Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
639
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Section I. Die Typographie etc. Die Lithographie. 639

lichkeit fiel uns auf, dass der Satz der Anfangseolumne, ja selbst derDedicationscolumne dieselbe Länge wie die gewöhnlichen Schrifteolum-nen hat. Die beigegebenen Illustrationen in Lithographie dürften,trotz der durchgängig sauberen, zum Theil vortrefflichen Ausführung,eines solchen monumentalen Werkes nicht ganz würdig sein. Dass esmitFractur gedruckt wurde, ist bei einem Deckersehen Werke selbst-verständlich und auch Diejenigen, welche den etwas absonderlichenSchnitt der D eck er'sehen Fractur nicht lieben, und wir gestehen offen,wir gehören zu diesen, weil er gerade die Unschönheiten der Fracturin helles Licht stellt, ohne deren markigen Charakter zur Geltung zubringen, müssen zugeben, dass die Druckerei eine der wenigen ist,durch welche ein bestimmt ausgeprägter Stil geht, was wir für einengrossen Vorzug halten. Fast hat es den Anschein, als wolle man miteinigen verzerrten Buchstaben eine Grille der ci - devant kaiserlichenDruckerei in Paris nachahmen, welche für einzelne Buchstaben sichsogar ein Privilegium geben liess. Ein besonderes Interesse gewährtdie von der Firma ausgestellte ausserordentlich umfangreiche Schrift-probe von 1767 bis 1873, welche nicht allein einen werthvollen Beitragzu der Geschichte des Hauses, sondern auch zu der des Druck- undSekriftgiessereigewerbes im Allgemeinen darbietet. In historischerFolge finden wir hier 255 vollständige Fractur-, Schwabacher-, alt-und neugothische Schriften, 280 Antiqua- und Cursivsckriften,49 orientalische, russische und griechische Schriften und eine grosseMenge von Zierschriften, Vignetten u. dgl. m. Im Ganzen besitzt dasInstitut 30 950 Stahlstempel und 76 874 Matern. Das Geschäft, bereitsim Jahre 1713 gegründet, wurde auf Befehl Friedrich des Grossen1767 zur Hofbuchdruckerei erhoben. Deck er war der Erste in Deutsch-land, welcher bei König & Bauer Schnellpressen bauen liess, die nachvielen Widerwärtigkeiten 1822 aufgestellt werden konnten. Auch dieStereotypie nach William Watts Methode übte er schon 1816 und am16. November des genannten Jahres wurde die erste Bibelplatte stereo-typirt. Ein kleines aber vorzügliches Druckwerk, das Coursbuch,erwähnen wir besonders, weil es eine der besten typographischen Kar-ten, von A. Mahl au gesetzt, gebracht hat.

Eine verhältnissmässig jüngere, vortrefflich eingerichtete Buch-druckerei ist die Königliche Staatsdruckerei in Berlin, vonvielen mit der Geh. Oberhofbuchdruckerei verwechselt. Die preussisekenBanknoten und Cassenscheine wurden früher an verschiedenen Ortenhergestellt, zu Anfang des Jahrhunderts hauptsächlich in der II änelsehenOfficin in Magdeburg und in verschiedenen Berliner Anstalten. EineConcentration zeigte sich jedoch unerlässlich und durch Cabinetsordrevom 30. August 1851 wurde die Königliche Staatsdruckerei für Anfer-tigung der Werthpapiere des preussischen Staates ins Leben gerufen.Nach Auflösung des Königlichen lithographischen Institutes 1861 fiel