272
Gruppe IV. Nahrungs- und Genussmittel etc.
Presshefe verknüpft ist, besitzt sonach zwar einen ansehnlichen Um-fang, hat aber in den letzten 40 Jahren keine so erhebliche Steigerungerfahren, als die Kartoffelbrennerei, wie aus folgenden Angaben hervor-geht. 1831 wurden in Preussen 4 341 144 Scheffel Getreide und13 215 164 Scheffel Kartoffeln in 13 806 Brennereien auf Spiritus verar-beitet und der Nettoertrag der Branntweinsteuer belief sich auf5 248 579 Thlr., so dass 12 Sgr. 0,9 Pfennige auf den Kopf der Bevöl-kerung kamen. Dagegen verwendeten 1865 die 6209 Spiritusfabrikendes preussischen Staats 4 690 300 Scheffel Getreide und 27 177 893Scheffel Kartoffeln bei einem Nettosteuerertrag von 8191077 Thlrn.und 12 Sgr. 9 Pf. pr. Kopf der Bevölkerung.
Es hat sich somit in dem angedeuteten Zeiträume die Verarbeitungder Kartoffeln mehr als verdoppelt. Die zu deren Anbau trefflichgeeigneten Bodenarten der östlichen Provinzen sowohl, als auch fort-währende, durch die Besteuerung des Maischraumes wesentlich veran-lasste, Verbesserungen des Verfahrens sowie der Einrichtungen haben vor-zugsweise diesen Aufschwung der Spiritusfabrikation aus Kartoffeln her-beigeführt. Deren Product ist ferner zu einem Artikel des Welthan-dels geworden und findet jetzt in bedeutenden Mengen Absatz im Aus-lande. Die Rückvergütungen für ausgeführten Spiritus betrugen:
1851 . 346 302 Thlr.
1855 . 946 429 „
1860 . 1 509 746 „
1865 . 2 181 103 „
Der Consum des Spiritus als Nahrungsmittel hat im Inlande ab-genommen , denn der Nettoertrag der Steuer pr. Kopf der Bevölkerungist seit 1855 nicht in dem Verhältnisse gestiegen, in welchem von daab die Maischraumsteuer höher geworden ist. Dieser Umstand findetin dem inzwischen stetig gestiegenen Bierconsume seine Erklärung.
Der Spiritus aus Kartoffeln lässt sich leichter entfuseln als der-derjenige aus Rüben oder Getreide. Er übertrifft dann fast alle übri-gen Sorten an Reinheit und Feinheit und verdankt dieser Eigenschaftseine ausgedehnte, fast ausschliessliche Anwendung bei der Berei-tung der feineren Liqueure, der Parfümerien, zum Verschneiden derWeine, des Cognacs u. s. w.
In Deutschland versteht man nun durch eine sorgfältige Entfnse-lung einen Sprit von bester Qualität herzustellen, so dass er im Welt-handel die erste Stelle einnimmt.
Unter diesen Verhältnissen hat sich ein förmlich gesonderter In-dustriezweig sowie ein lebhafter Verkehr entwickelt, deren CentrumBerlin und die Provinz Sachsen bilden. Es waren daher die von dorteingesendeten Spritproben die besten der ganzen Ausstellung, in ersterLinie standen besonders jene der Bank für Sprit- und Producten-handel in Berlin, welche eine so unübertreffliche Feinheit besassen,
■i