Section IV. Conserven etc. I. Die eigentlichen Conserven. 297
die übrigen Verfahren, namentlich das Mariniren, haben zuerst in denletzteren Jahren eine grössere, umfangreichere Anwendung gefunden.
In erster Linie sind von den Ausstellern in der deutschen Abthei-lung die bereits erwähnten drei Firmen von Lübeck und Hamburghervorzuheben wegen durchweg vorzüglicher Qualität ihrer Fleisch-speisen, Gemüse in Büchsen sowie in getrocknetem und comprimirtemZustande. Vortreffliche Pickles, in Essig eingemachte Früchte, führte J.Gernert in München vor, besonders zeichneten sich aber dessen Gemüsenach dem Verfahren von Appert hergestellt und in Gläsern verpackt,durch ihre aulfallend wohl erhaltene Farbe aus, welche durch Benutzungeines sehr reinen Wassers (aus Schnee) erzielt werden soll. J. C. Leh-mann in Potsdam zeigte an seinen Spargeln, Ananas in eigenem Safteconservirt und an den, jetzt in Berlin in grösseren Quantitäten berei-teten, Krebsschwänzen in Salzwasser eine sehr sorgfältige Fabrikation.Franz Ho eck zu Güstrow führte recht schöne Spargel in Blechdosenvor, ein Beweis, dass auch in Mecklenburg dieser Industriezweig Fussgefasst hat. Ausserdem wiesen mehrere Lübecker Firmen recht lobens-werthe Leistungen in Spargeln, sonstigen Gemüsen, Salzgurken sowiein Fleischspeisen auf. Eine geringe Anzahl von Ausstellern lieferteaber auch Conserven von mangelhafter Beschaffenheit, bewies, dassdie Fabrikation nicht mit der nothwendigen Sorgfalt betrieben wird;so führte ein Aussteller Blechbüchsen vor, welche statt mit Gemüsezum grossen Theile mit Wasser gefüllt waren, die Conserven andererzeigten sich vollständig verdorben. Dass durch solche Vorkommnissedie Aufgabe des deutschen Jurymitgliedes erheblich erschwert wurde,bedarf wohl keiner weiteren Erörterung'.
P. Bydekarken in Husum führte die in Blechdosen conservirtenHolsteiner Austern vor und verdient als einziger Aussteller derselbenbesondere Erwähnung hier nicht.
Bekanntlich ist der Consumvon Austern in den Vereinigten Staa-ten von Nordamerika ein ausserordentlich grosser, sie spielen dort nichtdie Rolle einer Delicatesse, sondern die eines gewöhnlichen Nahrungs-mittels. Anstatt sie in den Schalen zu versenden, conservirt man siedort schon seit längerer Zeit behufs eines billigeren Transports in Blech-dosen und exportirt sie nach England, wohin jährlich ungefähr y 2 Mil-lion Dosen gehen, und Deutschland. Sie finden jetzt einen gefährlichenConcurrenten in den conservirten Holsteiner Austern, die freilich nochwenig bekannt sind, aber nach der Meinung Sachverständiger entschie-den den amerikanischen, wegen grösseren Wohlgeschmackes vorzuzie*ken sind.
Von Fischconserven müssen noch die vorzüglichen Neunaugen ausder Nordsee von J. Heimerdinger in Hamburg erwähnt werden,sowie die russischen Sardinen der dortigen Firma J. PI. G. Walkhoff,deren Inhaber als Exporte sich bei den Arbeiten der Jury dieser Section