Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
121
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Gruppe XXV. Die bildenden Künste der Gegenwart. 121

Clesinger seiner Pliryne wirkliches Geschmeide, das abnehmbar istund aus einer berühmten Werkstätte bezogen wurde, umhängt? Nichteinmal den Reiz der Neuheit besitzen solche Bravourstücke. Sie sindum so verdammenswerther, als gerade in Frankreich die Plastik nichtum die Gunst des Volkes zu buhlen braucht, vielmehr durch die Unter-stützung, welche ihr die Staatsverwaltung angedeihen lässt, die Freiheitempfängt, grosse und ernste Aufgaben zu fassen und, wenn es Noththut, den populären Geschmack auf rechte Wege zu leiten. Ohne Zweifelbieten auch die Ehrendenkmäler, die wir unseren Helden-und berühmtenMännern errichten, die Porträtstatuen, in welchen wir die Erinnerungan bedeutende Persönlichkeiten festhalten, dem Künstler reichen Anlass,seine Tüchtigkeit zu erproben: die wahre Heimath der Plastik bildenaber dennoch nur die freien Schöpfungen, in welchen der Künstlerungehindert von allen äusseren Einflüssen seiner Phantasie folgenkann, der Inhalt und die Form der Darstellung gleichmässig seinemGeiste entspringen, die Idealsculpturen, mögen sie den heroischenCharakter an sich tragen oder dem sogenannten Genre sich nähern.Gerade für diese Gattung von Werken, welche sonst überall auf dieimmer seltneren Privatliebhaber harren müssen, hält in Frankreich dieRegierung ihre öffentlichen Sammlungen mit anerkennenswerther Libe-ralität offen. Wir verweisen nur auf den Katalog der Luxemburggalerieund citiren aus dem Wiener Ausstellungskataloge folgende Werke alsStaatseigenthum: Aizelin: Psyche; Barrias: Die Spinnerin von Me-gara; Bourgeois: Die delphische Pythia; Cain: Tiger im Kampf miteinem Krokodil; D u b o i s: Florentinischer Sänger; II i o 11 e: Narciss;Moreau: Aristophanes; Renaudot: Najade; Sanson: Tänzer; Tru-pheme: Mädchen an der Quelle u. s. w. Unter solchen Umständenhat die Entschuldigung, dass man sich der Laune der Mode etwaunterwerfen müsse, keine Geltung und zeigen die Werke Schäden undMängel, so muss der Grund dafür in dem Kern des Kunstlebens selbstaufgesucht werden. Auf die Frage, ob die Kunstrichtung überhauptkrankt und die Mehrzahl der Künstler ansteckt, giebt das Studiumder französischen Malerei, die ja doch die tüchtigste und entschei-dendste Kunstgattung bleibt, den besten Aufschluss.

Der erste Eindruck, den man auf der Wiener Weltausstellungempfängt, ist der einer völligen Vernachlässigung dergrande peinture,wie es in der Pariser Ateliersprache heisst, der grossen Compositionen,in welchen der Künstler nicht allein sein technisches Geschick undseine Formenkenntniss, sondern auch seine Fähigkeit zu erfinden, grosseGruppen anzuordnen, bewähren muss. Diese ganze Gattung ist durchein einziges Werk vertreten: Cabanels: Triumph der Flora. Gewisswürde das Bild in entsprechender Aufstellung und in passender archi-tektonischer Einrahmung besser wirken. Es war bestimmt, die Deckedes Treppenhauses im abgebrannten Pavillon Flora in den Tuilerien