Section V. Leinenwaaren. I. Garnnumerirung. 557
sieht sie in dieser Aenderung kein wesentliches Hinderniss, und würdeauch der Einführung eines Systerüs, welches die Nummer nach derSträhnzahl von 1000 m, die 1 Kg enthält, ihre Zustimmung gehen.
Einen ferneren Bericht hat die industrielle Commission für Woll-garne der Handelskammer von Verviers eingesandt. Dieselbe empfiehltgleichfalls ein einheitliches Numerirungssystem nach der Anzahl von1000 m, die auf 1 Kg gehen, wünscht jedoch die Strähnlänge nichtauf 1000, sondern auf 1500 m festgesetzt zu sehen.
Der Vertreter der Handelskammer in Rheims verlas ein längeresSchreiben derselben, in welchem sie gleichfalls die Einführung eineseinheitlichen Systems auf metrischer Grundlage befürwortet.
In den Verhandlungen des Congresses selbst wurde der erste An-trag des Vorbereitungscomites, der die Erschwerungen und Belästi-gungen , welche die gegenwärtig bestehenden verschiedenen Garn-nuinerirungssysteme dem Verkehre auferlegen, constatirt und in An-betracht, dass Garne heute ein Artikel des internationalen Verkehrsgeworden sind, die Beseitigung des bemerkten Hemmnisses mit allerKraft anzustreben für wünschenswerth erklärt, ohne Debatte einstimmigangenommen.
Eine Discussion dagegen rief der zweite Punkt hervor, welcher es fürmöglich erklärt, sämmtliche Spinnstoffe nach demselben Principe zunumeriren. Hiergegen wandte Dr. Weigert ein, dass die Verschieden-heit des Spinnprocesses der Baumwoll-, Woll- und Leinengarneeinerseits und der Seide andererseits, von denen die ersteren durchStrecken aus einem dicken Vorgespinnst, die letztere durch Vereinigenvorhandener feiner Fäden erzeugt würden, auch eine Verschiedenheitder Numerirungssysteme als bedingt erscheinen lasse. Bei jenenbezeichnet man naturgemäss mit Nro. 1 den stärksten Faden, geht alsovon einem bestimmten Gewichte als constanter Grösse aus und beziehtdarauf die mit der Fadenstärke veränderlichen Längen, bei dieser istdie Länge des feinsten Fadens die gegebene Grösse und die Verglei-chung der verschiedensten Stärken geschieht sachgemäss nach derGewichtsdifferenz, welche zwischen gleichen Längen derselben besteht.Wenn daher die Aufstellung eines einheitlichen Numerirungssystemsfür Baumwolle, Wolle und Leinengarne ebenso praktisch nothwendigwie durchführbar ist, scheint für die Seide ein anderes Titrirsystemdurch ihre Natur bedingt. Dazu kommt noch, dass die verschiedenenin Anwendung koüimenden Stärkegrade ersterer Gespinnststoffe so aus-serordentlich von denen der Seide differiren, dass ein einziges Systemfür alle entweder bei der einen oder bei der anderen Gruppe mit unge-bührlich hohen, den praktischen Gebrauch beeinträchtigenden Zahlenzu operiren geben würde. Nach dem Systeme, welches die Nummernach der Anzahl von 1000 m, die in 1 Kg enthalten sind, bezeichnet,würden bei der Seide die in der Praxis üblichen Fadenstärken, die sich