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122 Gruppe XXV. Die bildenden Künste der Gegenwart.
zu schmücken und von Lefuel’s Architektur umschlossen zu werden.Ein Plafondbild in fast verticaler Aufstellung wird geradezu ungeniessbarund wenn auch Lefuel’s Sünden als Baumeister ebenso zahlreich wiegross sind, so würde doch seine Decorationsweise hier nicht störendeingegriffen haben. Denn Cabanel’s Gemälde ist ganz im Geiste desZeitalters Ludwig’s XV. aufgefasst und verträgt eine im leichtfertigenPutze erglänzende Einrahmung. Den Rückgang auf das vorige Jahr-hundert dem Künstler zum persönlichen Vorwurf zu machen, erscheintvielleicht ungerecht, da diese Richtung von so vielen Künstlern undKunsthandwerkern in Frankreich getheilt wird, und das Rococo in un-seren Tagen eine förmliche Wiedergeburt feiert. Dass sich auch diemodernen Franzosen in demselben mit grosser Leichtigkeit bewegenund gleichsam zu Hause fühlen, mag die Vorliebe für den Rococostilerklären, aber er ist und bleibt dem ernsten geläuterten Kunstsinn amwenigsten genügend und unbedingt verwerflich, wenn er es wagt, antikeGedanken wiederzuspiegeln. Cabanel’s Flora, Apoll und Amor wür-den von jedem Griechen verleugnet werden; die manierirt zierlichenBewegungen und koketten Formen, wie das matte Colorit mahnen anmaskirte Schäfer aus einem erkünstelten Arkadien. Schlimmer abernoch ist der Umstand, dass man in Cabanel’s Flora deutlich gewahrt,wie wenig die Kräfte selbst hervorragender Maley für eine grösserangelegte Composition ausreichen. Kaum die Hälfte des Raumes wussteseine Phantasie mit Gruppen zu beleben, die unter einander organischverbunden sind, für die untere Hälfte half er sich mühselig mit Füll-figuren, denen man es deutlich ansieht, wie erstorben schon sein künst-lerischer Sinn war und dass sie nur nach und nach, wie sie eben dieseoder jene leere Lücke verlangte, entstanden sind. Auch in der tech-nischen Haltung offenbaren sie die vollständige Ermüdung des Meisters.Und doch wird von Cabanel die Energie, mit welcher er an den hohenAufgaben der Malerei festhält, gerühmt. Bei dieser sichtlich wachsen-den Unfähigkeit der Künstler, grössere Compositionen zu bemeistern,ist es begreiflich, dass die französischen Künstler sich lieber der Klein-malerei zuwenden, wo ihre Vorzüge in seltenem Lichte glänzen. DieseVorzüge kann man mit einem Worte zusammenfassen: die französischenMaler- besitzen Schule. Scharfe, bestimmte Zeichnung, Klarheit undRichtigkeit der Bewegungen, Vertrautheit mit den Geheimnissen derFarbengebung trifft man bei ihnen fast ohne Ausnahme an. Es giebtkeinen, dem die Technik sichtliche, unüberwundene Schwierigkeiten berei-tete, welchen die Wahl der Mittel, um eine festgestellte Aufgabe zuverwirklichen, in Verlegenheit brächte. Von einem unsichern Rathenund Tasten, von einem mühevollen Ringen und Kämpfen, von einemgenügsamen Andeuten, so dass man das Ziel und die Absicht des Künst-lers erst errathen muss, zeigt sich nirgend eine Spur. Wenn das We-sen der Malerei in der Handgeschicklichkeit und in der Fertigkeit im