Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
475
Einzelbild herunterladen
 

Section I. Schafwollenwaaren. 1). Gespinnste etc. 475

Weg nach und nach durch ganz Deutschland und fast alle Länder desErdballs zu nehmen. Allerdings waren die Resultate der veredeltenZüchtung nicht überall dieselben. Bodenbeschaffenheit, Pflege und an-dere Einflüsse geben noch heute gewissen Gegenden ein vorzugsweisesüebergewicht in der Erzeugung edler Tuchwollen mit dem kurzendichten Wüchse, unter denen die Sachsens, Schlesiens und Ungarns anerster Stelle zu nennen sind. Im Allgemeinen machte sich auf derAusstellung eine wesentliche Abnahme in der Production hochfeinerTuchwaaren bemerkbar, wogegen sich die Fabrikation auf Mittelquali-täten in erhöhetem Maasse zu legen scheint; eine Erscheinung, welchedie Thatsache bestätigt, dass mehr und mehr die Negrettikreuzungwegen des grösseren Schurgewichts vorgezogen wird.

Durch die grosse Verbreitung veredelter Wollen sind der Indu-strie die verschiedensten Rohproducte zur Verfügung gestellt, welcheeinfach oder in Mischungen verarbeitet dem Fabrikanten die Möglich-keit geben, für seine Waaren stets das geeignetste Material zu be-nutzen und auf alle Ansprüche, welche der Preis oder die Qualität anihn stellen, Rücksicht zu nehmen. Es walten nämlich in der Fabri-kation der eigentlichen Tuche und der grossen Mannigfaltigkeit soge-nannter tuchartiger Stoffe, so viel Aehnlichkeiten sie auch in den ein-zelnen Manipulationen haben mögen, wesentliche durch die Wahl desMaterials bedingte Verschiedenheiten vor. Beim Tuch bildet daszarteste kurze Kräuselhaar des Electoralsehafes die Ilauptbedingungfür die Qualität, während für die unter zahlreichen anderen Namen be-kannten Wollenwaaren eine' vorzügliche Spinnfähigkeit des Haaresein wesentlicheres Erforderniss bildet. Es liefern daher die deutschenund ungarischen Wollen für Tuche noch immer das günstigste Material,trotz der durch veredelte Züchtung ausserordentlich verfeinerten über-seeischen und selbst russischen Qualitäten. Dagegen werden dieselbenvorzugsweise undmif bestem Erfolg zu anderen Wollwaaren verarbeitet,bei denen mehr das Gespinnst, sei es einfach oder gezwirnt angewen-det, die Hauptrolle spielt, oder wo auf Weichheit derWaare geringeresGewicht gelegt wird. Besonders ist dies in England und Belgien derFall, wo sie das Hauptmaterial für die Fabrikation abgeben unddurch ihre billigeren Preise einer für den Weltmarkt arbeitenden In-dustrie ein wesentliches Mittel zur erfolgreichen Concurrenz gewähren.

Neben der erwähnten Abnahme in der Fabrikation hochfeinerWaaren zeigt sich , als mit dieser Thatsache in Verbindung stehend,die erfreuliche Erscheinung, dass eine merkliche Annäherung der ge-ringeren Fabrikationsleistungen an die besseren stattfindet, und diefrüher oft in schroffer Weise hervortretenden Contraste der verschiedenenQualitäten mehr und mehr verschwinden. Diese Erscheinung charalc-terisirt die Tuchbranche so recht als eine alte, hochentwickelte, in dereinerseits Epoche machende Neuerungen, die das Alleingut Einzelner