Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
125
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Gruppe XXV. Die bildenden Künste der Gegenwart. 125

künstlerischen Schilderung von Revolutionsscenen die Opfer der soge-nannten glorreichen Revolution idealisirt, die Helden der RevolutionSchwarz in Schwarz gemalt, als Fanatiker gezeichnet werden, steht ingrellem Widerspruche mit den beliebten politischen Anschauungen,weckt einen Stimmungsstreit, welcher die Phantasie lähmt. Eben soerscheint die Zeit begeisterten Apotheosen der Napoleonischen Dynastiewenig günstig. Nur vereinzelte Nachzügler dieser Richtung waren inWien bemerkbar: Bellange mit seinemRückzug aus Russland,Ch. L. Müller mit dem von früher her bekannten Bilde:Lanjuinoisauf der Tribüne, 2. Juni 1793, und Meissonnier mit der lange erwar-tetenBegrüssung Napoleons durch Kürassiere in der Schlacht bei Fried-land. Das Werk des berühmten Meisters zeigt ausnahmsweise grössereDimensionen, als wir sonst bei ihm gewohnt sind. Wäre die Situationnicht so maasslos unglücklich gewählt ein Haufen schwerer Reiter,welche alle gleiehmässig den Mund aufreissen zu einem donnerndenVive lempereur! so würde die vollendete Kunst Meissonniers,scharf und charakteristisch zu zeichnen, ohne Prätensionen gut zumalen, lebendig aufzufassen, zu besserer Geltung kommen. Es verdienterwähnt zu werden, dass das Bild unvollendet in Privatbesitz überging.Das spricht nicht für die grosse Anziehungskraft dieses Stoffkreises.

In der orientalischen und antiken Welt bewegen sich die moder-nen französischen Maler jnit grösserer Freiheit und sichtlicher Vorliebe.Die Eroberung von Algier gab ihnen die erste Gelegenheit, dem Orientenäher zu treten und denselben künstlerisch auszubeuten. Dieses fremd-artige Leben reizte die Phantasie; es beschäftigte den Blick der Malerund weckte die Neugierde der Beschauer. Es bot eine neue Staffagefür Kriegsillustrationen, es half das etwas stampf gewordene Interessefür die biblischen Gestalten wieder aufzufrischen. Vater Abrahammusste es sich gefallen lassen, als arabischer Scheich costümirt zuerscheinen, Rebeccas Typus glaubte man in den maurischen FatimasundAizas wieder zu finden. Allmälig gewann aber der Orient für diefranzösische Malerei eine noch weitere Bedeutung, als dass durch ethno-graphische Studien die biblischen Scenen der historischen Wirklichkeitnäher gebracht wurden. In der orientalischen Welt fand die colori-stische Richtung die reichste Nahrung, sie gestattete auch jene Empfin-dungen energisch zum Ausdruck zu bringen, welchen die tonangeben-den Classen der Pariser Gesellschaft am liebsten nachgehen. Die bron-zirten Körper der Männer, die goldigen Leiber der Weiber, die präch-tigen Costüme, die farbenglänzende Decoration im Innern der Höfebieten dem Maler einen beneidenswerthen Reichthnm von Motiven, inwelchen er seine virtuose Kunst zeigen kann. Scharfe Contraste zueiner harmonischen Wirkung zu vereinigen, einen Hauptton im Gemäldefestzuhalten, ihn aber durch feine Nüancen zu gliedern und zu steigern,die wunderbaren Effecte intensiven Lichtes auf die Farbe wiederzuge-