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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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IV
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IV Vorwort

allerdings den Wappen des Mittelalters ganz gleich, aber ein Wappen lässt sich nicht ohneSchild und Helm denken."

An anderer Stelle 1 ) schreibt derselbe Gelehrte, es seiauch nicht die leiseste Spur eines,geistig- oder cul turhistorisch-genealogischen Zusammenhangs" zwischen dem hohenAlterthum und dem Wappenwesen nachzuweisen.

Aehnliche Bedürfnisse erzeugen ähnliche Einrichtungen. Nicht blos die Sinnbilder des clas-sischen Alterthums stehen in Bedeutung und Anwendung den Wappen des Mittelalters ganz gleich,sondern auch die erblichen Abzeichen der Familien im Kaiserreich Japan, von denen neuere For-scher Kunde geben.

Alle diese Einrichtungen sind nach Ursprung und Entwicklung völlig selbstständig und ertra-gen nicht blofs, sondern erfordern ein selbstständiges Studium.

Mit dem Herrn Grafen H. von Hoverden 2 ) bin ich darin vollkommen einverstanden, dasszwischen den Ständethum und dem Wappenwesen ein naher Zusammenhang bestehe und dass manden Ursprung der Wappen nicht wohl erklären könne, wenn man diesen Zusammenhang ausserAcht lässt. Ich habe jedoch geglaubt, mich auf die Schilderung desjenigen ständischen Zustandesbeschränken zu dürfen, der zur Zeit der Entstehung und der ersten Entwicklung der Wappenherrschend war, also nur die Grundlage zum Verständniss des Folgenden herstellen zu müssen.

Da diese Arbeit im Rahmen desNeuen Siebmacher" erscheint, so bedarf vielleicht meinePraxis, alle meine Anführungen durch genaueste Angabe der Quellen zu belegen,der Rechtfertigung, obgleich mein sehr geehrter Freund Herr v. Weitt'enhiller in dieser Bezieh-ung das Eis bereits gebrochen hat.

Die Anführung der Quellen ist aber nicht blofs mein Recht, sondern auch meine Pflicht.

Einerseits wäre mir die Verantwortlichkeit zu drückend, wenn ich die geehrten Leser nöthigenwollte, meine Angaben auf Treu' und Glauben anzunehmen. Anderseits würde ich es für Raubachten, wenn ich mir den Gedanken oder die Arbeit eines Anderen aneignen oder auch nur davonGebrauch machen wollte, ohne die Anleihe in der Form eines Citates anzuerkennen.

Weiter fühle ich mich verpflichtet, die Leser in den Stand zu setzen, jede einzelne Angabeprüfen und die Quelle selbst zu Rathe ziehen zu können.

Ich halte es aber auch für nöthig, mich zu rechtfertigen in Bezug auf den Gebrauch, den ichvon der poetischen Literatur des Mittelalters gemacht habe, indem ich sie als Haupt quellefür die älteste Periode des Wappenwesens benutzte.

So wenig ich (im Allgemeinen) 3 ) geneigt bin, die poetische Literatur als Quelle für diepolitische Geschichte anzusehen, eben so hoch schätze ich sie als Quelle für die Culturge-schichte. Ich mache darin keinen Unterschied zwischen der sogenannten belletristischen Lite-ratur der Gegenwart oder der Vergangenheit. Bei allen hiehergehörigen Werken sind die Bege-benheiten meistentheils erdichtet, aber die Staffage ist dem Leben entnommen. Es ist ideali-sirte Wirklichkeit was sie uns bieten. Wenn in einem Romane des 19. Jahrh. von Eisen-bahnen, Bahnhöfen, Fernsprechern die Rede ist, so kann man annehmen, dass in der Zeit, inwelcher der Roman geschrieben ist, alle diese Dinge wirklich vorhanden waren. Wenn die Schrift-steller von den Crinolinen, dem Medicis-Gürtel etc. der Balldamen reden, darf man überzeugt sein,dass sie in der betr. Zeit wirklich getragen wurden. Genau in diesem Sinne benütze ich diepoetische Literatur des Mittelalters als Quelle für das Wappenwesen.

Ich gestatte mir, die Aussprüche namhafter Persönlichkeiten hier anzureihen.

1) Geschichte des preussischen Wappens S. 7 f.

2) Vierteljahrsschrift für Heraldik 1874 S. 137: 'Wie sind die Wappen entstanden?" Die Abhandlungist höchst werthvoll und lesenswerth, obgleich sie meines Erachtens die Frage nicht beantwortet.

3) Die poetische Literatur ist zuweilen auch Quelle für Specialgeschichte.