Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
248
Einzelbild herunterladen
 

248

Grujjpe IV. Nahrungs- und Genussmittel etc.

oder Mittelweine und zwar in grossen Mengen beziehen, was beides invielen anderen Weinländern nicht möglich ist und wodurch Frankreichsich seinen Absatz in der ganzen Welt gesichert hat. Mögen dieseUmstände theilweise durch Boden und klimatische Verhältnisse bedingtsein, unstreitig muss auch der richtigen Behandlung ein grosser Antheilzugeschrieben werden.

Vorzügliche Bordeauxweine waren ausgestellt: von Vicomte 0.Aguado in Paris, F. Beaucourt in Margaux(beide ChateauMargaux),M. Dollfuss in Paris (Chateau Monterose), A. Lalande in Bordeaux,Baron von Sarget & Lafontaine ebendaselbst (Gruaud, Larose, Tar-get) sowie Hermann und Maitre ebendaselbst (Chateau la Tour). InBurgunder zeichneten sich aus: Graf Armand, Frau und Paul MareyMonge, sämmtlich zu Nuits, sowie noch drei Aussteller von Dijon,Pomiuard und Macon.

Während einerseits Burgund und Bordelais in hoch- und mittel-feinen Bothweinen hervorragen, sind die Departements Aride, Gard undHerault andererseits durch ihre massenhafte und billige Production be-merkenswerth. In den Alluvialebenen zwischen Nismes, Montpellier,Beziers und dem Mittelmeere sowie in der Gegend von Narbonue bis laNouvelle zieht man einen zwar geringen aber immerhin gesunden Weinaus einer äusserst ergiebigen Bebsorte, Aramon genannt, so dass perIlectare ein Ertrag von 250 bis 400 Hl erzielt wird. Damit innigverknüpft ist ein niedriger Preis, der sich selbst bei den gegenwärtigenCoujuncturen auf etwa 10 Franken per Hl beläuft-, es bietet sich alsoliier auch den weniger bemittelten Classen eine günstige Gelegenheitzum Weingenusse, zu einer wohlthätigen Erquickung. Sicher besitztdeshalb eine solche Production einen nicht'geriugeren Anspruch aufAnerkennung, als jene von hochfeinen Sorten.

Auf den kalkigen Abhängen der Höhenzüge erzeugt man in den-selben Departements einen feineren Wein, im Vergleiche zu jenem ausder Ebene, erzielt aber nur einen Jahresertrag von 20 bis 50 Hl perHectare. Durch Verstechen beider Sorten stellt man nun einen gutenRpthwein dar, welcher zu 30 bis 40 Franken per III in den Handelgelangt.

Bezüglich der aus dem Departement Herault eingesendeten Weineist noch zu bemerken, dass sie sehr rasch reifen und leicht zu alt werden.So waren 1872er vorhanden, welche doch behufs der Versendung schonim April dieses Jahres, also sechs bis sieben Monate nach dem Herbste,auf Flaschen gefüllt sein mussten; sie hatten ferner den weiten Trans-port ausgehalten, in Wien bis zum Juli nicht etwa in einem gutenKeller, sondern in einem Bretterverschläge gelagert und trotzdem er-wiesen sie sich bei dem Versuchen zum grössten Theile als recht gut,namentlich die Proben von Ricard und II. Mares. Sie entsprachensomit allen Anforderungen, die man überhaupt stellen kann. Wenn