Das typographische und lithographische Material. 717
Aus Frankreich war eine in allem Wesentlichen der Liberty-Press nachgebautePresse, LeProgres von A.Pierron&F. Dehaitre,in cler Ausstellung vorhanden, Fundament und Tiegel sind bequemerals auf der Liberty-Press für die Arbeit eingerichtet, indem sie mehrauseinanderklappen. Originaler ist MaTilde, Geibel & Wibart’sSanspareü-Presse mit feststehendem horizontalen Fundament und eineman zwei Säulen hoch sich hebenden und senkenden Tiegel. Die Maschinearbeitet sehr langsam und war keineswegs gut gebaut. Amerika,der Hauptheerd der Tretpressen, hatte nur ein und zwar ein sehrwenig beachtenswerthes Exemplar gesandt.
Wir betreten nunmehr das Gebiet der Presse-Spielereien. DasGlück, welches die Lesboyer’ sehe Presse für Visitenkarten n Ja minatemachte, liess Speculanten keine Ruhe und es entstand ein Heer solchersit-venia-verbo-Pressen , die absolut nichts mit der Kunst Gutenberg’szu thun haben. Die Färbung mittelst imprägnirten Papiers hat manallerdings aufgegeben und Farbewerke eingeführt; die Erzeugnissesolcher Pressen erinnern jedoch in der Regel an Stiefelwichse. Indessein Unterschied herrscht auch hier. Die besseren solcher Apparatewaren von A. Pierron & F. Dehaitre. Die hübscheste Spielerei indieser Richtung, jedoch nicht auf der Ausstellung vorhanden, istMansel Bayly’s (Brighton) Patent-Combination-Press, welche Druck,Hochpressung, Perforirung, Stempeln, Schneiden, Copiren und nochmehr besorgt und in ihrem Gestell ausserdem eine compendiöse Buch-druckerei enthält. Ein Ausziehkasten fasst ein eisernes Fundament,welches zugleich als Schiff, Schliesstisch und Wassertrog dient. Waswill denn der Mensch mehr?
Die Handpresse wird künftig durch die kleine Tretmaschinenoch mehr in ihrer Wirksamkeit beengt, in Deutschland jedoch schwerlichfürs Erste ganz verdrängt werden. Das System, nach welchem jetztgebaut wird, ist wohl ausschliesslich das Kniekegelsystem. Bei derUnverwüstlichkeit der Stanhope-Presse findet sich in Deutschland jedochnoch ein guter Theil solcher vor. Zur Ausstellung hatte die Ding-ler’sche Maschinenfabrik in Zweibrücken, die sich grosse Verdiensteum den Pressenbau in den dreissiger und vierziger Jahren erwarb,zwei Pressen gebracht, ebenso Fritz Jäneeke in Berlin. Sowohldessen grössere Handpresse als seine kleine Accidenzpresse warenhübsch gearbeitet. Sie bieten durch die Stellung des Fundaments zumTiegel den Vortheil, dass die Form einfach durch eine Schraube, in derArt wie in der Schnellpresse, festgemacht, und eine Schriftform in derganzen Grösse des Tiegels gedruckt werden kann. Ob die Fortbewegungdes Karrens mittelst Zahnräder ein Vorzug ist, können wir nicht be-haupten.