Druckschrift 
1 (1874)
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Gruppe XII. Graphische Künste.

Leipzig, der in vieler Beziehung erste Druckort der Welt, erschien alseine graphische Provinzialstadt. Viele grosse Druckorte glänzten nurdurch ihre Abwesenheit, ohne irgend eine Entschuldigung zu haben,wie man sie allenfalls für Strassburg gelten lassen konnte. Wie sollteman da ein genügendes Bild von der Leistungsfähigkeit des DeutschenReiches bekommen, wenn auch einzelne Ausstellungen ahnen Hessen,was Deutschland auf dem Gebiete der graphischen Künste hätte leistenkönnen, wenn es nicht, und diese Bemerkung trifft vorzugsweise Leip-zig, in einem vielleicht nicht ganz unberechtigten, jedoch nicht wohlangebrachten Selbstgefühl, die Mühe und Kosten einer Collectivausstellunggescheut hätte. Die Ausländer, die das in seiner Art einzige Institutdes Börsenvereins für den deutschen Buchhandel, wir dürfen fast sagen:mit einer gewissen Bewunderung betrachten, konnten es kaum fassen,dass man diese Gelegenheit, auf deutschem Boden der Welt zu zeigen,was das Heimatkland Gutenbergs durch seine Jünger leisten kann,nicht besser benutzt hatte.

Wie sah es nun vollends aber aus, wenn wir unsere Schritte nachden Abtheilungen von England und Nordamerika lenkten. Sehen wirvon den Gesellschaften, welche religiöse und humanistische Tendenzenverfolgen, ab, die vielmehr in die XXVI. als in die XII. Gruppe gehör-ten, so war die ßuclidruckerkunst nicht einmal durch ein halbes DutzendBücher vertreten. Wenn also England und Nordamerika sich den klein-sten Ländern gleichstellten, wo blieb da die Möglichkeit einer ver-gleichenden Beurtheilung ?

Leidlich vertreten waren die Niederlande und Belgien, äusserstschwach Dänemark und Schweden, die manches Eigenthümlicheaufzuweisen gehabt hätten. Italien sandte einen wüsten Haufen vonBüchern, von denen Vieles ohne Schaden zu Hause hätte bleiben kön-nen. Quantitativ weniger, aber qualitativ Besseres lieferten Spanienund Portugal. Auch Russland zeigte sich mit mehreren guten, zumTheil vortrefflichen Leistungen, die jedoch nicht genügten, um ein Bildder Fabrikation des Landes im Ganzen zu gehen. Was wir hier sag-ten, gilt hauptsächlich für die I. und II. Section der Gruppe, mit Aus-nahme der Kartographie, welche allerdings, jedoch wie erwähnt, zu-meist in andere Gruppen verstreut, tüchtig vertreten war, und von demin fast erschreckender Weise überwuchernden Oelbilderdruek. Die III.und IV. Section, namentlich die III., die Photographie, war bei Weitembesser vertreten, als die I. und II.