Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
389
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Section I. Leder. Sattlevwaaren. ' 389

Geschmack in der Gesammtanlage, wie in der Verzierung der einzelnenTlieile.

Russland hat nur wenig Sattlerarbeit zur Ausstellung gebracht.Unter dem Wenigen aber ein Paar Pferdegeschirre von Nicolai J. Lo-patine in St. Petersburg, die sich würdig den ebengeschilderten an-reihen. Nur die Verwendung. des besten Materials konnte es ermög-lichen, etwas solid Dauerhaftes in so zierlicher Form fertig zu stellen.Von der feinen, federartigön Polsterung der zierlichen Kummete biszu der kaum sichtbaren Naht an den dünnsten Geflechten der Kopf-gestelle ist alles Meisterarbeit. Die Metallverzierungen, kleinsteHufbeschläge darstellend, sind in harmonischer Verbindung zu demzierlichen, wenn auch ledernen Gebilde.

Eine vollständige Sammlung der verschiedenartigsten Sättel desweiten türkischen Reiches war an den Tragsäulen der betreffendenAusstellungshalle angebracht. Trophäenartig waren die Capitäle ge-krönt mit dem Kopfzeug und dem Sattel des Esels, des Pferdes, desMaulthieres und des Kameels aus allen Provinzen des Reichs. Diekaiserlich ottomanische Commission hatte grosse Anstrengungen ge-macht und war es ihr gelungen, ein interessantes und lehrreiches BildderGesammtproduction ihresLandes von der einfachstenHolzconstruction,bis zu dem mit Gold und Seide überladenen Praclitsattel in richtiggewählten Exemplaren zu geben. Seine Hoheit Ismail Pascha, Khe-dive von Aegypten, blieb nicht hinter seiner, oberherrlichen Regierungzurück. Auch er brachte eine umfassende Sammlung der in seinemLande gebräuchlichen Sättel. Von dem einfachen, solid gearbeitetenLedersattel für das Militär bis zu dem goldgestickten Sammtsattel desreichen Herrschers war jede Art ausgezeichnet vertreten. In Bezugauf prachtvolle und dabei geschmackvolle Ausstattung werden die ägyp-tischen Prachtsättel von keinen anderen auf der Ausstellung tiberboten.Die Medaille für guten Geschmack lohnte das fürstliche Bemühen.

Lidi Mustapha in Tunis zeichnete sich durch die Ausstellungzweier ebenfalls mit orientalischem Luxus ausgestatteten geschmackvollgearbeiteten Sättel aus. ,

Die von China gelieferten Sattlerwaaren: unbedeutende Taschen,Lederkissen und dergleichen, verdienen kaum der Erwähnung.

Japan dagegen prangte auch hier, wie in vielen anderen Zweigender Industrie, in hervorragender Weise. Die kaiserliche Regierungbrachte zwei vollständige Cavalleriepferde-Rüstungen zur Anschauung,die, von dem kunstreich eingelegten Metallbügel bis zur netzartig ausSeidekordel gebildeten Fliegendecke, die sorgfältigste und musterhaftesteAusführung in allen Theilen zeigten.