Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
726
Einzelbild herunterladen
 

726

Gruppe XII. Graphische Künste.

land Farbenfabriken, die Vorzügliches leisten, und das Blatt hat sichgewendet. Während es noch in den vierziger Jahren nicht möglichwar, ein illustrirtes Werk mit einer anderen als englischen oder franzö-sischen Farbe zu drucken, so ist jetzt die Einfuhr ausländischer Farbenach Deutschland auf ein Minimum, namentlich ganz feiner Kupfer-druckfarben, reducirt, indess fast die Hälfte der Erzeugnisse der Buch-druckfarbenfabrikanten Deutschlands über die deutsche Grenze, zumTheil über das Weltmeer geht.

Im Ganzen genommen eignen sich Buchdruckfarben wenig alsAusstellungsgegenstände. Die vielen hübschen Gläser mit buntenFarben sehen recht niedlich aus; damit ist jedoch fast Alles gesagt,was gesagt werden kann. Auch eigens für die Ausstellung gemachteProben beweisen wenig für die gewöhnliche Production. Die besteAusstellung bleibt immer die von Werken, welche von regelmässigenAbnehmern der Farben einer Fabrik gedruckt sind, unter Angabe derZeit, wann sie gedruckt und des Preises der Farbe, mit welcher siegedruckt wurden; diesen Weg wählte z. B. die französische FabrikLorilleux fils aine.

In Deutschland ist der Wettstreit zwischen den beiden bedeu-tendsten Fabriken, der von Gebr. Jänecke & Fr. Schneemann inHannover und der von Julius Ilostmann in Celle, den Buchdruckernsehr zu Statten gekommen. Keine von beiden hat der andern denBang ablaufen können, was für die gemachten Anstrengungen beider-seits ein gutes Zeugniss ablegt. An Umfang dürfte Gebr. Jänecke &Schneemann (gegr. 1843) wohl das bedeutendste Geschäft sein; esproducirt jährlich 9000 bis 10 000 Ctr. Farbe, deren Absatz in demIn- und nach dem Auslande sich in dem schon oben erwähnten Ver-hältniss hält. Die Fabrik beschäftigt circa 60 Arbeiter und consumirt7000 bis 8000 Ctr. Oele. Eine Dampfmaschine von 45 Pferdekraftmit 4 Kesseln treibt die 18 Farbe- und Reibwerke. Die Hostmann-sche Fabrikation erreicht die Höhe der obigen Ziffern zwar nicht; vonden feineren Sorten liefert die Fabrik jedoch ungefähr dasselbe Quan-tum wie Gebr. Jänecke. Ein Hauptartikel beider Firmen ist die sogenannte 80-Thli'.-Farbe, mit welcher fast alle illustrirten Blättergedruckt werden und auf deren Güte ganz besondere Sorgfalt verwen-det wird. Als Beispiel wie bedeutend der Consum an Farbe ist, er-wähnen wir, dass die B. G. Teubnersche Buchdruckerei in Leipzig,welche gewöhnliche und illustrirte Zeitungen von grossem Umfangeund daneben eine bedeutende Anzahl Werke druckt, jährlich über 12 000Thlr. für etwa 250 Ctr. Farbe verausgabt, was einen Durchschnitts-preis von 50 Thlr. pr. Ctr. ergiebt. Die Farbenpreise variiren übrigensvon 17 Thlr. pr. Ctr., wofür schon eine brauchbare Zeitungsfarbe ge-liefert werden kann, bis auf 300 Thlr. für die mit allen Raffinements