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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Vorwort. V

Leopold von Ledebur schrieb schon im J. 1827 l ).Unter den Denkmälern des Mittelalters verdienen die Gedichte eine besondere Auszeich-nung, sowohl in Bezug auf Form als Gehalt. Anziehend durch künstlerische Ausbildungdes Versbaues, wie dureh Naivität ihrer Schilderungen, sind sie zugleich für dieGeschichte ihrer Zeit eine überaus reiche Quelle, welche, selbst wenn sie bessergenützt wäre, als bisher geschehen, doch noch lange nicht erschöpft ist."L. Ettmüller 2 ) bemerkt sehr richtig:

Die Sage des Mittelalters pflegt, insofern sie nicht mythologisch ist, ihre Züge stets demwirklichen Leben entlehnen."Sogar einen Dichter aus dem Anfange des 13. Jahrh. kann ich das Wort ergreifen lassen.Thomasin v. Zirclaria (ca. 1216) sagt nämlich:

1127 ein hülzin bilde ist niht ein man:swer ave iht versten kan,der mac daz versten woldaz ez einen man bezeichnen sol.sint die äventiur niht warsi bezeichent doch vil garwaz ein ieglich man tuon solder nach vrumkeit will leben wol.Ein namhafter Theil dieser Literatur ist überhaupt nicht mythologischer sondern politischerNatur. Der ebengenannte Thomasin v. Zirclaria, ferner Hugo v. Trimberg, der sogenannte SeifriedHelbling, Johannes Rothe gehören nicht zu den Minnesängern, sondern zu den politischen Dichtern.Ulrich v. Lichtenstein, Johann Enenkel, Ottokar Horneck, Hirselein, Peter Suchenwirt beschreibenwirkliche Begebenheiten nach der Kenntniss, die sie von denselben hatten. Sie sind inReimen verfasst, weil die damalige Literatur überhaupt an diese Form fast gebunden war.Franz Pfeiffer sagt in der Vorrede zur Lievländischen Reimchronik:Das dichterische Gewand, worein jene Zeit Roman wie Heiligenleben, biblische wie Profan-Geschichte zu kleiden liebte, thut der historischen Glaubwürdigkeit keinen Eintrag."Sollen die Dichterwerke als Urkunden der Culturgeschichte dienen, so ist zunächt dieZeit, in welcher sie verfasst sind, so genau wie möglich zu bestimmen. Sodann dürfen ihre Aus-sagen nur auf diese Zeit bezogen werden; es wäre ein Fehler sie auf einen früheren oder spä-teren Zeitraum anzuwenden.

Ich habe für den Zweck dieser Arbeit eine chronologische Uebersicht der Dichterwerke zu-sammengestellt, die ich dem Vorwort als Anlage beifüge. Der Nutzen dieser Zusammenstellungwar für mich ein ganz überraschender. Die Zustände, wie sie in den Dichtungen dargestellt wer-den, zeigten sich mir in ihrer historischen Entwicklung, die älteste Geschichte des Wappenwesens,die vorher im Finstern lag, war wie vom elektrischen Lichte beleuchtet, die wenigen historischenUrkunden, und die Denkmale (Siegel) die wir besitzen, erhielten Zusammenhang und Bedeutung.

Mit leichter Mühe waren diese Früchte allerdings nicht zu pflücken, viele Hunderttausendevon Reimzeilen musste gelesen werden, ehe ich mir sagen konnte, dass das gesammelte Materialauf Vollständigkeit Anspruch erheben dürfe. Ich glaube nicht, dass ich von den im Druck bekanntgemachten Liedern ein einziges ungelesen gelassen habe.

Für die Heraldik habe ich aus diesen Forschungen einen grossen Gewinn erzielt. Vielleichtsind die Dienste, die mir die Ausgaben eines Grimm, Lachmann, Bartsch, Pfeiffer, Haupt, v. Kelleru. v. A. gethan, in etwas wett gemacht durch die Beiträge, welche die Heraldik zum Verständnissder Dichter zu liefern vermag.

1) Dr. W. Dorow, Museum für Geschichte, Sprache, Kunst und Geographie S. 19 ff.

2) Eitterstand S. 98