika leben und getreulich mithelfen,deutsche Sprache, Literatur und Sitte zu verbreiten, die noch mit Liebean dem Mutterlande hängen, mit diesem trauern und mit diesem jubeln,haben ein Anrecht darauf, dass Deirtschland der neuen Welt zeige, dasses nicht allein mit den Waffen zu siegen versteht und dass das Gewerbe,welches vor allen anderen der deutschen Bildung, Literatur, Wissen-schaft und Kunst in dem intellectuellen Wettringen treu zur Seite steht,eine Stufe erreicht hat, die es seiner hohen Mission würdig macht.

Bekennen wir es jedoch offen, dass das Geschick der Deutschen, dieLeistungen des Gewerbes geltend zu machen, nicht mit den Leistungenselbst Schritt hält. Der Cercle de Ja librairie in Paris hat uns vorallen anderen den Fingerzeig gegeben, wie man Erfolge erreicht. Istes eine Schande, von seinen Concurrenten zu lernen, nun, dann sind jaüberhaupt die Weltausstellungen nicht nötbig. Lernen wir also vondem Genannten. Auf einer Weltausstellung glaubt man nur an das, wasdas Auge sieht. Gilt dies schon in der alten Welt, wie viel mehrdenn unter dem Volke, das wir vorzugsweise. das praktische nennen.

Deshalb ist eine würdige und durchgreifende Repräsentation inPhiladelphia im Interesse des deutschen Pressgewerbes dringend ge-boten.

Fast scheint es, als wäre Wien doch nicht ganz ohne Einfluss aufeine allgemeinere Verbreitung dieser Ansicht gewesen, denn währendder vorstehende Bericht gedruckt wurde, hat, einer Anregung aus Wienfolgend, der Vorstand des Deutschen Buchdruckervereins (einVerein, der schon 800 deutsche Buchdruckerfirmen, darunter die Mehr-zahl der bedeutendsten, als Mitglieder zählt) die Frage auf die Tages-ordnung seiner Jahresversammlung gesetzt, ob eine CollectivausstellungDeutschlands, Oesterreichs und der Schweiz (der die stamm-und gewerb-lich verwandten Völker sich anschliessen können, wenn sie dazu geneigtsind) bei der Ausstellung in Philadelphia erwünscht sei, resp. was Seitensder Buchdruckereibesitzer und des Deutschen Buchdruckervereins gesche-hen könne, um einen solchen Plan durchzuführen. Unwahrscheinlich ist.wohl nicht, dass auch der Vorstand des Börsenvereins für deutschenBuchhandel dieseFrage in seiner Cantate-Versammlung anregen wird.

Es ist also immerhin möglich, dass man die Sache nicht ad actalegt, sondern dass man wirklich den Entschluss fasst, sie zur Ausführung