62C
Gruppe XII. Graphische Künste.
Maschinell und Arbeitsweisen schlecht. Dieser Fehler äussert sich zumTheil ebenfalls hei Principalen, Künstlern und anderen Betheiligtenund dies verursacht, dass Deutschland neben dem ausserordentlich vie-len Guten und trotzdem es im Allgemeinen mit seinen Leistungen an-deren Ländern voraus ist, doch hintansteht, wo es sich um die Lie-ferung eines vollendeten graphischen Meisterwerks handelt. Gewöhn-lich fehlt es dann auf einer Seite. Manches schöne Werk wird durchweniger sorgfältige Behandlung eines Bogens, den man vielleicht vorFeierabend hat fertig bringen wollen, verunstaltet oder das Format istungeschickt gemacht. Der Verleger, der an Illustrationen Tausendegewendet, knappt einige Pfunde an dem Papiere ab, oder, was nochschlimmer, spart einige Pfennige pro Exemplar und lässt ein theuresBuch nicht einmal ordentlich broschiren, sondern die Bogen bloss ein-hängen, so dass die Blätter, wenn das Buch aufgeschnitten wird, in allevier Winde herumfliegen und das spätere sorgfältige Binden fast zurUnmöglichkeit wird. Oder der Buchdrucker will mit der Farbe sicheinen Vortheil machen, nimmt zu einer rothen Einfassungslinie einesPrachtwerkes eine matte Farbe, profitirt vielleicht einige wenige Tha-ler und verunstaltet das ganze Werk.
Vieles trägt zum Mangel an Stil in der deutschen Typographiedie gemischte Verwendung der Antiqua- und der Fracturschrift bei.Es fällt uns nicht ein, hier einen Beitrag zu der Frage: „Ob Fractur
oder Antiqua?“ zu liefern, wir wollen nur aussprechen, was wohl Nie-mand in Abrede stellen kann, dass die Verwendung beider Schriften,nicht allein neben, sondern auch unter einander, der Entwickelungeines festen Charakters und Gesphmackes hemmend entgegensteht. DieBeseitigung der einen oder der anderen Schrift in den germanischenLändern halten wir um so weniger für möglich, weil Viele diese Dop-pelheit für einen Vorzug halten, Viele aus nationalen Gründen die Frac-tur beibehalten wissen wollen. Die Antiqua kann man einmal nicht,die Fractur will man einmal nicht entbehren, folglich müssen siebeidebleiben; wohl aber liessen sich einige Regeln aufstellen für die aus-schliessliche Verwendung der einen oder der anderen, und was gänzlichsich vermeiden lässt und vermieden werden sollte, ist die willkürlicheUntermengung derselben. Beispielsweise, warum wird dem Verlangeneines Inserenten nachgegeben, wenn er in einem mit Fractur gedruck-ten Blatte ein Inserat in Antiqua gesetzt verlangt? Haben die Schrift-giesser nicht für genügende Abwechselung gesorgt, um den Satz jederbeliebigen Accidenz in einer der beiden Schriftarten liefern zu können?Wozu der bibliographische Zopf, Werke in deutscher Sprache, weilmit Antiqua gesetzt, in den Katalogen ebenfalls Antiqua zu setzen?Wagte man es, sich von solchen Missständen zu emancipiren, so würdedas auch zur Folge haben können, dass je nach der Natur der Arbeitenmanche Druckereien sich nur in einer Richtung zu completiren hätteu,