Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
184
Einzelbild herunterladen
 

184

Gruppe IV. Nahrungs- und Genussmittel etc.

4. Die Zuckergewinnung aus Melasse. Abscheidung desZuckers als Zuckerbaryt durch Dialysiren nach Dubrunfaut;als Zuckerkalk nach Scheibler u. a. m.

Nicht minder ist die Rübenzuckerfabrikation gefördert wordendurch wissenschaftliche Entdeckungen und gediegene Untersuchungenzahlreicher Chemiker, sowie durch Einführung genauer Instrumenteund Apparate für verschiedene analytische Zwecke. In dieser Bezie-hung ist zu "nennen: Einführung eines Polarisationsinstrumentes durchMitscherlich; eines zweiten genaueren durch Soleil, in neuesterZeit verbessert durch Scheibler; der Chromoskope (Farbenmesser)durch Dubrunfaut, Ventzke, Duboscq, Stammer u. A. m., einesApparates zur Bestimmung des kohlensauren Kalkes in der Knochen-kohle durch Scheibler; eines desgleichen zur Untersuchung der Satu-rations-Kohlensäure durch denselben u. s. w. Die Analyse undWerth-bestimmung der Rohzucker wurde vereinfacht und gefördert durchdie Scheiblersehe Methode der Bestimmung der Asche in den Roh-zuckern mittelst Schwefelsäure, sowie in jüngster Zeit durch ein vondem Vereine zollvereinsländischer Rübenzuckerfabrikanten gekröntesVerfahren der Bestimmung desRaffinationswerthes der Rohzucker nachScheibler.

Auch die Kenntniss der neben dem Zucker im Rübensafte vor-kommenden Stoffe, wurde namentlich in dem letzteren Jahrzehnt be-deutend erweitert; so entdeckte Scheibler in den Rüben eine schönkrystallisirendePflanzenbase, das Betain, er constatirte ferner das Vor-kommen des zuerst von Rossignon beobachteten Asparagins und wiesnach, dass die als Bestandtheil der Rühen sich findende, von Fremyals Metapectinsäure bezeichnete Substanz ein optisches Drehungsver-mögen besitze und ein Glycosid sei, da sich aus derselben ein eigen-tümlicher Zucker (Pectinzucker) abscheiden lasse.

In dem Maasse, als die Rübenzuckerindustrie sich ausbreitete,kräftigte und an Intensität gewann, hat sie mehr und mehr die Ein-fuhr des indischen Zuckers gedrückt und zuletzt durch Ausfuhr ein-heimischen Rübenzuckers sogar überflügelt. Bis vor dem Jahre 1836wurde der Zuckerverbrauch in Deutschland fast ausschliesslich durchdie Colonien gedeckt, von da ab trat die Concurrenz des Rübenzuckersein, der, mehr und mehr den Consirm befriedigend, die Einfuhr indi-schen Zuckers entsprechend verminderte, wie folgende Tabelle zeigt:.

\