Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Vorwort.

Nicht die eingeschränkte Lage, sondern der ein-geschränkte Blick, nicht eine Lieblingswissenschaft,sondern eine enge bürgerliche Seele macht pedantisch,die die concentrischen Zirkel des menschlichen Wissensund Thuns nicht messen und trennen kann, die denFocus des ganzen Menschenlebens wegen des Focalab-standes mit jedem Paar convergirender Strahlen ver-mengt, und die nicht Alles sieht und Alles duldet ....Kurz, der wahre Pedant ist der Intolerante."

Jean Paul, Fixlein.6. Zettelkasten.

Die Geschichte der Heraldik, welche ich hiemit der Oeffentlichkeit übergebe, ist eineFrucht langjähriger Arbeit. Schon vor 16 Jahren habe ich angefangen, Alles zu sammeln was aufdieses Thema Bezug hat. Nachdem ich im Jahre 1878 im Einvernehmen mit der Verlagsfirmadie Bearbeitung dieser Abtheilung des Neuen Siebmac her in die Hand genommen hatte, habeich den grössten Theil meiner geschäftsfreien Zeit auf diese Arbeit verwendet. Drei Jahre langwar ich ein täglicher Gast in der hiesigen Königlichen Bibliothek, deren Beamten ich den grösstenDank schuldig bin, für die unermüdliche Bereitwilligkeit, mit der sie meine Wünsche erfüllten.Die Vorarbeiten auf der Königl. Bibliothek waren höchst fruchtbar: ein Citat, das ich verfolgte,brachte immer neue Nachweise ein.

Was die hiesige Kgl. Bibliothek nicht bot, habe ich mir von auswärts zu verschaffen gesucht.Ich habe das Geh. Staatsarchiv sowie das Königl. Hausarchiv benutzen dürfen und bin auch von demGeh. Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien und anderen Archiven in höchst dankenswerther Weisemit Material versehen worden. Das Nähere hierüber bringen die Nachweise am gehörigen Orte.

MeineGeschichte der Heraldik" beschäftigt sich ausschliesslich mit dem deutschen Wap-penwesen. Nur in einigen wenigen Fällen war die Notwendigkeit oder die Versuchung zu stark,das Wappenwesen anderer Nationen zu streifen, von denen wir gelernt haben, oder die von unslernten.

Noch weniger hat meine Arbeit etwas mit dem sogenannten Wappenwesen des classischenAlterthums etwas zu thun. Sehr richtig bemerkt Dr. H. Grote 1 ):

Das WortWappen" ist so ausschliesslich der terminus technicus zur spezifischen Bezeich-nung einer Erscheinung der Culturgeschichte des Mittelalters, dass in der Anwendung desselbenauf ein früheres Zeitalter ein, einer burlesken Parodie angehörender Anachronismus liegt.DieSymbole" der Städte auf antiken Münzen sind in ihrer Bedeutung und Anwendung

1) Blätter für Münzfreunde 1877 S. 477.