218
Gruppe IV. Nahrungs- uud Genussmittel etc.
Oesterreich-Ungarn. In den Abtkeilungen von Cisleitlianienund Ungarn zählte man etwa 40 xVussteller; eine erhebliche Anzahlderselben gehört dem Kleingewerbe an, besitzt nur eine locale Bedeu-tung, während andererseits nicht wenige als Vertreter des Grossbetriebsanzusehen sind. So machte sich hier verhältnissmässig mehr wie beiirgend einem anderen Lande die bereits erwähnte Uebergangsperiodebemerkbar. Gegenüber den Zucker-, Traganthwäaren und den eingemack-Friichten hatte die Chocolade eine weniger zahlreiche Vertretung ge-funden, so dass die Ausstellung unverkennbar auf den noch nicht sehrentwickelten Consum dieses Artikels in der österreichischen Monarchiehin wies, überhaupt hier ein weites Feld zeigte, welches bei der fort-schreitenden Zunahme des Wohlstandes der Bevölkerung und bei derNähe des Orients einst einen sehr ergiebigen Boden für die hier inBetracht kommenden Erwerbszweige bieten wird.
Aus leicht begreiflichen Gründen hatten die Wiener Conditoreienein ansehnliches Contingent gestellt; etwa 12 dortige Firmen führtenin meist recht geschmackvoller Anordnung ihre Erzeugnisse vor. Einehervorragende Stelle nahm unter ihnen A. Gerstner ein, seine Zucker-waaren, Marzipane und eingemachten Früchte waren vorzüglicherQualität; ferner bewies sein hübscher Tafelaufsatz, dass die heutigeGeschmacksrichtung volle Berücksichtigung bei dem achtbaren Hausefindet. Da dessen Chef als Mitglied der Jury fungirte, wurde dieseAusstellung bei der Preisbewerbung nicht berücksichtigt. Sehr tüch-tige Leistungen bekundeten auch Ch. Demel’s Söhne, sowieFex er & Co. Die letztgenannte Firma führte schon Ende der 30erJ ahr e die Dampf kraft bei der Fabrikation von Chocolade und Zuckerwaarenein; gegenwärtig beschäftigt sie 80 Arbeiter und schlägt jährlich etwa200 000 Thlr. in Canditen sowie in Chocolade um, von welchen Fabri-katen ansehnliche Mengen in den Donauländern und Russland Absatzfinden. Es darf nicht unerwähnt bleiben,- dass die Verpackung derChocolade nicht vollständig befriedigte. Ausserdem sind noch die sehrgut modellirten Tragantkwaaren von G. Bärlin hervorzuheben, da sie,im Vergleiche zu anderen, in sehr gelungener Weise den Charakter vonWien, das Heitere, Lebenslustige zum Ausdruck zu bringen wussten.Im Anfertigen der mehrfach ausgestellten Zuckerbilder zeigte FranzLirterotti in Trient grosse Geschicklichkeit im Vereine mit gutemGeschmack.
Von allen Ländern Oesterreichs ist Böhmen in industrieller Be-ziehung am meisten entwickelt, dies machte sich auch hier geltend,indem die von dort erschienenen Firmen vorzugsweise den fabrikmäs-sigen Betrieb vertraten. Von ihnen ist in erster Linie das grosse HausA. Tschinkel-’s Söhne und Brüder Tschinkel wegen umfang-reicher Production sowie solider Qualität zu nennen. In ihren Eta-