Section II. b. Chocolade, Zuckerwaaren n. Kaffeesurrogate. 207
Caoaobaumes (Theobroma Cacao) ansföhrlich besprochen hat, auch diebetreffenden Einsendungen, welche in Wien erschienen waren, in dieserBeziehung keine bemerkenswerthe Neuerungen oder Veränderungendarboten, wird hier nur eine kurze Schilderung der Cacaosorten derWiener Ausstellung nothwendig sein. Immerhin aber verdientdieser Artikel als hauptsächliches Rohmaterial der sich stetig ausdeh-nenden Chocoladefabrikation grosse Beachtung, weil bis jetzt seineProduction noch nicht in allen tropischen Ländern zur Exportfähigkeitentwickelt ist, sondern vielfach nur den einheimischen Bedarf zu deckenvermag.
In Wien war der Cacao reichlich vertreten, aber verhältnissmässigweniger durch Producenten, als durch dessen Consumenten, die Chocolade-fabrikanten, welche damit ihre Producte dem Fachmann mehr empfeh-len, überhaupt ihren Betrieb veranschaulichen wollten. Selbstverständ-lich dürfen hier nur die Proben der ersteren Berücksichtigung finden,da jene der letzteren nicht als eigentliche Ausstellungsobjecte anzu-sehen sind.
Das rühmlichst bekannte und bedeutende Haus Menier in-,Parisbesitzt jetzt ausser seiner 1862 im Menierthale in Nicaragua angelegtenPflanzung von 150 000 Cacaobäumen und 1500 Hectaren Fläehenraumeine zweite, ungefähr 20 Km von dem südwestlichen Ufer des Nicaragua-sees entfernt, wo bereits die Anlage von 35 000 Bäumen ausgeführtist und nach Maassgabe des Urbarmachens vergrössert wird. BeidePlantagen umfassen 7500 Hectaren, so dass die Cacaocultur mit allenHilfsmitteln der neueren Technik betrieben werden kann. Einschliess-lich der Wege und Bewässeruugseanäle reicht eine Ilectare für 15 000bis 18 000 Bäume aus. Nachdem ein solcher tragbar geworden, wozuzwei bis drei Jahre erforderlich sind, liefert er im Durchschnitt jährlich750 g trockner Bohnen und dauert 20 bis 30 Jahre aus. Von denbeiden Pflanzungen fanden sich in Wien ausgezeichnet schöne gross-bohnige Muster vor, welche wahrscheinlich nicht in den Handel kommen,sondern nur für den Bedarf des Besitzers dienen.
Auch San Salvador sowie die V ereinigten Staaten von Venezuelahatten recht hübsche Proben ihrer im Handel sehr geschätzten Sorteneingesendet. Nach den Angaben des Specialkatalogs wurden vom1. Juli 1871 bis 30. Juni 1872 von Venezuela über die beiden HäfenLa Guaira und Puerto Cabello 50 786 Ctr. Cacao im Werthe von1 523 580 Pesos, namentlich nach Spanien und Frankreich ausgeführt.
In de*brasilianischen Abtheilung fand sich eine Sorte ausRio de Janeiro vor, die mehr gangbaren von Para und Bahia fehlten.
Von den französischen Colonien in West-, sowie in Ostindienwaren ebenfalls ziemlich zahlreiche Muster eingegangen, von welchenjene von Martinique und Guadaloupe besondere Beachtung verdienen,weil auf beiden Inseln die Cacaocultur einen erfreulichen Aufschwung