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Gruppe VI. Leder- und Kautschuk-Industrie.
Vou Centralafrika waren sehr primitive Holzsättel für Gethieraller Art, Peitschen aus Rhinoceroshaut, Lasso und andere Arten Jagd-geräthe aus Leder der verschiedensten Wildhäute in grosser Anzahlausgestellt. Eine Sammlung von grossem culturhistorischen Interesse,aber für uns weniger beachtenswerte
Von den Vereinigten Staaten Nordamerikas waren nur wenigeFabrikate zur Ausstellung gekommen. Ein Militärsattel mit eigenthüm-lichem, durchgehendem Einschnitt auf dem Rücken und praktischenSteigbügeln interessirte die militärischen Fachleute.
Brasilien stellte einige nach Landessitte construirte Sättel undeigenthümliche hölzerne Koffer aus, die grosse Aehnlichkeit mit unserergewöhnlichen nicht transportabeln Commode haben.
Zum Schlüsse unserer Betrachtung nach Europa zurückkehrend,haben wir der Schweiz zu erwähnen, die in Koffern und Reiserequisiteneiniges recht Brauchbares in schöner und solider Arbeit ausgestellt hat.Das schweizerische Militärdepartement erfreute jeden Kenner durchseine meisterhaft gearbeiteten und höchst iwaktischen Sättel- undPferdegeschirre für Militärzwecke.
Der Süden Europas war durch Italien und Spanien gut vertreten.Die Pferdegeschirre von Guiseppe Talamucci in Florenz und Gui-seppe Lichtenberger in Turin sind von tadelloser Arbeit und ge-schmackvoll in der Anordnung der Ornamente. Auch die Reiserequi-siten von Felice Franzi in Mailand sind empfehlenswerth.
Die Eingangs erwähnte dritte Kategorie der Industrieerzeugnisse:die Cabinets- resp. Meisterstücke, war am eclatantesten durch die Aus-stellung zweier Spanier vertreten; J. Rodriguez Zurdo in Madridund L. Dorado Garcia in Valladolid exponirten Pferdegeschirre vonwunderbarer Arbeit. Jeder Theil dieser naturfarbigen Geschirre warin geschmackvollster Weise mit den zierlichsten Lederornamenten inReliefform bedeckt. Trotz des Reichthums der Stickerei — Ornamenteund Geschirre waren von gleichfarbigem braunen Leder — brachtedie richtige Vertheilung der decorativen Mittel eine harmonische Wir-kung hervor. Zu bedauern ist nur, dass diese Meisterwerke der Sattler-kunst nicht von praktischem Nutzen sein können. Die kunstvolleArbeit bedingt jedenfalls einen solch hohen Preis, dass sie in den Händender Fabrikanten als Ausstellungs-Prachtstücke verbleiben. Das Museumeiner Kunstgewerbeschule möchten wir als würdige Herberge solcherProducte des Fleisses und der menschlichen Geschicklichkeit in Vor-schlag bringen. Beide Fabrikanten erhielten die höchste Auszeichnung,die in der Sattlerbranche gegeben wurde: die Fortschrittsmedaille.