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1 (1874)
Entstehung
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124
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124 Gruppe XXV. Die bildenden Künste der Gegenwart.

eine Zeit, wo man, auch in Frankreich, auf die selbstständige Bedeutungdes dargestellten Gegenstandes ein grosses Gewicht legte, wo der Künst-ler sich gern seiner Gedankentiefe, seines poetischen Sinnes rühmte,den höchsten Interessen des Volkes freudig huldigte und auch auf dieVorstellungen des letzteren eindringlich zu wirken bemüht war. DieGefahr lag nahe, dass die Aufgaben der Malerei verschoben wurdenund dieselbe sich verleiten liess, Kreise zu betreten, in welchen ihreeigentümlichste Natur zu keiner rechten Geltung gelangen konnte.Beispiele anzuführen, wie wenig diese Gefahr vermieden wurde, istwohl nicht nöthig, da sie gewiss jedem Beobachter gegenwärtig sind.Später trat eine Keaction ein und wie das in solchen Fällen gewöhn-lich zu geschehen pflegt, es wurde von vielen Künstlern der Gegenstandder Darstellung eben so sehr unterschätzt, als er frühei' über Gebührbetont worden war. Alles, was man von ihm verlangt, ist dass er demMaler gestattet, seine Fachtüchtigkeit zu bewähren. Man muss die-ser Meinung soweit beipflichten, als in keinem Werke der bildendenKunst ein Ueberschuss des Inhaltes vorhandeu sein soll, welcher in denäusseren Formen nicht durchscheint, eine selbstständige Geltung für sichin Anspruch nimmt; man darf aber auf der andern Seite sich nichtverhehlen, dass der ganze Streit eigentlich nur in Ateliergesprächenund in literarischen Kunstschilderungen sich zu einem Principienkampfeverschärft, in der Kunstpraxis aber in Wahrheit heirte wie immer dasgemalt wird, was die Beschauer gern sehen und wozu den Künstlerseine persönliche Bildung, die meistens mit dem Culturzustande seinesVolkes und seiner Zeit zusammenfällt, befähigt. Den schlagendstenBeweis dafür giebt gerade die französische Malerei, in welcher sichdie Stimmungen der modernen französischen Cultur und die wenig-stens in Paris beliebten Ideenkreise treu und deutlich wiederspiegeln.

Die Abwesenheit des sogenannten historischen Genres in der neue-sten französischen Kunst kann nicht auffallend erscheinen, wenn mmsich erinnert, dass der Bau der gegenwärtigen politischen und socialenZustände grossentheils auf den Trümmern des alten Frankreichs- errich-tet wurde und ein gewaltsamer Bruch mit der Tradition die moderneGeschichte des Landes einleitete. Das Volksleben jenseits der Revolu-tion ist der Masse der Gebildeten ans dem Gedächtnisse verschwunden,in welchem nur die Ereignisse der letzten achtzig Jahre soweit fest-haften, dass sie auch die Phantasie anregen. Maler, deren Bildung inder Restaurationsperiode wurzelt, versuchten wohl auch für Scenen aus deraltern heimischen Geschichte ein künstlerisches Interesse zu wecken.Seit dem Niedergange der romantischen Schule verlor sich die Theil-nahme dafür beinahe vollständig. Nur die französische Revolution undNapoleons Siegesfahrten behielten längere Zeit einen grossem Reiz fürdie Phantasie. Aber auch diesen Kreis der Darstellung dürften diepolitischen Verhältnisse immer mehr zurückdrängen. Dass bei der