Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
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Zweite Sectio d.

ßauchwaare n.

Aelter als die eigentliche Lederindustrie ist sicherlich die Kunstder Zubereitung der Pelze. Die erste Verwendung der Thierfelle ge-schah unbestreitbar in dem Zustande, wie sie die Natur liefert. DasHaar brauchte nicht entfernt zu werden, wie hei der Lederbereitung;man begnügte sich das frisch abgezogene Fell mit conservirendenSubstanzen, -vielleicht gerbstoffhaltigen Blättern zu bedecken, und indiesem Zustande langsam trocknen zu lassen. Die Feuchtigkeit derthierischen Haut löste den Gerbstoff der Blatter, drang in das Zell-gewebe der Haut ein und verhinderte einigermaassen die Fäulniss.Vier Hände genügten dann das getrocknete harte Fell auseinanderzu ziehen, ihm grössere Weichheit zu geben, und der erste Pelz warfertig. Die eben beschriebene Methode wird wohl heute nicht mehrangewendet. Statt der Pflanzensubstanz wendet man Alaun an, stattder vier Hände genügen zwei, die auf der Streckrahme, dem Stollbockoder mit Hülfe eines ebenso einfachen Werkzeuges das Fell auseinan-dertreiben und ihm die gehörige Geschmeidigeit geben. Complicirt istsomit auch heute die Rauchwaarenzübereitung nicht: der Schwerpunktder Branche liegt mehr in dem kaufmännischen Theile des Geschäftes;in der richtigen Wahl des Rohmaterials zu bestimmten Zwecken, imAufsuchen der besten Bezugsquellen und in der geschmackvollen Aus-stattung der Bekleidungsgegenstände. Nach unserer Ansicht zeigtsich der gute Geschmack des Kürschners allein darin, dass er dasThierfell in seiner Totalität, das ist als Ganzes und unzerschnitten mit allenseinen specifischen Eigenschaften, zur Geltung bringt. Der eigentlichePelz verträgt keine Verzierung durch andere Stoffe; er ist schöner,werthvoller als alle seidenen oder mit Gold durchwirkten Gewebe, dieauf und an ihm angebracht werden.