Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
719
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Das typographische und lithographische Material. 719

winklige Carres geben dem Drucker die Richtschnur für das Anbringender Cliches, ohne dass weitere Messungen nöthig sind. Schieber mitSchrauben halten die Platten an den Schienen fest. Für mancherlei Füllemag dieser Apparat seine Vortheile haben. Zum Anguss von schrift-hohen Unterlagen für kleinere Stereotypen construirte A. Ilogenforstein zweckmässiges Instrument.

Die Feuclitmaschinen. Bei den enormen Zeitungsbogen und dengrossen Auflagen ist das Feuchten mit der Hand fast unmöglich geworden;grosse Zeitungsdruckereien haben deshalb schon längst ihre mechanischenFeuchtapparate, in welchen das Papier entweder zwischen nassen Filz-waizen geht oder durch einen Sprühregen bespritzt wird. Solche Appa-rate bauen namentlich IIoe & Co. in Newyork und Ilarrild & Sonin London, sowie auch die Fabrikanten solcherEndlosen, welche nichtan der Maschine selbst Feuchtvorrichtungen haben. Ein Apparat vondem Factor der Druckerei des Moniteur universell Herrn A. T olmer inParis, war wenigstens bis in den Ausstellungskatalog gedrungen. DieserApparat ist im Ganzen sehr einfach und besteht in der Hauptsache auseiijem L-förmigen Röhrensystem in der Art, wie es bei den Strassen-besprengnngskarren zur Anwendung kommt. Diese Röhren, welchedurch Kniestangen in hin- und hergehender Bewegung über dem Feucht-tische gehalten werden, sind unter der Decke angebracht, mit einemWasserreservoir verbunden und ergiessen einen dichten Regen über diePapierlagen, die der Feuchter auf den Tisch hinlegt und wegnimmtmit einer solchen Schnelligkeit, dass in der Stunde 40 bis 60 Ries jenach der Grösse gefeuchtet werden können. Bei Marne & fils in Tours,wo täglich über 300 Ries gedruckt werden, verrichtet jetzt ein Mannmit der Tolm er sehen Maschine die frühere Arbeit von fünf bis sechsMann.

In Deutschland fanden Feuchtapparate wenig Anwendung und eslässt sich ja auch nicht leugnen, dass das Handfeuchten, wenn es ra-tionell betrieben wird, den Vortheil bietet, dass man es weit besser inder Macht hat, den Grad der Feuchtigkeit je nach der Beschaffenheitdes Papiers und den sonstigen Umständen abzumessen.

Uebrigens sei hier noch bemerkt, dass namentlich in Nordamerikaviele Arbeiten trocken gedruckt werden, wodurch allerdings dem Papierein spiegelartiger Glanz erhalten wird, von dem wir jedoch, offen gestan-den, keine Verehrer sind. Oft findet man erst nach vieler Mühe die Lagegegen das Licht, in welcher es möglich wird, das auf solchem PapierGedruckte zu lesen. Wer allerdings den Reiz eines Druckes auf Papierverge für einen überwundenen Standpunkt und Glätte für das ersteErforderniss eines guten Druckes ansieht, wird uns nicht beistimmen.