Einleitende Bemerkungen.
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Den natürlichen Gesetzen und der Entwickelung des Gewerbesgemäss scheiden sich die Producte der graphischen Künste in dreiHanptgruppen: die germanische, die romanische und die anglo-amerikan ische.
Zu der ersten rechnen wir Deutschland, Oesterreich, die Schweizund die skandinavischen Länder. Ein besonderes Kriterium dieserGruppe ist die vorzugsweise Verwendung der Fracturschrift, Geschäft-lich technisch schliessen sich dieser Gruppe die Donaustaaten und dieslavischen Länder an, in welchen die Ausüber der Kunst vorzugsweiseder deutschen Nationalität angehören oder wenigstens bis vor Kurzemangehörten, und in welchen das benöthigte Material hauptsächlichdeutschen Ursprungs ist. Zu der zweiten Gruppe, mit Frankreichan der Spitze, gehört Belgien, Spanien, Portugal, Italien und geschäft-lich noch ein grosser Theil von dem Orient und von Südamerika. Dieanglo-amerikanisclie Gruppe bildet sich aus England, Amerika,Süd- und Ostasien und Australien. Holland, halb Fisch, halb Fleisch,dessen Typographie sich seiner Zeit sehr selbstständig entwickelte, hältnoch vielfach an alten Traditionen fest, und es dürfte schwer sein, esin eine der drei Gruppen einzureihen, ohne Widerspruch zu erfahren,und ohne Beibringung von Gründen, weshalb es besser einer anderenClasse beizuzählen gewesen wäre. National würde es selbstverständlichder germanischen Gruppe zunächst angehören und wollen wir es dieseranschliessen, indem wir, soweit es eben geht, die Leistungen der ver-schiedenen Gruppen zu vergleichen suchen.
Deutschland, die Urmutter der Typographie, hat unbestrittendie Führerschaft der germanischen Gruppe behalten, und strebt jugend-lich frisch vorwärts. Der deutsche Arbeiter besitzt vielleicht mehrwie der Angehörige irgend eines anderen Volkes die Eigenschaften,die dem guten Tyjoographen eigen sein müssen. Er ist vielleicht der,welcher aus eigenem Antrieb mehr leistet wie irgend ein anderer, wes-halb wir auch fast nie schlechte Arbeiten aus Deutschland sehen; fastNichts, was unter dem Mittelguten stände. Der Fehler des deutschenArbeiters liegt aber daneben: er lässt sich nicht gern etwas sagen; hater einmal eine Arbeit auf die Stufe gebracht, wo er sie für gut genugerklärt, so bleibt er bei der Behauptung: sie könne nicht bessergemacht werden. Ist seine Farbe, seine Maschine, seine Art des Zu-nchtens und dergleichen gut, so sind in seinen Augen alle anderen Farben,
Wiener Weltausstellung. I. 40